Eine Perspektive für die Zukunft

Hilfsorganisationen im Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ zum Internationalen Tag der Katastrophenvorsorge: Leid verhindern, bevor es geschieht

„Viele Kinder und Jugendliche sind über Generationen hinweg traumatischen Situationen ausgesetzt. Daher gibt es für uns so viel Arbeit in den Slums, dass wir 24 Stunden am Tag mit ihnen arbeiten könnten“, berichtet Jorge Schaffer. Er unterstützt zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Notfallpädagog*innen Kinder und Jugendliche in Argentinien, die unter extremen Bedingungen aufwachsen und auf psychosoziale Hilfe angewiesen sind.

+L13-NFP Argentinien.psd

Armut, Kriminalität, Gewalt oder Perspektivlosigkeit bestimmen ihren Alltag und diese schrecklichen Erfahrungen verankern sich tief in der Seele. Seit vielen Jahren arbeiten Jorge Schaffer und sein Team bereits notfall- und traumapädagogisch mit Familien in verschiedenen argentinischen Armenvierteln und an kleinen Schulen vor Ort. Ziel ist es, insbesondere Kindern und Jugendlichen bei der Verarbeitung des Erlebten zu helfen, um Traumafolgestörungen abzuwenden oder möglichst ganz zu verhindern. Seit 2012 fanden regelmäßig notfallpädagogische Fortbildungen und Seminare der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. in Argentinien statt, wodurch sich im Laufe der Zeit eine dauerhafte und nachhaltige Arbeit vor Ort entwickelt hat, die schließlich selbstständig durch das lokale Team fortgeführt werden konnte.

Durch bewegungstherapeutische Ansätze und altersgerechte Angebote aus den Bereichen der Musik- und Maltherapie sowie der Erlebnispädagogik, werden die Kinder und Jugendlichen psychosozial unterstützt. Mit diesen Methoden, die auf Grundlage der Waldorfpädagogik basieren, arbeitete das lokale Team auch in verschiedenen Gefängnissen rund um Buenos Aires mit jugendlichen Straftätern. „Viele von ihnen haben selbst schreckliche Dinge erlebt und haben Angst vor der Zukunft. Durch sportliche und künstlerische Aktivitäten, intensive Gespräche und weitere notfallpädagogische Methoden haben wir versucht, den Jugendlichen bei der Verarbeitung des Erlebten zu helfen und ihnen eine Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen“, erklärt Jorge Schaffer.

+L13-NFP Argentinien2.psd

Während der Coronapandemie wird an der Arbeit in den Gefängnissen inzwischen als Gemeinschaftsprojekt der notfallpädagogischen Teams aus Spanien, Argentinien und Kolumbien gefeilt. Die Teammitglieder der verschiedenen Länder sammeln weitere Ideen, mit welchen Methoden eine Umgestaltung des Lebensstils der Jugendlichen und ihre Integration in die Gesellschaft erreicht werden kann. Im argentinischen Gefängnis in Olmos fand für eine Gruppe von jungen Inhaftierten bereits online eine notfallpädagogische Intervention statt, die von allen Teilnehmern positiv angenommen wurde. Weitere Aktivitäten in dieser Richtung sind in Planung.

„Notfallpädagogik ist oft eine große Herausforderung für uns als Team aber auch eine riesige Chance für die Kinder und Jugendlichen. Es gibt kein besseres Werkzeug mit so einfachen Mitteln so viele Menschen zu erreichen, sie bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen und sie für die Zukunft zu stärken,“ ergänzt Jorge Schaffer.

An diesen Beispielen wird deutlich, wie wichtig es ist, das notfallpädagogische Netzwerk der Freunde der Erziehungskunst weiter auszubauen und zu festigen, um Katastrophenvorsorge weltweit möglich zu machen. Inzwischen haben sich in 27 Ländern Fachkräfte aus medizinischen, therapeutischen oder pädagogischen Bereichen zusammengetan, um Kinder und Jugendlichen in Kriegs- und Krisengengebieten direkt vor Ort zu unterstützen.

Anlässlich des Internationalen Tags der Katastrophenvorsorge am 13. Oktober 2020 möchten die Notfallpädagog*innen das öffentliche Bewusstsein dafür schärfen, wie wichtig es ist, die Hilfe aus eigener Hand durch die Menschen vor Ort in den jeweiligen Ländern zu fördern.

„Überall auf der Welt sind Menschen in Not und wir können durch die Notfallpädagogik auch in vermeintlich hoffnungslosen Situationen Momente der Freude schaffen und den Betroffenen Mut machen“, betont Jorge Schaffer.

Die Katastrophenvorsorge wird von „Aktion Deutschland hilft“, dem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen unterstützt.

Kurzprofil Notfallpädagogik:

Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. unterstützt weltweit Kinder und Jugendliche in Kriegs-und Katastrophengebieten bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Seit knapp 10 Jahren reisen die nationalen und internationalen ehrenamtlichen Teams -bestehend aus erfahrenen Pädagog*innen, Therapeut*innen und Ärzt*-innen- in Krisenregionen, um den Betroffenen bei der Bewältigung des Erlebten zu helfen, bevor Traumafolgestörungen entstehen können. Stabilisierende Maßnahmen aus Psychotraumatologie und Waldorfpädagogik bilden die Grundlage für die Arbeit der Interventionsteams. Inzwischen wurden in 27 Ländern Teams im Bereich der Notfall- und Traumapädagogik ausgebildet und etabliert, die im Krisenfall schnell, unbürokratisch und nachhaltig helfen können. Vertreter dieser Länderteams haben sich 2019 zu einem internationalen Verbund zusammengeschlossen, der „Notfallpädagogik ohne Grenzen“ möglich machen möchte. Damit setzt die Notfallpädagogik neben der Akuthilfe für Kinder in Krisengebieten auf die Hilfe aus eigener Hand durch die Menschen vor Ort (Beispiel: Langzeitprojekte wie in Kenia oder im Nordirak) www.freunde-waldorf.de/notfallpaedagogik

Freunde der Erziehungskunst

Spendenkonto

GLS Bank Bochum BLZ 430 609 67 Konto 800 800 700

IBAN DE06 4306 0967 0800 8007 00

BIC GENODEM1GLS Stichwort „Notfallpädagogik“

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 20.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich fast 2.000 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten.

Bilder: Freunde der Erziehungskunst