Jal, Jungla Aur Jameen

Landrechte, Wald und Wasser

Indien: Intelligente Ansätze im Kampf um Land und Wasser

Die basisdemokratische Bewegung Ekta Parishad hilft auf kreative Weise bei der Durchsetzung von Landrechten und schafft Lebensperspektiven auf ehemaligem Ödland.

Es ist ein Erfahrungswert, dass Wald, Land und Wasser erhalten werden, wenn Menschen sich in Gemeinden zu ihrem Schutz zusammenschließen und diese nachhaltig bewirtschaften. In der Schulung und Ausbildung von Gemeinden liegt damit ein Schlüssel für den Umgang mit Dürren. Ekta Parishad arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich an dem Aufbau von dörflichen Selbstverwaltungsgruppen, um sowohl organischen Landbau und Ernährung als auch Lebensgrundlagen zu sichern. Ein Ansatz dabei ist ‘Shramdan Camp’ – was soviel heißt wie „freiwillige Arbeit schenken“. Menschen kommen zusammen und schenken ihre Arbeitskraft in koordinierten Einsätzen, um gemeinschaftliche Lebensgrundlagen zu erhalten.

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Die notwendigen Elemente sind im Grunde einfach: Kaum genutztes Ödland in Händen des Staates, Menschen, die bereit sind, freiwillige Arbeit für ihre Gemeinde zu leisten, Menschen, die technisches Wissen haben und den Aufbau und den Unterhalt angepasster, einfach zu unterhaltender Technologie anleiten können, saisonale oder permanente Flüsse sowie geringe Investitionen.

2016 haben Mitarbeiter*innen von Ekta Parishad zehn Gemeinden unter anderem beim Bau von Staubecken oder der Vertiefung von Dorfbrunnen und der Einforderung von Ödland begleitet. Mitglieder der Gemeinden leisteten zwischen 250 und 1.824 Tagesarbeitseinsätze. Ein Beispiel: In der Gemeinde Sabadi, Distrikt Sheopurkalan, gab es ein Flüsschen, dessen Verlauf die Option beinhaltete, ein Staubecken zu bauen. Das Land hinter der zu errichtenden Staumauer war Ödland und in Regierungsbesitz. In 1.224 Tagesarbeitseinsätzen bewegten die Gemeindemitglieder Erde. 102 Familien, die zur Gruppe der kastenlosen Sahariya gehören, verschoben Erdmassen auf 200 Metern Länge, zehn Metern Breite und fünf Metern Tiefe. Sie bauten eine kleine Staumauer. Die Mitarbeiter*innen von Ekta Parishad steuerten neben ihrem technischen und organisatorischen Wissen Lebensmittel für eine tägliche, gemeinsam gekochte Mahlzeit bei. Mit dem gestauten Wasser können nun hinter der Staumauer unter anderem etwa 50 Hektar Land organisch bewirtschaftet werden – Hecken und Bäume eingeschlossen. Das wiederum schafft die Lebensgrundlage für 120 Familien, die das ehemalige Ödland gemeinschaftlich bewirtschaften. Diese neue Lebensgrundlage verhinderte ihre Abwanderung in die Slums der indischen Großstädte.

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Über diese Aktionen bringen die Mitarbeiter*innen Ekta Parishads die Gemeinden in Kontakt mit den lokalen Behörden. Die gemeinschaftliche Anstrengung lenkt Aufmerksamkeit auf gesellschaftlich stigmatisierte Randgruppen und lässt deren Fähigkeiten zur Selbstorganisation in neuem Licht erscheinen, was sich wiederum positiv auf die Kooperation mit den Behörden auswirkt. Eine sich positiv verstärkende lokale Entwicklungsspirale kann so in Gang kommen.

Als Bewegung ist Ekta Parishad inzwischen so bekannt und attraktiv, dass auch junge Menschen aus der städtischen Mittelschicht freiwillige Arbeit bei Gemeindeeinsätzen leisten. In der durch das Kastensystem streng hierarchisch geprägten indischen Gesellschaft entstehen so neue Kooperationsformen, die wechselseitiges Verständnis und neue Zugänge gesellschaftlicher Teilhabe für ausgegrenzte Gruppen schaffen.

Ramesh Sharma, einer der zwanzig nationalen Mitarbeiter von Ekta Parishad, der derartige Einsätze auf Anfragen von Gemeinden begleitet, fertigte einen Bericht über die Erfahrungen mit den zehn Gemeinden, die 2016 ihren Zugang zu Wasserressourcen aufbauten, an. Dieser Bericht dient als Grundlage zu Verhandlungen mit der indischen Bundesregierung. Ziel sei, ein Verständnis für das Gemeindebasierte Management von Ressourcen zu schaffen, um es auch bundesstaatlich zu befördern. Der Weg bis dahin mag lang sein – doch die praktischen Aktionen verändern das Leben der Gemeinden bereits heute nachhaltig.

Für weitere geplante Aktionen benötigt Ekta Parishad Unterstützung. Pro Gemeinde sind zwischen 3.500 und 7.000 Euro für Baumaterialien und Lebensmittel notwendig.

Dr. Annette Massmann

Spendenkonto:

Zukunftsstiftung Entwicklung

IBAN: DE05 4306 0967 0012 3300 10

BIC: GENODEM1GLS

Spendenzweck:

Indien – Landrechte (F 169)

Für mehr Informationen: www.zukunftsstiftung-entwicklung.de

Bild oben: Diese Frauen erschließen Ödland dank eines gemeinschaftlichen Staubeckenbaus.

Bild unten:Gemeinschaftlicher Arbeitseinsatz im Shramdan Camp.

Fotos:: Ekta Parishad/ Zukunftsstiftung Entwicklung