Therapeutischer Widerstand

Ita Wegman und ihr Vorgehen in der Zeit des Nationalsozialismus

„Therapeutischer Widerstand“ hat Prof. Dr. med. Peter Selg seinem Vortrag am 16. Oktober 2017 im Audimax der Universität Witten/Herdecke als Titel gegeben. Er beschreibt darin die anthroposophische Ärztin Dr. med. Ita Wegman (1876-1943), die mit Rudolf Steiner und anderen die Grundlage der anthroposophischen Medizin legte. Sie gründete im Sommer 1921 das erste anthroposophische Klinikum in der Schweiz, die heutige Klinik Arlesheim. Sie baute später Dependancen ihres Spitals in London und Ascona auf, förderte die Entstehung von therapeutischen Praxen und Arbeitsgemeinschaften in vielen europäischen Städten, aber auch die Entwicklung heilpädagogischer Institute anthroposophischer Ausrichtung.

Im Vortrag wird dargestellt, wie sich Ita Wegman, die auch Leiterin der Medizinischen Abteilung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften (Goetheanum) in Dornach war, in der Zeit des Nationalsozialismus, der nationalsozialistischen Medizin und der Euthanasie verhielt. Bereits ab 1933, also sehr frühzeitig, versuchte sie, in der Anthroposophischen Ärzteschaft ein Bewusstsein für die Brutalität des NS-Regimes hervorzurufen. Sie hat jegliche Kooperation abgelehnt, hat jüdischen Kollegen ins Ausland geholfen, hat die heilpädagogischen Heime gegen Sterilisation und Euthanasie zu schützen versucht und hat jüdische Kinder in die Schweiz geholt. Sie starb 1943 im Alter von 67 Jahren in Arlesheim.

Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Prof. Dr. med. Peter Selg leitet das Ita Wegman Institut für anthroposophische Grundlagenforschung in Arlesheim (Schweiz). Er unterrichtet medizinische Anthropologie und Ethik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter (Fachbereich künstlerische Therapie) und an der Universität Witten/Herdecke (IBAM/Gerhard Kienle-Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin).

Dieser dritte Beitrag im Rahmen der dreiteiligen Vortragsreihe: „Bewusstseinsbildung und Ethik anhand des Nationalsozialismus“ steht im Kontext der Forschungen von Peter Selg zur „anthroposophischen Medizin im Nationalsozialismus“.