Trauma und Flucht

Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Sie kommen aus Krisengebieten und haben dort häufig traumatisierende Erfahrungen gemacht. Etwa die Hälfte aller Geflüchteten sind Kinder und Jugendliche – sie leiden besonders unter den Erlebnissen von Vertreibung und Flucht. Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. arbeiten seit zehn Jahren in der Notfallpädagogik. Nun sind sie in Deutschland damit auch im Bereich der Flüchtlingshilfe aktiv. Neuerdings kann zudem der Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug absolviert werden.

Freiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug:

Der Einsatz der Freiwilligen erfolgt in Aufgabenbereichen mit Flüchtlingsbezug. Hierzu können Angebote in Flüchtlingsunterkünften, die Begleitung bei Behördengängen, Dolmetscherdienste, Personenbeförderungsfahrten oder auch die von den Freunden der Erziehungskunst organisierte Unterstützungbei der Trauma-Arbeit gehören.

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Arbeit mit Kindern in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Karlsruhe.

Organisatorische und koordinierende Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen, z.B. bei der Sortierung und Weitergabe von Sachspenden und der Lebensmittelverteilung sind ebenfalls möglich. Zudem können Flüchtlinge und Asylbegehrende, bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist, in anerkannten Einsatzstellen selbst einen Bundesfreiwilligendienst machen. Alle Freiwilligen, die ihren Dienst im Sonderprogramm leisten, werden pädagogisch besonders begleitet. Für Flüchtlinge kann zusätzlich ein bis zu vierwöchiger Sprachkurs vorgesehen werden. Der Sprachkurs sollte, wenn möglich, vor Einsatzbeginn abgeschlossen sein. Dies erleichtert einerseits die Integration und Orientierung in Deutschland, andererseits stärkt es die Kompetenzen der Teilnehmenden. Hierzu können entweder zusätzliche Bundesfreiwilligen-Plätze beantragt oder bereits bestehende Plätze in solche mit Flüchtlingsbezug

umgewandelt werden.

Kompetenz in der Notfallpädagogik:

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. sind im Bereich der Flüchtlingshilfe bereits sowohl in Deutschland als auch in den Herkunfts- und Transitländern notfallpädagogisch für Flüchtlinge im Einsatz. Seit Beginn des Schuljahres 2014/15 werden im Parzival-Zentrum Karlsruhe, einem Schulzentrum, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in speziell eingerichteten Flüchtlingsklassen beschult und traumapädagogisch begleitet.

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Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei einer Kooperationsübung im Parzival-Schulzentrum

Inzwischen besuchen rund 120 Kinder und Jugendliche die Klassen. Die meisten von ihnen sind zwischen 14 und 17 Jahren alt. Es benötigen zwar nicht alle Kinder eine Traumatherapie, aber hier finden sie geschulte PädagogInnen, verlässliche Strukturen und Sicherheit, was bei der Verarbeitung ihrer oft traumatischen Erlebnisse hilft.

Im Zuge der Flüchtlingswelle wurde auch der Bedarf an Angeboten in den Landeserstaufnahmestellen größer. In Karlsruhe werden an zwei Nachmittagen in der Woche Spielangebote für die dort lebenden Kinder gemacht. Es nehmen regelmäßig etwa 20-25 Kinder daran teil. Hier sind bereits auch Freiwillige, die ihren Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug leisten, tätig. Der Einsatz von weiteren ist geplant. In anthroposophischen Einrichtungen wie beispielsweise im Heilpädagogischen Förderzentrum Friedrichshulde e.V. (Schleswig-Holstein) werden im Arbeitsbereich für unbegleitete minderjährige AusländerInnen derzeit 22 junge Männer betreut.

Beratung und Unterstützung:

Im Herbst 2015 wurde von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. in Kooperation mit dem Bund der Freien Waldorfschulen eine Beratungsstelle für Waldorfschulen eingerichtet. Diese unterstützt von Karlsruhe aus Schulen, Kindergärten und andere anthroposophische Einrichtungen bei allen Fragen rund um die Unterstützung und Inklusion von Flüchtlingskindern. Ebenso können sich die Einrichtungen bei finanziellen und allgemeinen Fragen in Bezug auf Freiwilligendienste an die Beratungsstelle wenden.

Die Freunde der Erziehungskunst bieten deutschlandweit Seminare und Fortbildungen an. Schwerpunkt der Veranstaltungen ist die Arbeit mit Flüchtlingskindern sowie konkrete notfallpädagogische Methoden.

Christoph Herrmann

Leitung Stabsstelle Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit Freiwilligendienste und Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.

(Text leicht gekürzt - red.)

Die Koordinationsstelle ist unter der Rufnummer +49 (0)721|35 48 06 225 oder per Mail unter

fluechtlingshilfe@freunde-waldorf.de zu erreichen.

Bilder: Freunde der Erziehungskunst

Möglichkeiten der Flüchtlingshilfe:

Die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland stellt viele gemeinnützige Organisationen, die sich hier engagieren wollen, vor große Herausforderungen. Der Bundesfreiwilligendienst bietet nun Menschen, die helfen wollen, die Möglichkeit, sich in der Betreuung und Begleitung von Flüchtlingen einzusetzen. Durch eine Ergänzung des Bundesfreiwilligendienst- Gesetzes stehen in den kommenden drei Jahren jeweils bis zu 10.000 zusätzliche Stellen in der Flüchtlingshilfe zur Verfügung. Hinzu kommen verschiedene unterstützende Maßnahmen aus den Bundesländern im Zusammenhang mit FSJ-Förderungsmöglichkeiten.