Immer mehr Waldorfschulen nehmen Flüchtlingskinder auf

Die Waldorfschulen in Deutschland beteiligen sich in zunehmendem Ausmaß an der Beschulung von Flüchtlingskindern und -jugendlichen. Das geht aus einer Analyse der Beratungs- und Koordinierungsstelle des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) und der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. hervor. Danach haben bisher bundesweit 21 Waldorfschulen Flüchtlingskinder oder -jugendliche aufgenommen, mindestens 30 weitere Schulen planen eine solche Aufnahme.

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Interkulturelle Integration an Waldorfschulen

Die Beratungs- und Koordinierungsstelle war im Herbst 2015 in Karlsruhe eingerichtet worden, um interessierte Waldorfschulen bei der Aufnahme von Flüchtlingskindern und -jugendlichen zu unterstützen.

Durch das Konzept der Notfallpädagogik verfügt die Waldorfpädagogik über langjähriges Know How bei der Betreuung traumatisierter SchülerInnen, das beständig in Krisengebieten und Flüchtlingslagern in verschiedenen Teilen der Welt erprobt wird. In Deutschland organisieren die Freunde der Erziehungskunst mit Sitz in Karlsruhe auch Fortbildungen dazu. Außerdem vermitteln sie Freiwilligendienste im In- und Ausland, so auch Freiwillige mit Flüchtlingsbezug an Waldorfschulen. Dazu gebe es aktuell 30 Anfragen von Waldorfschulen, teilte die Beratungsstelle mit.

Generell sind die Waldorfschulen für die Aufnahme von Flüchtlingskindern und -jugendlichen gut gerüstet dies ergab ein Austausch erster Erfahrungen mit beteiligten Waldorflehrern auf der Bildungsmesse didacta Ende Februar in Köln. Zum einen bieten die handwerklich-künstlerischen Fächer den SchülerInnen die Möglichkeit, im Unterricht auch bei geringen Deutschkenntnissen schon zu Erfolgserlebnissen zu kommen. Außerdem bilden Waldorfklassen, in denen seit jeher großer Wert auf die Herausbildung sozialer Kompetenzen gelegt wird, ein gutes Umfeld für die Integration. Auch die Schulgemeinschaft der Waldorfschulen erweist sich als hilfreich für die Integration der Flüchtlingseltern, wie die auf der didacta genannten Beispiele aus Nordrhein-Westfalen und Hessen zeigten.

Durch besonders günstige Bedingungen für die Aufnahme der Flüchtlingskinder und -jugendlichen zeichnen sich diejenigen Waldorfschulen aus, die inklusiv arbeiten oder berufliche Bildungsgänge integriert haben wie die Windrather Talschule in Velbert (NRW) oder die Freie Waldorfschule in Kassel, die über ein eigenes Berufsbildungswerk verfügt.

Betont wurde bei der didacta-Veranstaltung allerdings auch die Notwendigkeit zur Fortbildung für WaldorflehrerInnen, die Flüchtlinge in ihre Klassen aufnehmen, hinsichtlich der Themen Traumatisierung und Interkulturalität. Hier ergebe sich zudem eine Aufgabe für die Ausbildungsstätten der Waldorfpädagogik, wie die ExpertInnen unterstrichen. ReferentInnen zum Thema waren Bernd Ruf von den Freunden der Erziehungskunst und Barbara Schiller von der Organisation „Start“ International.

An den einzelnen Waldorfschulen, die Flüchtlingskinder und -jugendliche integrieren, gibt es dazu verschiedene Modelle. In Berlin und Kassel wurden eigene sog. Willkommensklassen für sie eingerichtet, in Stuttgart hat die Freie Waldorfschule Uhlandshöhe die Flüchtlingsschüler in bestehende Klassen integriert. Die finanzielle Absicherung der Aufnahme gestaltet sich je nach Region sehr unterschiedlich. Während einigen Waldorfschulen Lehrerstellen für die Flüchtlingsklassen finanziert werden oder Jugendämter sogar die Elternbeiträge für die SchülerInnen übernehmen, müssen andere Waldorfschulen langwierig mit den Behörden um die Erstattung der Schulbeiträge verhandeln. Die Kasseler Waldorfschule kooperiert auch eng mit ortsansässigen Firmen, um Sponsoren für die Schulbeiträge zu gewinnen und ist ebenfalls mit Stiftungen dazu im Gespräch.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Foto: © Charlotte Fischer / Bund der Freien Waldorfschulen e.V.