Beziehung & Kommunikation in einer neuen Kommunikationsdimension

Keine Beschreibung eines Seminars, die sofort Neugierde und Begehrlichkeit bei mir weckte. Das Thema Kommunikation ist so omnipräsent. Keine Idee, keine Bilder entstehen im Vorfeld zum Seminarthema: „Beziehung & Kommunikation in einer neuen Kommunikationsdimension“. Täglich nutzen wir Kommunikation, welche Dimension soll da noch neu sein? Natürlich ist mir die Wichtigkeit bekannt, aber allzu oft begegnen mir Hülsen und Schatten in der Kommunikation, doch wie selten berührt Kommunikation noch?

Durch eine Abwesenheit von Erwartung zündet dann auch sofort der erste Satz von Dieter Schwarz. Jeder gibt immer sein Bestmögliches! Ein innerliches ABER, lässt nicht auf sich warten. Natürlich gibt immer jeder zu jeder Zeit, sein Bestmögliches, nur darf ich nicht anfangen es zu bewerten. Der Konflikt zu dieser Aussage entsteht dadurch, dass das eigene innere Bild (die eigenen Gefühle) mit denen der Wirklichkeit oder des meines Gegenübers kollidiert. Allzu oft ist man geneigt, die eigene Zufriedenheit aus dem Handeln des anderen zu ziehen. Konflikte entstehen nicht zwischen den Menschen, sondern durch die inneren Vorstellungen der Wirklichkeit. Ein Konflikt entsteht in mir. Welches Problem muss ich in mir lösen? Wenn ich glaube, dass jemand sich ändern muss, damit ich glücklich bin oder sich der Konflikt auflöst, dann wird sich keine Zufriedenheit einstellen. Zufriedenheit entsteht nur bedingungslos. Es braucht eine innerliche Bewegung. Das Leben ist unvollkommen, damit es sich bewegt. Statisch lösen sich Konflikte nicht.

In Dieter Schwarz`s Ausführungen zu Kommunikationsprozessen z. B. im Konflikt mit Kindern gibt es immer wieder die entscheidende Frage, die sich jeder Stellen kann: „Bin ich oder mein Gegenüber aktuell in Lebensgefahr“? Diese Frage zielt darauf ab, nicht alles unserem Autopiloten zu überlassen und unsere gewohnten Handlungsmuster zu unterbrechen. Der Autopilot ist für eine lebenswichtige Situation entscheidend, wenn aktuell keine Gefahr besteht, muss aber das Ich aktiv handeln. Droht keine Gefahr, kann ich im Bewusstsein bleiben und der Handlungsspielraum ist klar, dann kann ich mich selbst aus der Situation bringen. Das ist eine Spur, die mir sehr durch die herausfordernde Situation in der wir uns seit dem 20. März 2020 befinden, geholfen hat. Jeden Tag aufs Neue die Situation zu bewerten. Alte Pfade können nicht mehr betreten werden, Neuen müssen wir positiv entgegenblicken. Jemanden für die aktuelle Situation verantwortlich zu machen ist nicht möglich, aber daran arbeiten, dass wir nun damit umgehen müssen, das hat man bewusst in der Hand. Unser Bewusstsein ist beweglich und das Bestmögliche können wir jeden Tag geben.

Nicole Wildgrube

Seminar für Waldorfpädagogik Köln