Eltern wachsen

SPIELRAUM Eltern-Kind-Gruppen Leiterin

Weiterbildung im Therapeutikum am Kräherwald

Carl krabbelt jetzt seit zwei Wochen. Nun hat er die schiefe Ebene entdeckt und die Holzautos, die oben auf dem Podest warten… Auf Händen und Knien bewegt er sich die Schräge hinauf und rutscht immer wieder herunter. Unermüdlich nimmt er immer wieder Anlauf und probiert und probiert und entdeckt dabei, dass es auch lustig ist, wieder hinunter zu rutschen.

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Spielraum

Man sieht ein Lächeln auf seinem Gesicht und die Motivation seines Tuns hat sich verändert. Nachdem er das einige Dutzend Male wiederholt hat, krabbelt er um den Podest herum und auf der anderen schiefen Ebene finden seine Knie plötzlich Halt durch den Teppichbelag und er schafft es bis auf den Podest hoch zu krabbeln. Stolz schaut er zu seiner Mama, die sich sichtlich mit ihm freut.

Schon seit einigen Jahren sind viele Eltern auf der Suche nach Anleitung und Unterstützung in Fragen des Umgangs und der Erziehung ihres Kindes. Die eigene Familie wohnt oft weit weg oder ist in den Augen der jungen Eltern kein Vorbild. Hinzu kommt, dass der gesellschaftliche Trend dahin geht, dass die Kinder schon von früh an „gefördert“ werden „müssen“, damit sie (angeblich) keine Lernchance „verpassen“.

Dabei sind die Eltern oft hilflos den Medien und der Werbung ausgeliefert, die suggerieren, was Kinder „angeblich“ brauchen. Auch gab es in den letzten Jahren große gesellschaftliche Umbrüche in Bezug auf das Rollenverständnis als Mutter oder Vater. Mütter gehen heute früh wieder arbeiten, die Vorteile der Krippen wurden in den Medien gepriesen und die „Familienarbeit“ muss neu ausgehandelt werden. Erfreulicherweise gibt es auch immer mehr Väter, die zu einer echten Bindungsperson für ihr Kind werden.

Der SpielRaum als Eltern-Kind-Gruppe bietet einen Rahmen, in dem es um die Entwicklung der Kinder geht und die Eltern das Angebot wahrnehmen, um ihren Kindern einen Raum für freie Entfaltung im Spiel und in der Bewegung zu bieten. Aber auch für die Eltern ist es ein Raum, in dem sie Ruhe finden und lernen können. Es bleibt immer auch Zeit, die Fragen der Eltern zur Erziehung zu besprechen. Mit den Eltern beobachten wir im Spielraum, was die Kinder gerade lernen, was für ihre Entwicklung wichtig ist und wie Eltern in Beziehung zu ihrem Kind sind, ohne dass das Kind zu sehr im Mittelpunkt steht.

Da es mit waldorfpädagogischen Elementen keine Weiterbildung zur Eltern-Kind-Gruppenleitung gibt, möchte ich mit diesem Angebot einen neuen Bereich erschließen. Die Verbindung der Pädagogik von Emmi Pikler, Elementen der Waldorfpädagogik und der beratenden Haltung von Jesper Juul ist meiner Meinung nach eine wunderbare gegenseitige Befruchtung.

Seit über 15 Jahren arbeite ich nun in meiner Praxis im (anthroposophischen) Therapeutikum am Kräherwald. Die Arbeit mit Eltern und ihren Kindern in der Spielraum-Gruppe und den begleitenden Elternabenden ist stark nachgefragt und sehr erfolgreich. So werden Eltern in der Eltern-Kind-Gruppe SpielRaum begleitet und erfahren bereits viele Elemente der Waldorfpädagogik. Viele entscheiden sich dann dabei zu bleiben und wechseln nahtlos in die Vorkindergartengruppe und dann den Waldorfkindergarten.

Das Weiterbildungsangebot richtet sich an Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte und besteht aus 10 Wochenenden, jeweils Freitagnachmittag und Samstag. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Handlungskompetenz in der besonderen Situation des SpielRaums, der Selbsterfahrung in den unterschiedlichen Entwicklungsbereichen und dem Erüben einer selbstreflektierenden Haltung im Arbeitsfeld zwischen Eltern und Kindern.

Um zu Carl zurück zu kehren: Weitere zwei Wochen später bereitet es ihm keine Mühe mehr, die schiefe Ebene hoch zu kommen und er entdeckt mit Freude, wie die Autos den „Berg“ hinunter fahren und weg rollen. Nun rutscht er gekonnt auf dem Bauch hinterher und trägt sie wieder nach oben. Er ist ganz vertieft in sein Spiel und mit sich selbst zufrieden…

Tanja Knoke

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite: www.eltern-wachsen.de

Foto: Tanja Knoke