Integrative Medizin hilft bei der Integration

Bürger- und Patientenverband unterstützt medizinische Hilfe für Flüchtlinge

Ganzheitliche Medizin für Flüchtlinge: In einer Erstaufnahmeeinrichtung in Berlin-Gatow werden seit Herbst 2015 Asylbewerber in einem Pilotprojekt unter dem Aspekt der integrativen Medizin behandelt. Die gemeinsame Initiative des Bürger- und Patientenverbandes Gesundheit Aktiv e. V. und des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe erhält nun seit Anfang März finanzielle Unterstützung vom Berliner Senat.

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Sophia arbeitet normalerweise als Ärztin im Gemeinschafts-krankenhaus Havelhöhe - sich für die Flüchtlinge zu engagieren, ist für sie selbstverständlich.

Hunderttausende Menschen haben sich auf den Weg nach Deutschland gemacht, viele von ihnen flüchten vor Bürgerkrieg oder politischer Verfolgung. Die vorherrschende Kälte und die lange Reise nach Europa führen häufig dazu, dass dieA Menschen entkräftet und krank ankommen. Sind sie erst einmal in Deutschland, beschränkt sich die medizinische Versorgung oft nur aQuf das allernotwendigste. Das gemeinschaftliche Projekt des Bürger- und Patientenverbandes Gesundheit Aktiv e. V. und des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe in Berlin setzt nun ein Zeichen für eine differenziertere medizinische Betrachtungsweise.

„Ganzheitliche Medizin, insbesondere die Anthroposophische Medizin, betrachtet den kompletten Menschen mit seiner individuellen Vorgeschichte, seinem Seelenleben, seinen Wünschen und Leiden“, erklärt Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von Gesundheit Aktiv das Engagement. „Krankheiten und seelische Schmerzen sind eng miteinander verflochten. Gerade Menschen, die großem Leiden ausgesetzt waren, brauchen Verständnis und Hülle. Oft helfen auch schon einfache Tipps zur Selbstfürsorge oder äußere Anwendungen, die gerade bei Schwäche und seelischen wie körperlichen Schmerzen eine enorme Wirksamkeit haben.“

Seit September 2015 wurden in der Erstaufnahmeeinrichtung am Waldschluchtpfad in Berlin-Gatow bereits rund 1.100 Flüchtlinge mit Hilfe integrativer Medizin von ehrenamtlich arbeitenden Ärzten und Pflegenden behandelt. Das anthroposophische Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe (GKH) und der Bürger- und Patientenverband Gesundheit Aktiv e. V. haben Personal bereitgestellt und die notwendigen finanziellen Mittel eingeworben, damit Flüchtlinge dreimal pro Woche ärztlich und pflegerisch versorgt werden können.

Rund 15.000 Euro sind dabei durch private Spenden zusammengekommen. Zusätzlich haben die Hersteller Wala und Weleda mit Sachspenden die Fortsetzung der Hilfen ermöglicht. Jetzt hat das GKH einen Vertrag mit dem Berliner Senat abgeschlossen und erhält ab sofort auch öffentliche Gelder für das Projekt. Die Zuwendungen des Berliner Senats, mit denen die Erstausstattung der Räumlichkeiten finanziert werden soll, belaufen sich dabei auf 2.500 Euro. Weitere 8.000 Euro investiert das Gemeinschaftskrankenhaus. Damit ist eine Basis für die weitere Behandlung gesichert.

„Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung. Neben der Medikation erhalten die Menschen hier auch seelischen Beistand“, so Prof. Dr. Harald Matthes, Ärztlicher Leiter des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe. „Ein Mensch, der über alle Sprachbarrieren hinweg Interesse und Verständnis für den Neuankömmling zeigt, der eine empathische Beziehung gestaltet und über die medizinische Hilfe mittels integrativer Medizin eine kulturelle Menschenbegegnung vollzieht, arbeitet proaktiv an der Integration dieser Menschen.“ Vor allem Flüchtlinge, die häufiger in die Sprechstunde kommen, werden körperlich und seelisch stabilisiert und sind dadurch eher in der Verfassung, sich selbst im fremden Land zurechtzufinden und auch anderen Asylsuchenden helfen zu können.

Neben der ärztlichen und pflegerischen Therapie wird auch die nachträglich eingerichtete Sprechstunde der Hebammen rege nachgefragt; sie wird seit Ende des letzten Jahres angeboten. Die Menschen sind dankbar, dass ihre Probleme erkannt und behandelt werden. Zunehmend zeigt sich eine Offenheit gegenüber komplementär-medizinischen Medikamenten und Behandlungen, über die sich ein Vertrauensverhältnis aufbauen lässt. Die Erfahrung zeigt, dass gerade Menschen aus anderen Kulturkreisen gegenüber der reinen Vergabe von Medikamenten oft skeptisch sind. Die Maßnahmen der integrativen Medizin dagegen zielen darauf ab, den Menschen in der Situation zu begegnen, in der sie gerade stehen.

Menschen, die noch nicht in Deutschland registriert sind, haben keinen Zugang zur offiziellen medizinischen Versorgung sie sind auf die Erstversorgung in ehrenamtlichen Einrichtungen, wie die von Gesundheit Aktiv e. V. und dem Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe angewiesen. „In der

Bilanz blicken wir auf eine gelungene Aktion: Spenden und der persönliche Einsatz vieler ehrenamtlich tätiger Menschen, haben den Aufbau von notwendigen und längerfristig bestehenden Strukturen bewirkt.“, so Schmidt-Troschke.

Dr. Stefan Schmidt-Troschke

KERNSATZ

„Krankheiten und seelische Schmerzen sind eng miteinander verflochten. Gerade Menschen, die großem Leiden ausgesetzt waren, brauchen Verständnis und Hülle. Oft helfen auch schon einfache Tipps zur Selbstfürsorge oder äußere Anwendungen, die gerade bei Schwäche und seelischen wie körperlichen Schmerzen eine enorme Wirksamkeit haben.“

Dr. Stefan Schmidt-Troschke

Foto: Gesundheit Aktiv / Ina Sesgör