Das Gute muss sich auch wirtschaftlich lohnen!

Veranstaltung zum Thema Gemeinwohl-Okonomie im Stuttgarter Rathaus

Die Gemeinwohl-Ökonomie Baden-Württemberg und die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN informieren über die Pionierrolle der Stadt Stuttgart bei der Verankerung sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und der Gemeinwohl-Ökonomie erläutern diesen Prozess, zeigen exemplarisch anhand der beiden städtischen Eigenbetriebe und zwei privatwirtschaftlichen Unternehmen die Gemeinwohl-Ökonomie-Bilanzierung auf und geben einen Ausblick auf die weitere Entwicklung in Stuttgart.

Städte und Gemeinden haben grundsätzlich die Aufgabe den Bürger*innen und somit dem Gemeinwohl zu dienen. Auch die Wirtschaft sollte, laut den Verfassungen unserer Gesellschaften, dem Wohl aller dienen. Die Realität sieht häufig anders aus. Inzwischen wünschen sich ca. 85 Prozent der Menschen in Europa eine „neue Wirtschaftsordnung
. Genau dort setzt die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) an: Sie misst Erfolg an der Steigerung des Gemeinwohls. Auf Initiative der Grünen Gemeinderatsfraktion hat die Stadt Stuttgart das Wirtschaften unter nachhaltigen Aspekten im aktuellen Haushaltsplan verankert.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist inzwischen in 20 Ländern vertreten, in Baden-Württemberg gibt es 13 Regionalgruppen. Mehr als 100 Unternehmen haben sich GWÖ-bilanziert, darunter Vaude Sport GmbH Co. KG, Sparda-Bank München eG, Sonnentor Kräuterhandels GmbH, Eigenbetrieb Leben & Wohnen, Stuttgart.

Daniela von Pfuhlstein, Pressebeauftragte der GWÖ Regionalgruppe Stuttgart, freut sich über die sehr positive Resonanz die das Konzept in Baden-Württemberg bekommt:

„Dass die Stadt Stuttgart das Thema Gemeinwohl-Ökonomie als Vorreiterstadt soweit vorantreibt, stimmt uns sehr positiv. Es ist aber wichtig, dass deutlich mehr privatwirtschaftliche Unternehmen, aber auch Institutionen wie Kommunen und Non-Profit Einrichtungen sich der Frage‚ was trägt mein Wirtschaften dem Gemeinwohl bei?‘ systematisch nachgehen.

Anna Deparnay-Grunenberg, Fraktionsvorsitzende der Grünen, die seit 2015 in Stuttgart das Projekt vorantreibt, ist überzeugt:

„Das Gute muss sich zukünftig auch wirtschaftlich lohnen. Das ist heute leider nicht immer der Fall und deswegen müssen wir anfangen, in alternativen Wirtschaftssystemen zu denken!

Jürgen Linsenmaier, Ethik- und Reputationsexperte, erklärt:

„Das Thema Ethik und Nachhaltigkeit ist in vielen Chefetagen und Unternehmerköpfen angekommen. Nachhaltiges Handeln in Unternehmen ist eine ganzheitliche Aufgabe. Das zeigt sich auch und vor allem im schonenden Umgang mit Ressourcen, in der Führung von Mitarbeitern, in der Qualität der Produkte und der Lieferkette sowie in der eigentlichen Leistungserbringung.

Prof. Dr. Klaus Gourgé, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, gibt eine wissenschaftliche Erläuterung zur Gemeinwohl-Ökonomie. Demnach ist „unsere bisherige Lebens- und Wirtschaftsweise alles andere als nachhaltig und bedarf daher einer grundlegenden Transformation. Die Gemeinwohl-Ökonomie bietet dafür ein durchdachtes und auch schon ansatzweise praktisch erprobtes Modell.

Der Haushaltsantrag der Grünen im Stuttgarter Rathaus hat dem Eigenbetrieb Leben & Wohnen (ELW) ermöglicht, als erstes städtisches Unternehmen diese Art der Bilanzierung durchzuführen.

Sabine Bergmann-Dietz, ELW-Geschäftsführerin, sagt über den Prozess:

„Es war sehr spannend zu eruieren, in welchen Geschäftsfeldern, wir bereits sehr gemeinwohl-orientiert handeln und wo wir Nachholbedarf sehen. Wir freuen uns sehr, dass der Gemeinderat die Mittel zur Verfügung stellt unsere Lieferkette noch nachhaltiger zu gestalten.

Auch Frank Endrich, Geschäftsführer der Stadtentwässerung Stuttgart (SES), hat sich von der Initiative mitreißen lassen und sagt darüber:

„Innovative ökologische Verfahren und gutes Personal-Management werden durch die Gemeinwohl-Bilanz sichtbar und regen wahrscheinlich Nachahmer an!

Clemens Morlok, Geschäftsführer just call GmbH. Eine Branche Tele- und Dialogmarketing die üblicherweise mit schlechten Arbeitsbedingungen und gnadenloser Profitorientierung in Verbindung gebracht wird. Die Firma hat die Gemeinwohl-Bilanzierung durchgeführt und Morlok resümiert:

„Wir hatten plötzlich Bewerbungen von Fachkräften im pharmazeutischen Bereich, die sich gezielt wegen unseres GWÖ-Berichtes bei uns bewarben. Das hat die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern außerordentlich erleichtert. Die Einbindung von allen Mitarbeitern in Unternehmens- und Personalentscheidungen entlastet die Geschäftsführung und schafft Freiraum für Entwicklungen.

Felix Ziegenbein, Geschäftsführer der Heinz Ziegenbein GmbH & Co KG. Ein hoch spezialisierter Anbieter für Beschichtungen, Kaschierungen und Materialausrüstungen ist für die Bilanzierung im Rahmen der Gemeinwohl-Ökonomie motiviert da „aus unserer Sicht nachhaltiges Unternehmertum nur erfolgreich sein kann, wenn alle beteiligten Akteure wie Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Netzwerkpartner und die Umwelt in das unternehmerische Handeln mit ihren jeweiligen Interessen mit einbezogen werden. Wir sind davon überzeugt, dass diese Herangehensweise die Grundlage für unseren wirtschaftlichen Erfolg von heute und für morgen ist und sein wird.

Rainer Müller, Gemeinwohl-Ökonomie Regionalgruppe Stuttgart, ist überzeugt: je breitgefächerter das Portfolio der aktiven Unternehmen und Institutionen ist, desto schneller wird das Konzept politische und gesellschaftliche Auswirkungen haben. Er stellt klar:

„Langfristig ist es natürlich notwendig, dass Betriebe und Institutionen, die ihren Beitrag zum Gemeinwohl dokumentieren und entsprechend verbessern, Druck auf die Politik ausüben, damit die öffentliche Hand durch Bevorzugung von öffentlichen Aufträgen oder Steuervorteilen, sich die Investitionen langfristig für alle rentieren.

In diesem Sinne haben die Grünen in einem ihrer Haushaltsanträge EUR 60.000 jährlich für Erstgutachten für Private, Workshops für Einsteiger und die Bekanntmachung der Gemeinwohlökonomie in Stuttgarter Unternehmen bereitgestellt. Außerdem wurde eine 50-Prozent-Stelle bei der Stadt durchgesetzt, die sich künftig darum kümmert, das Konzept der GWÖ bei hiesigen Firmen und Institutionen zu etablieren.

Gemeinwohl-Ökonomie Baden-Württemberg

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an:

Daniela von Pfuhlstein, Pressebeauftragte der GWÖ Regionalgruppe Stuttgart, Tel: 0711 248 5969, bawue-presse@ecogood.org

Anna Deparnay-Grunenberg, Fraktionsvorsitzende B90/DIE GRÜNEN, Gemeinderat Stuttgart, Tel: 0177 69 49 264, anna.deparnay-grunenberg@stuttgart.de