Säen für die Stadt von morgen

WeltSTATTMarkt als Abschluss des 11. Stuttgart Open Fair

Unter dem Motto „Säen für die Stadt von morgen“ zeigen etwa 40 Gruppen und Initiativen am „WeltSTATTMarkt“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz ihre Aktivitäten: Mit Straßenaktionen, einer Weltbühne, Infoständen und leckerem Essen wollen sie die StuttgarterInnen zum Mitmachen anregen.

Was steckt dahinter, wenn eine breite Plattform von lokalen Gruppen und Initiativen die „globalen Ansätze für eine zukunftsfähige soziale Welt auf Stuttgart herunter brechen“ will? Die Plattform nennt sich „Stuttgart Open Fair“ (SOFa) und organisierte Ende Januar bereits zum elften Mal ein Wochenend-Forum mit internationalen Gästen im Forum3. Die Workshops und Gespräche zu den Themen Klima, Ernährung, Wohnen sowie Flucht und Migration wurden im Verlauf des Frühlings an Stadtteilgesprächen fortgeführt und finden Anfang Juni ihren Abschluss an einem bunten „WeltSTATTMarkt“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

„Eine andere Welt ist möglich“ war das Motto des ersten Weltsozialforums in Brasilien zu Beginn des Jahrhunderts. Nachhaltigkeit ist für viele Menschen schon längst keine utopische Forderung mehr. Seit Beginn dieses Jahres sind die „Ziele nachhaltiger Entwicklung“ der Vereinten Nationen in Kraft getreten. Die damit verbundene und notwendige sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft soll laut den AktivistInnen von Stuttgart Open Fair nicht nur in den Ländern des Südens sondern auch hier bei uns vorangehen.

Mit der Überzeugung, dass wir nicht auf Vorschläge von Politikern warten können, haben die SOFa-Gruppen nach Aktionsformen in unserer Stadt gesucht. Letzten Sommer zeigten etwa 500 Teilnehmende bei der Karawane des Wandels ihre bereits gelebten Alternativen: Beispielsweise hatte das Lastenrad eines Bioladens Salatsetzlinge geladen und die Food-Sharing-Gruppe machte auf weggeworfene Lebensmittel aufmerksam. Die Initiative „Refugees welcome in Stuttgart“ unterhielt die Karawane mit einer Akkordeonistin, die in einer Rikscha mitfuhr. Und die Saubere-Kleidung-Kampagne machte mit einem Straßentheater auf die manchmal tödlichen Produktionsbedingungen in der Bekleidungsindustrie aufmerksam.

„Säen für die Stadt von morgen“ ist das Motto des elften Stuttgart Open Fair. Was die OrganisatorInnen darunter verstehen, erläutert Marieke Kodweiß vom SOFa-Sekretariat: „Als kreative und aktive Stadtgesellschaft setzen wir uns gemeinsam für die große Transformation ein: die Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Überwindung von Armut, die Verwirklichung der Menschenrechte weltweit, Teilhabe und Mitbestimmung für alle. Die Welt braucht einen umfassenden und tiefgreifenden Wandel, auch in Stuttgart.“

Beispielsweise wird die Fossil-Free-Gruppe wird am WeltSTATTMarkt ihre „Divest-Kampagne“ als lokale Antwort auf die unverbindlichen Ergebnisse des Klimagipfels vorstellen. Die englische Aktivistin Pam Warhurst gab bereits am Forum Ende Januar anregende Ideen ihres Stadtbegrünungs-Netzwerks weiter. Sie wird Anfang Juni wieder nach Stuttgart kommen, um den Austausch mit Initiativen der solidarischen Landwirtschaft fortzuführen. Der deutsch-arabische Hiwar-Chor wird Lieder singen, um mit ihnen Brücken zu bauen zwischen verschiedenen Kulturen. Und eine Gruppe von SchülerInnen der Waldorfschule Balingen wird ihr preisgekröntes Theaterstück zu fairem Handel in der Textilindustrie aufführen, das auf Initiative des Tübinger Vereins Colibri e.V. im Rahmen des Jugendtheaterprojekts von Stuttgart Open Fair entstand.

Peter Streiff

WeltSTATTMarkt

Open Air am 4. Juni 2016, Schlossplatz Stuttgart, 10-19 Uhr; Auftakt am 3. Juni ab 19 Uhr

mit einer Mischung aus spannenden Redebeiträgen, Theaterimprovisationen, Live-Musik, Infoständen der Initiativen, politisch, kreativen Straßen- und Kunstaktionen, Angeboten zur Verköstigung (vegan+bio). Eintritt frei.

Info:

SOFa-Sekretariat: info@stuttgartopenfair.de