Nepal: Marketing für Bergbauern

Ausbildung, Beratung und neue Marktzugänge für Bio-Bauern in Dhading

Immer mehr Kleinbäuer*innen im nepalesischen Distrikt Dhading können durch den herkömmlichen Anbau ihre Familien nicht ernähren. Ihr Interesse an einer Umstellung auf biologische Anbautechniken ist groß. Jedoch fehlt es an Wissen und Zugängen zu den wachsenden Märkten für biologische Erzeugnisse im nahegelegenen Kathmandu. SECARD Nepal, unsere Partnerorganisation für landwirtschaftliche Beratung, möchte 1.500 Bergbäuer*innen schulen.

+--Lö-14-c-SECARD_2017+(1).psd

Gelbe Staubschleier hängen in der Luft, die Bergketten verschwinden in der Ferne im Dunst. Die steilen Hänge rund um das kleine Dorf Dhakalkhola im südöstlichen Dhading sind vollständig und sehr ordentlich terrassiert. Dhading liegt in den sogenannten Mid-Hills von Nepal, im Bergland zwischen dem flachen Terai-Gebiet und dem Hochgebirge des Himalayas. Es ist traditionelles Land für die Landwirtschaft, mit ursprünglich guten Böden. Es gibt einige Stein- und Sandbrüche in der Gegend, die Tagelöhner beschäftigen, die Mehrheit der Menschen lebt aber von der Bewirtschaftung kleiner Farmen.

Der Distrikt ist 2015 verheerend von den Erdbeben getroffen worden: 100 Prozent der traditionell gebauten Wohnhäuser aus Steinblöcken wurde zerstört. Dies betraf besonders die armen Bauernfamilien, die größtenteils der niedrig angesiedelten, indigenen Kaste der Tamang angehören. Unser Projektpartner SECARD fördert bewusst Tamang-Familien und besonders Frauengruppen aus der Gegend. Oftmals handelt es sich dabei um Frauen, die auf den Farmen zurückbleiben, wenn ihre Männer auf der Suche nach Einkommen als Lohnarbeiter ins Ausland gehen.

+Lö-14b-SECARD_2017+(2).psd

Govinda Aryal ist noch hier. Der Bauer bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie eine kleine Farm in Dhakalkhola. Tiefgrüner, gesunder Brokkoli steht auf seinem Feld. Trotz der langen Trockenzeit und zentimetertiefen Staubschichten auf den schmalen Pisten, die vom Kathmandu-Tal heraufführen, sieht seine Ernte gut aus. Die Familie hat Glück: Das kleine Rinnsal, das aus einer Quelle weiter oben über ihr Land führt, ist beim Erdbeben 2015 nicht wie so viele andere versiegt. Über ein weit verzweigtes Netz von kleinen Kanälen leitet Herr Aryal das Wasser zu seinen Feldern.

Der Brokkoli ist biologisch angebaut. Seit Herr Aryal vor anderthalb Jahren das erste Mal an einer Schulung zum organischen Landbau von SECARD teilgenommen hat, hat er seine Produktion fast komplett auf organischen Anbau umgestellt. Maheswar Ghimire, Leiter der Organisation SECARD, erklärt: „Vor fünf Jahren haben wir begonnen, mit Kleinbauerngruppen in Dhading zu arbeiten. Organische Produktion war damals hier weitgehend unbekannt, der Gebrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden weit verbreitet. Unsere Trainings wurden von den Bauerngruppen enthusiastisch aufgenommen, weil sie ja selber merken, dass ihre Anbaumethoden immer weniger ertragreich waren, dass die Böden immer mehr Düngemittel brauchten. Wir beginnen mit der Umstellung im Küchengarten der Familien auf einem kleinen Bereich, wo sie die Wirkung erst mal beobachten können, ohne ein großes Risiko einzugehen. Dann werden die Felder für Gemüseanbau integriert. Als Letztes kommen die cash crops, in dieser Region vor allem Ingwer, Kurkuma und andere Gewürze. Diese Monokulturen rein biologisch zu bewirtschaften ist fast unmöglich. Wir erarbeiten mit den Bauern schrittweise Umstellungssysteme zum Mischanbau und zur Diversifizierung, ohne ihr Einkommen zu gefährden.“

Ein bewiesenes Erfolgskonzept

SECARD bietet umfassende Schulungen und Beratung der Bauerngruppen in allen Schritten der Umstellung an – von der Herstellung von organischen Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln über Wassermanagement und Konturieren der Böden, Aufforstung und Erosionsschutz, Tierzucht und -haltung sowie integriertes Farm-Yard-Management bis hin zur Lagerung, Weiterverarbeitung und Vermarktung. Die Trainer*innen von SECARD bilden die Menschen aus und begleiten sie mit praktischer Hilfestellung. So gibt es in der Region mittlerweile sehr aktive, organisch produzierende Kleinbäuer*innen, für die die größte Hürde nun das Marketing ist.

+Lö-14a-SECARD_2017+(3).psd

Herr Aryal verkauft seinen Bio-Brokkoli weiterhin an Zwischenhändler, die regelmäßig die Dörfer ansteuern und die Ernten für die Märkte in Kathmandu ankaufen. Sie bezahlen den normalen Kilopreis – ohne ein Bewusstsein für den Wert der biologischen Ware. Im Tal angekommen verdienen die Zwischenhändler das Vielfache mit der Ware. Für Herrn Aryal selbst ist es aus Kostengründen nicht möglich, seine Ernte nach Kathmandu zu transportieren. Dazu Herr Ghimire: „Im Großraum Kathmandu gibt es einen wachsenden Markt für biologische Produkte. Vor allem durch den Tourismus, aber auch durch ein wachsendes Bewusstsein für Gesundheit und Umweltthemen in der nepalesischen Bevölkerung. Diese Märkte möchten wir für die Bauerngruppen aus Dhading erschließen.“

Das neue Vorhaben

In den nächsten drei Jahren möchte SECARD rund 450 Bauernfamilien mit Schulungen zu organischer Landwirtschaft erreichen. Auf sechs gemeinschaftlich gemanagten Trainingsfarmen sollen die Bauerngruppen unterrichtet werden, außerdem sollen dort Pflanzenkliniken und Versuchsfelder entstehen. Erfahrene Kleinbauern wie Herr Aryal sollen als Modellbauern arbeiten. Die Gruppen sollen mit Zuchttieren zur Verbesserung der Ziegen-, Geflügel- und Schweinezucht ausgestattet werden. Bauernfamilien mit Büffeln oder Kühen erhalten Unterstützung bei der Verbesserung ihrer Tierställe. In einem zentralen Dorf soll eine Saatgutbank entstehen. Auch im Bereich Bewässerung und Regenwasserspeicherung ist einiges geplant: Drei Gemeinden erhalten Unterstützung zum Aufbau von Bewässerungssystemen, 100 Bäuer*innen werden beim Bau von Regenwassersammelbecken gefördert.

Durch den Aufbau genossenschaftlicher Strukturen ist geplant, die Vermarktung der Bio-Produkte zu fördern. Sammel- und Lagerplätze für die Ernte sowie der gemeinschaftliche Transport sollen organisiert werden, um die hohen Verluste durch Zwischenhändler zu umgehen.

Alle Vorhaben sollen in den nächsten drei Jahre umgesetzt und gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert werden. Jährlich sind rund 80.000 Euro für die Durchführung notwendig. Pro erreichter Bauernfamilie sind dies 53 Euro pro Jahr.

Julia Feldhausen

Spendenkonto:

Zukunftsstiftung Entwicklung

IBAN: DE05 4306 0967 0012 3300 10

BIC: GENODEM1GLS

Spendenzweck:

Nepal – Bergbauern (F 151)

Bildrechte: Zukunftsstiftung Entwicklung

Bilder::

oben: Es sind vor allem Frauen, die sich organisieren und vom organischen Landbau profitieren wollen.

Mitte: Govinda Aryal hat gelernt, Jauchen zu produzieren, die seinen Pflanzen zugute kommen.

unten: Dhading: Terrassierte Landschaft, die vom Erdbeben stark getroffen wurde.

Für mehr Informationen: www.zukunftsstiftung-entwicklung.de