Glyphosat ist nicht die Antwort

Ökolandbau zeigt, wie Landwirtschaft ohne Herbizide funktioniert

Der umstrittene Herbizidwirkstoff Glyphosat soll nach Willen der EU-Kommission weitere 15 Jahre zugelassen werden. Auch die Abgeordneten von CDU/CSU und SPD im Bundestag sprachen sich nicht gegen Glyphosat aus.  Kommende Woche sollen die EU-Mitgliedsstaaten über eine Zulassungsverlängerung entscheiden weitgehend ohne Mengen- oder Anwendungsbeschränkung. Der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, kommentiert:

„Kein Pestizid wird in Deutschland mehr eingesetzt als Glyphosat. Das Totalherbizid beseitigt alle grünen Pflanzen und schädigt als Nebenwirkung viele Bodenorganismen und damit die Fruchtbarkeit und die Stabilität von Böden. Die Weltgesundheitsorganisation stufte es als ´wahrscheinlich krebserregend´ ein. Glyphosat und andere Pestizide belasten Gewässer, schädigen Artenvielfalt und verursachen so hohe Folgekosten. Eine Landwirtschaft, die von Glyphosat und Co. abhängt, zerstört ihre eigenen Produktionsgrundlagen: Böden, Wasser und Artenvielfalt. Genug Gründe, um den Unkrautvernichter aus dem Verkehr zu ziehen.

Wer für Glyphosat stimmt, torpediert den notwendigen Umbau der Landwirtschaft Richtung Nachhaltigkeit. Im Koalitionsvertrag hatten CDU/CSU und SPD noch angekündigt, nachhaltige Pflanzenschutzverfahren zu stärken. Wir erwarten deshalb von Landwirtschaftsminister Schmidt sich im Sinne des Vorsorgeprinzips gegen weitere 15 Jahre Glyphosat auf den Äckern auszusprechen.

Schmidt hatte selbst betont, wie entscheidend die wissenschaftliche Bewertung von Glyphosat sei. Dass entscheidende Gremien wie die Europäische Chemikalienagentur oder die Pestizidexperten der WHO ihre Bewertung noch gar nicht abgegeben haben und bereits veröffentlichte Gutachten zu Glyphosat keine eindeutigen Ergebnisse zeigen, sind weitere gute Gründe, die Wiederzulassung in Brüssel verhindern.

Ein Ja zu Glyphosat konterkariert das Ziel des EU-Gesetzgebers, die Abhängigkeit vom chemischen Pflanzenschutz zu reduzieren und die Vorgabe, chemische Mittel beim Schutz der Pflanzen nur dann einzusetzen, wenn es keine Alternative gibt. 25.000 Bio-Betriebe in Deutschland zeigen, wie Öko-Pflanzenschutz ohne Herbizide funktioniert. Bio-Bauern schützen ihre Pflanzen ökologisch und halten Unkräuter mit innovativen Verfahren erfolgreich, ohne Risiko für Mensch und Umwelt und ohne externe Kosten im Zaum.“

Peter Röhrig

 

Weitere Informationen:

Was der Pestizideinsatz kostet, hat das Schweizer Institut Infras in einer Pilotuntersuchung errechnet. Demnach lagen im Studienzeitraum die volkswirtschaftlichen Kosten des Pestizideinsatzes Gesundheitsschäden, Ökosystemschäden, Regulierungsaufwand bei 40 bis 80 % der Gesamtausgaben für Pestizide. Die Studie lesen Sie auf http://www.infras.ch/d/news/displaynewsitem.php?id=5160 und eine Zusammenfassung in der BÖLW-Broschüre „Zahlen, Daten, Fakten die Bio-Branche 2016“ (Kapitel 10), s. http://www.boelw.de/fileadmin/Veranstaltungen/BIOFACH/ZDF/BOELW_ZDF_2016_web.pdf. 

 

Wie Glyphosat das Bodenleben beeinflusst, lesen Sie unter anderem in der Studie „Glyphosate and glyphosate-resistant crop interactions with rhizosphere microorganisms“, Abstract auf http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1161030109000641  

 

Mehr Infos zu Glyphosat lesen Sie im Dossier „Gentechnik & Glyphosat („Roundup“)“ des Informationsdienstes Gentechnik auf http://www.keine-gentechnik.de/dossiers/gift-und-gentechnik/glyphosat-roundup-herbizide/.

 

Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeuger, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. Mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken werden jährlich von über 35.000 Bio-Betrieben mehr als 8,6 Mrd. € umgesetzt. Die BÖLW-Mitglieder sind: AÖL, Bioland, Biokreis, Biopark, BNN, Demeter, Ecoland, ECOVIN, GÄA, Naturland, Reformhaus® und Verbund Ökohöfe.

Joyce Moewius,

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.