Pressestimmen:

Corona, Impfgegener und die Anthroposophen

Freie Schulen – Einfallstor für „Querdenker“?

„Der Bund der freien Waldorfschulen weiß von solchen radikalen Strömungen und stellt sich dagegen. Es sei eine Fehldeutung der anthroposophischen Lehre, wenn Anhänger meinten, freie Waldorfschulen als ‚rechtsfreien Raum‘ aufzufassen, an denen staatliche Regelungen ‚missachtet‘ werden können, so Christoph Sander, Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Stuttgart, in den tagesthemen.“ (Tagesschau/hr, Volker Siefert, 29.11.2021)

So stehen anthroposophische Firmen zur Impfung

Die „in normalen Zeiten so positive Selbstbestimmung“ trage „den Anthroposophen derzeit viel Kritik ein – sie stehen im Verdacht, häufig Impfgegner zu sein, auch weil sie sich nichts vorschreiben lassen wollen.“ So wird dieser Streifzug durch Firmen mit anthroposophischen Wurzeln und ihre Haltung zu Corona und Impfen eingeleitet, der allerdings eher keine Überraschungen ans Licht bringt. Befragt werden Verantwortliche von Weleda, Wala, dm, Alnatura, Sonett, Demeter und der Mahle-Stiftung. Alle äußern eine grundsätzliche Zustimmung zum Impfen, betonen aber auch, dass die Entscheidung darüber persönlich getroffen werden müsse. (Stuttgarter Zeitung, Ulrich Schreyer, 29.11.2021)

Anthroposophische Ärzte sprechen sich für Impfung aus

„‚Es schmerzt schon, wenn in den Medien mit Vorwürfen suggeriert wird, dass die anthroposophische Medizin quasi hauptverantwortlich für die steigende Zahl von Coronatoten und die ungenügenden Erfolge der Impfkampagne wäre oder als Brutstätte für eine Impfgegnerschaft fungieren würde‘, sagt Martin-Günther Sterner, selbst anthroposophischer Arzt und Vorstand der GAÄD. ‚Wenn man weiß, wie viele Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende in anthroposophischen Kliniken und Praxen bis an die Grenze ihrer Kräfte in der Coronapandemie engagiert sind, dann ist das nicht nur unverständlich, sondern tut echt weh.‘“ (Stuttgarter Zeitung, Julia Bosch, 25.11.2021)

Umstrittene Studie: Anthroposophie als Quelle des „Querdenkertums“?

„Basler Soziologen haben im Auftrag der Grünen-nahen Heinrich Böll Stiftung versucht, die Corona-Proteste in Baden-Württemberg zu erklären. Ihre zentrale These, dass die sogenannten Querdenker wesentlich aus dem anthroposophischen Milieu genährt wurden, findet dabei große Medienresonanz. Bei näherem Hinsehen erweisen sich die methodische Basis und die inhaltlichen Ergebnisse der Studie allerdings als wenig tragfähig, um derart weitreichende Folgerungen ziehen zu können.“ (Info3, Jens Heisterkamp, 01.12.2021)

Offener Brief an die Medien

Im Zuge der Debatte um und Berichterstattung über die Freiburger Waldorfschule, die durch ungültige Maskenatteste in die Schlagzeilen geraten ist, haben sich jetzt auch Schüler:innen zu Wort gemeldet. In einem Offenen Brief distanzieren sie sich von „Corona-Leugnern“ und verwahren sich gegen pauschale Verurteilungen. (SWR, 26.11.2021)

Was Rudolf Steiner wirklich über das Impfen sagt

Ja wie isses denn nun mit Rudolf Steiner und dem Impfen? Die Stuttgarter Zeitung befragt dazu Jonathan Stauffer, Leiter des Rudolf-Steiner-Verlags (leider hinter Paywall). Er erklärt, dass sowohl Impfbefürworter als auch -skeptiker bei Steiner fündig werden können und meint, „Fragen zu haben und nicht gleich allem zu folgen, was vorgegeben wird“ bedeute nicht, dass man „Impfgegner“ sei. Auch gebe es in der anthroposophischen Szene keine „grundsätzliche Gegnerschaft“ gegen das Impfen:

„Ich habe nie erlebt, dass in Schulen aktiv dazu aufgefordert worden wäre, nicht zu impfen. Aber man steht dem vielleicht nicht so affirmativ und bedenkenlos gegenüber wie andere und lässt sich intensiver beraten. Ich kenne viele, die ihre Kinder geimpft haben.“ (Stuttgarter Zeitung, Stefan Kister, 29.11.2021)

Ungeimpft, aber nicht Impfgegner

Wohltuend sachlicher Beitrag, der sich die Mühe macht, etwas genauer auf mögliche Gründe für die schwächelnden Impfquoten zu schauen – diese seien nämlich „vielfältig“ und „etwas komplexer als gemeinhin angenommen“:

„Viel ist derzeit zu lesen und zu hören über die ‚deutschsprachigen Länder‘, die in Europa die höchste Quote an Ungeimpften haben sollen. Zur Erklärung ziehen Journalist:innen einerseits oft die angeblich so zahlreichen Anthroposophiegläubigen und Esoteriker:innen im linken Bürgertum heran, andererseits den fehlenden Zentralstaat. Doch das sind vor allem gefühlte Wahrheiten.“ (taz, Eiken Bruhn, 21.11.2021)

(Bereits im Januar 2021 hatte die Redakteurin ebefalls in der taz sehr treffend übers „Feindbild Impfgegner“ geschrieben.)

Schweizer Rudolf Steiner Schulen stehen hinter den Corona-Massnahmen

„Impfen sollte selbstverständlich eine individuelle Entscheidung sein“, sagt Robert Thomas, Präsident des Verbands der Rudolf Steiner Schulen Schweiz. ‚Wir grenzen uns jedoch von Massnahmeverweigerern und prinzipiellen Impfgegnern, von demokratie- und staatsfeindlichen Äusserungen sowie von verschwörungstheoretischem und rechtsextremem Gedankengut ab.‘ Daher verwahrt sich der Verband davor, mit diesen Gruppierungen oder diesem Gedankengut assoziiert zu werden.“

(Verband der Rudolf Steiner Schulen Schweiz, 25.11.2021)