Parzival als aktuelle Lektüre und Förderung von Lesen und Schreiben

Waldorfpädagogik wieder auf der Leipziger Buchmesse präsent

Mit einer Palette von Themen und Veranstaltungen war der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) mit der Pädagogischen Forschungsstelle wieder auf der Buchmesse in Leipzig präsent. Die Inhalte reichen von den Voraussetzungen für Lesen und Schreiben über Selbstfindung in der Oberstufe bis hin zur Berufsperspektive der Waldorflehrkraft.

Veranstaltungen der anthroposophischen Verlage und der Vereinigung der Waldorfkindergärten boten darüber hinaus Lesungen und Diskussionen zu verschiedenen Themen. Beispielsweise wurde der Frage nach nachhaltiger Bildung im Kindergartenalter nachgegangen, dem Wunder der Selbstheilungskräfte oder der Bedeutung des Singens. Auch werden zeitgenössische Fragen rund um das Werk von Rudolf Steiner und die Anthroposophie aufgeworfen.

„Wir freuen uns auf Begegnungen mit diesem besonderen Publikum der Buchmesse am Stand der Pädagogischen Forschungsstelle und von Waldorfbuch“, betonte dazu Nele Auschra, Vorstand und Sprecherin des BdFWS. Die Waldorfdachorganisation wollte die Messe auch nutzen, um über den Beruf des Waldorflehrers zu informieren, täglich gab es dazu eine Info-Veranstaltung.

Mit einem Vortrag von Sibylle Raupach und einem Workshop „Augenblicke – Fingerfood fürs Gehirn“ mit motorischen Übungen bot die Pädagogische Forschungsstelle die Möglichkeit, sich über die neuromotorischen Voraussetzungen von Lesen und Schreiben zu informieren. Raupach ist Autorin des Buches „Lesen und Schreiben unter erschwerten Bedingungen“. „Wird im Unterricht immer wieder ein Schwerpunkt auf die Erarbeitung einer geschickten Motorik gesetzt, so wird jedes Kind umfassend gefördert“, betont die Pädagogische Forschungsstelle dazu. Dies gelte auch für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen.

Wolframs Versepos Parzival zählt zu den bedeutendsten Werken mittelhochdeutscher Literatur. Die Pädagogische Forschungsstelle hat dazu jetzt eine leicht gekürzte Neuübertragung in moderne Prosa herausgebracht, die auf der Buchmesse vorgestellt wurde. Sie ist besonders für Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe der Waldorfschule gedacht. Individuation und Initiation, religiöse und ethnische Toleranz, Spiritualität und Moral können am Beispiel des Parzival thematisiert werden, „zeitlose Themen, die aber angesichts der globalen Entwicklung aktueller denn je sind“, betont die Forschungsstelle dazu. Eine Veranstaltung mit Autor Ben Büttner zum neu übersetzten Parzival fand u. a. im Mendelssohn-Haus in Leipzig statt. Wolfram von Eschenbachs Parzival hat im Curriculum der Oberstufe an den Waldorfschulen seinen festen Platz.

Wenn Menschen durch Bildung zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt werden sollen, müsse sich dies bereits im Kindergartenalltag widerspiegeln – so das Thema einer Veranstaltung der Vereinigung der Waldorfkindergärten mit Sabine Cebulla-Holzki und Birgit Krohmer.

Die Leipziger Buchmesse hatte 2023 ein erfolgreiches Comeback gefeiert – nach drei Jahren Pause aufgrund der Corona-Pandemie.

Nele Auschra

Vorstand Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Weitere Infos erhält man unter anthroposophie-auf-der-buchmesse.org/

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Die derzeit 255 deutschen Waldorfschulen haben sich zum Bund der Freien Waldorfschulen e.V. (BdFWS) mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen, wo 1919 die erste Waldorfschule eröffnet wurde. In Deutschland besuchen mehr als 90.500 Schüler:innen eine Waldorfschule. Siehe auch waldorfschule.de.