Bis 31.8.

Fotoausstellung ‹Faust 2016›

Die Fotoausstellung der Goetheanum-Bühne „Faust 2016“ ist ein Beitrag zur Neuinszenierung von Goethes „Faust 1 und 2“ (ungekürzt) am Goetheanum. Sie zeigt Aspekte des Welt- und Menschenbilds in Goethes ‹Faust 1 und 2›. Nach einem Konzept von Dramaturg Alexander Höhne arrangierte der Grafiker Joachim Kühmstedt Motive aus der Fotodokumentation von Georg Tedeschi.

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Vor dem Aufbau der Ausstellung.

Johann Wolfgang von Goethe gibt in seinem ‹Faust› den Erfahrungsebenen des Menschen vielfältige und starke Bilder. Durch die Anordnung von Szenenbildern aus der aktuellen ‹Faust›-Inszenierung am Goetheanum werden einige der Sichtachsen Goethes deutlich: Es gibt Szenen einer geistig-übersinnlichen Welt und der seelisch-irdischen Lebenssphäre. In einer weiteren Dimension geht es um Fragen der Gemeinschaft, des Frauenbildes beziehungsweise der Auffassung des Weiblichen und um die Persona, also um jene Maske, die mit der Strategie geschaffen wird, gesellschaftlichen Konventionen gerecht zu werden.

Den Engeln und Gottvater im ‹Prolog im Himmel› stehen die Saufkumpanen in ‹Auerbachs Keller› gegenüber. ‹Himmel› und ‹Keller› sind zugleich bildhafte Bewertungen: weisheitsvoll ist die göttliche, ‹obere› Welt, unmoralisch die ‹untere› Welt der Begierden, des Rausches und des herabgedämpften Bewusstseins.

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Ansicht aus der Fotoausstellung „Faust 2016“

Das Frauenbild lässt sich an Helena und Gretchen aufzeigen: Helena ist eine überhöht-idealisierte Gestalt, die darunter leidet, aus der Projektion anderer zu bestehen, ohne über eine persönliche Identität und damit über Handlungsfähigkeit zu verfügen. Gretchen ist bei aller Idealisierung gleichzeitig eine Frau mit Eigenwillen und sexuellen Bedürfnissen und entwickelt sich zum Beistand für Faust in der Himmelfahrt.

Werden im Mummenschanz die Rollen des Alltagslebens abgelegt und andere Identitäten als Amüsement angenommen, zeigt die Himmelfahrt den Wesenskern, der übrig bleibt, wenn man die Persona ablegt: Faust erscheint als Dr. Marianus.

Die Premiere der Neuinszenierung von Goethes „Faust 1 und 2“ (ungekürzt) fand ein reiches Medienecho. Aufführungstermine unter www.faust2016.ch/6849.html

Sebastian Jüngel

Bis 31. August 2016, Fotoausstellung „Faust 2016“. Veranstaltungsort: Goetheanum, Dornach/Schweiz. Öffnungszeiten: täglich (mit Unterbrechungen bei großen Tagungen) zu den allgemeinen Öffnungszeiten des Goetheanum von 8-22 Uhr. Kosten: Eintritt frei.

Fotos: Sebastian Jüngel (mit den Motiven von Georg Tedeschi)