Neue Gentechnikverfahren – heiß diskutiert und ohne gesetzliche Regelung!

Über neuartige Gentechnik-Methoden – insbesondere CRISPR / CAS – wird zurzeit heiß diskutiert. Einige sehen darin Potenzial auch für die ökologische Landwirtschaft. Von Vertretern der ökologischen Anbauverbände wird dies jedoch strikt abgelehnt.

Die Zukunftsstiftung setzt sich bzgl. der neuen Methoden gemeinsam mit vielen Organisationen dafür ein, dass EU-weit auch weiterhin Gentechnik drauf steht, wo Gentechnik drin ist! Die Verfahren sind so neu, dass für sie bisher kein rechtlicher Rahmen existiert. Im Zuge der TTiP Verhandlungen gibt es in Brüssel jedoch eine starke Lobby, die versucht, die neuen Gentechnikmethoden unreguliert und damit auch ohne Kennzeichnung auf den Markt zu bringen.

Schneller, präziser, billiger?

Befürworter behaupten, mit CRISPR/Cas lässt sich Erbgut endlich genauer, leichter und billiger verändern als mit alten Gentechnik-Methoden. Erste Untersuchungen haben jedoch nachgewiesen, dass auch bei CRISPR/Cas ungewollte Veränderungen im Genom und damit Risiken für Umwelt und Gesundheit möglich sein können. Auch gesellschaftspolitische Fragen stellen sich, da absehbar ist, dass die so erzeugten Pflanzen patentiert werden. Der Saatgutkonzern Pioneer hat bestätigt, dass er ein Patent auf einen Cripser-Mais beantragt habe. Zudem könnte CRISPR/Cas zur weiteren Rationalisierung und Intensivierung in der Landwirtschaft beitragen.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) warnte grundsätzlich vor der Hoffnung, mit CRISPR und „Genome Editing“ landwirtschaftliche Probleme lösen zu können. „Wir dürfen uns nicht zu einem naiven Fortschrittsglauben verleiten lassen“, sagte BÖLW-Chef Peter Röhrig im Deutschlandradio Kultur. Klare Positionierung

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, einer der größten Förderer einer ökologischen Züchtungsforschung in Deutschland, und Öko-Züchter lehnen CRISPR ebenfalls ab. „Technische Eingriffe in die DNA“, wie sie bei diesem Gentechnik-Verfahren stattfänden, passten nicht zu den Grundsätzen, auf die sich die internationale Bio-Branche geeinigt hat. „Nach allem, was wir darüber bisher wissen, sollten gentechnisch veränderte Organismen in geschlossenen Systemen verbleiben und sich nicht unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten“, heißt es in dem neuen Positionspapier der Zukunftsstiftung Landwirtschaft zu Bio 3.0 im Abschnitt „Technik und Glauben“.

Alternative Ansätze unterstützen

„Der Ökolandbau sollte weiterhin auf Vielfalt und eine breite genetische Basis setzen. Monogenetische Resistenzen, die mit Crisper erzeugt werden können, sind daher auf lange Sicht keine Lösung im Sinne des Ökolandbaus“, bemerkt Oliver Willing, Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Zugleich verweist er auf die Erfolge der ökologischen Züchtung der letzten Jahre.

Eine innovative Idee, die seit Jahren von dem Getreidezüchter Dr. Hartmut Spieß verfolgt wird, hat nun auch das Bundessortenamt überzeugt: Dr. Spieß konnte für die ersten Mehrlinien-Sorten (auch Composite Cross Population (CCP) genannt) eine Anmeldung bekommen. Von diesen Mehrlinien-Sorten wird ein hohes Anpassungsvermögen bei optimalen Erträgen erwartet, auch im Hinblick auf Wetterextreme im Zuge des Klimawandels.

Einziges Manko: die finanzielle Unterstützung für die notwendige Forschungs- und Entwicklungsarbeit muss noch deutlich ausgebaut werden. Einerseits durch eine adäquate Bereitstellung staatlicher Fördermittel, jedoch auch durch vielfältige Spenden von Biounternehmen und VerbraucherInnen z.B. an den Saatgutfonds.

GLS-Treuhand-Saatgutfond