Notfallpädagogische Krisenintervention in Ecuador

Am 16.04.2016 wurde Ecuador von einem Erdbeben der Stärke 7,8 erschüttert. Vor allem Kindern fällt es schwer, solche Ereignisse zu verarbeiten, sie verlieren buchstäblich den Boden unter den Füßen. Um diese traumatisierten Kinder zu unterstützen, im Mai reiste ein notfallpädagogisches Team der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. in die Region Manabí.

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Maltherapie

Bei einem derartigen Beben verlieren viele Kinder das Vertrauen in die Stabilität ihres Umfelds, ihr ganzes Weltbild kann durch eine solche Katastrophe erschüttert werden. Inzwischen kam es zu über 500 weiteren heftigen Nachbeben, die die Menschen in ständiger Angst leben lassen. Kinder haben oft besondere Schwierigkeiten, ihre Erfahrungen von Angst, Zerstörung und Tod einzuordnen und zu überwinden, so kann es zu posttraumatischen Belastungsreaktionen kommen. Mit notfallpädagogischen Methoden können diese Kinder stabilisiert werden und so Trauma-Folgestörungen vermieden werden.

„So wichtig die Behandlung von Wunden, Brüchen und anderen körperlichen Folgen des Erdbebens auch ist - die psychologischen Auswirkungen einer solchen Katastrophe belasten die Betroffenen meist noch lange nach dem Beben.“ bringt Manuela Roßbach (Geschäftsführerin von „Aktion Deutschland Hilft“) es auf den Punkt.

In kunst- und erlebnispädagogischen Workshops haben betroffene Kinder die Möglichkeit, den traumatischen Erlebnissen neue, schöne Erfahrungen entgegenzusetzen. „Somit kann sich die Trauma bedingte seelische Erstarrung lösen und das Erlebte leichter verarbeitet werden“, erklärt Bernd Ruf, der Einsatzleiter. Die sonst so freudigen ecuadorianischen Kinder sollen wieder lachen dürfen. Auch die Eltern und nahen Bezugspersonen sind oft traumatisiert, sie sind nicht oder nur bedingt in der Lage, ihren Kindern zu helfen. Zudem sind sie häufig mit dem Trauma bedingten Verhaltensänderungen ihrer Kinder überfordert. Für sie werden Beratungen angeboten, die ihnen ein besseres Verständnis der posttraumatischen Reaktionen ermöglichen sollen.

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Zerstörung

Das ehrenamtliche notfallpädagogische Team besteht aus 12 erfahrenen PädagogInnen und TherapeutInnen, vier davon kommen aus Deutschland, die übrigen aus dem südamerikanischen Raum. Viele der Teammitglieder haben bereits langjährige Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Kindern nach Katastrophen oder humanitären Krisen.

Pädagogische Erste Hilfe nach der Katastrophe

Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst basiert auf waldorfpädagogischen Methoden und verwandten Therapieformen. Im Rahmen zahlreicher Einsätze weltweit konnte bereits vielen Kindern geholfen werden, ihre traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und sogenannte Trauma-Folgestörungen zu mildern.

Ein rhythmisch gestalteter Tagesablauf, geregelte Essens- und Schlafenszeiten, Ruhe- und Aktionsphasen sollen den Kindern und Jugendlichen einen neuen Orientierungsrahmen, Sicherheit und Halt geben. Durch die Anregung der Selbstheilungskräfte der Betroffenen wird der Verarbeitungsprozess gefördert und unterstützt. Mit erlebnispädagogischen Übungen soll das Vertrauen in sich selbst und seine Mitmenschen gestärkt werden. In den kunst- und erlebnispädagogischen Kursen haben betroffene Kinder die Möglichkeit den traumatischen Erlebnissen neue und schöne Erfahrungen entgegenzusetzen. Bewegungs- und Klatschspiele bringen Freude, lösen innere Erstarrungen und unterstützen die körperliche Koordination

Freunde der Erziehungskunst

Foto: © Worldvision