Aus der Arbeit der GLS Treuhand Zukunftsstiftung Entwicklung

Indien - Rekultivierung von WasteLand ist möglich

Karmuhil, die „Regenwolke“, bringt Leben

200 Familien sollen durch biodynamische Ausbildung und Rekultivierung von Ödland Ernährungssicherheit erreichen und Einkommen erzielen.

Etwa ein Drittel von Indiens landwirtschaftlicher Fläche ist von zunehmender Verödung und Wüstenbildung betroffen. Die indische Nationale Kommission für Unternehmen des informellen Sektors (NCEUS) veröffentlichte im September 2015, dass wenigstens 300.000 Kleinbauern und -bäuerinnen aufgrund von Überschuldung und mangelnden Lebensperspektiven Selbstmord begangen haben. Hunderttausende zogen vom Land in die Slums der Städte. Doch wenn Ackerland zu Ödland wird, bleiben nicht nur Selbstmord oder Flucht. Das Projekt Karmuhil eröffnet Bauern einen fruchtbaren Weg.

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Landarbeiterinnen von Karmuhil bei der Palmarosa-Ernte.

Herr Valaguruvan ist 73 Jahre alt und stammt aus dem Dorf Cithireddipatti in Tamil Nadu, Südindien. Über Jahrzehnte pflanzte er auf seinen 1,3 Hektar Land Reis und Baumwolle im Wechsel. Jedes Jahr wurden die Erträge geringer. In trockeneren Jahren hingen er und seine Familie zunehmend von der Nahrungsmittelhilfe der Regierung ab. Ihr Land konnte sie nicht mehr ernähren. Gleichzeitig sanken die Preise für Baumwolle stetig. Tagelöhner anzuheuern, um die Erntearbeit zu unterstützen, wurde für Herrn Valaguruvan unbezahlbar: „Ich wurde zu einem dieser depressiven Bauern unseres Dorfes.“

Sein 36-jähriger, verheirateter Sohn verließ Cithireddipatti und zog mit seiner Familie nach Bangalore. Als ungelernter Arbeiter verdient er dort sehr wenig. Kaum kann er seine eigene Familie unterhalten, geschweige denn die Eltern unterstützen. Die älteste Tochter von Herrn Valaguruvan heiratete einen Mann aus Cithireddipatti, der sehr jung verstarb und sie mit drei Töchtern zurückließ. Die Schwiegerfamilie schickte sie mit ihren Töchtern zu Herrn Valaguruvan zurück.

Herr Valaguruvan: „Als ich schon aufgeben wollte, begann das Projekt Karmuhil Organic Farms. Es ist eine großartige Quelle der Hoffnung für mich und meine Familie. Ich lernte, meine 1,3 Hektar mit viel selbstproduziertem Kompost und biodynamischen Präparaten zu rekultivieren. Heute ist mein Land wieder fruchtbar. Meine Frau, meine Tochter und meine Enkelinnen erkannten, dass biodynamischer Anbau eine sinnvolle und Einkommen bringende Arbeit sein kann. Jetzt helfen sie mir. Wir bauen neben Gemüse vor allem Palmarosa an. Palmarosa bleibt fünf Jahre lang auf dem Feld, und jedes Jahr kann ich bis zu dreimal ernten. Dann wird Palmarosa in unserer Karmuhil-Destille zu ätherischen Ölen verarbeitet. Ich bin Mitglied in der Karmuhil-Produktionsgenossenschaft, die auch für die Vermarktung unserer Öle zuständig ist. Ich habe Einkommen, deshalb konnte ich in diesem Jahr meine älteste Enkelin (29) würdig verheiraten. Meiner zweiten Enkelin, die 26 Jahre alt ist, kann ich nach ihrer Schulausbildung eine Ausbildung als Krankenschwester finanzieren. Meiner jüngsten Enkelin bezahle ich die weiterführende Schule. Mit all dieser Verantwortung für meine Familie fühle ich mich recht allein, aber ich bin Karmuhil sehr, sehr dankbar.“

Im neuen Projektzyklus (2015 bis 2018) sollen rund 200 Hektar unfruchtbarer Boden in der Region Thirumangalam Taluk rekultiviert werden. 200 Kleinbauern-Familien sollen zukünftig von den Erträgen ihres Landes ganzjährig sicher leben können. 400 Landlose sollen mit ihren Familien ein sicheres Einkommen durch die Arbeit als Landarbeiter/innen erwirtschaften. Die Fruchtbarkeit der geschädigten Böden wird durch das Einarbeiten von Kompost, integrierte Forstwirtschaft, wechselnde Fruchtfolgen und Anbau trockenresistenter Sorten nach circa drei Jahren intensivem Rekultivierungsprozess erreicht.

Diese Tätigkeiten sind sehr arbeitsintensiv, führen aber zur nachhaltigen Gesundung der Böden und somit zu einer langfristigen Verbesserung der Nahrungssicherheit der Menschen, die von diesen Böden leben. Knapp 515 Euro kostet die Rekultivierung eines Hektars Land pro Jahr. Hierfür benötigen wir Ihre Hilfe. Die deutsche Bundesregierung bezuschusst das Projekt mit 75 Prozent, so wirkt Ihre Spende vierfach.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Indien: Rekultivierung von Ödland (F 179)

Spendenkonto

IBAN: DE05 4306 0967 0012 3300 10

Foto: © Zukunftsstiftung Entwicklung

Mehr Informationen: www.zukunftsstiftung-entwicklung.de