Generation Y auf der Suche nach Sinn und Selbstverwirklichung

„Generation Y“ werden die jungen Leute genannt, die zwischen den Jahren 1980 und 95 geboren sind. Eine Ringvorlesung der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter/Bonn ging der Frage nach, ob diese Generation anders mit dem Thema Arbeit umgeht, neue Anforderungen an die Arbeitsplätze stellt.

Philosophen, Soziologen Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen waren in einzelnen Vorträgen aus verschiedenen Perspektiven mit den folgenden Fragen beschäftigt: Leben wir, um zu arbeiten oder arbeiten wir, um zu leben? Dient Arbeit der Selbstverwirklichung? Ist ein Leben ohne Arbeit sinnlos? Oder erschwert die Notwendigkeit, zu arbeiten, die Möglichkeit, ein erfülltes Leben zu führen?

Die Ringvorlesungen finden im Wechsel an den Hochschulen der Region statt, neben der Alanus Hochschule beteiligen sich auch die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und die Universität Bonn.

Studenten und Berufserfahrene saßen in der Alanus Hochschule bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Generation Y – neue Anforderungen an den Arbeitsplatz?“ zusammen. Auf dem Podium moderierte Nadine Klees vom Bonner General-Anzeiger und stellte Fragen an Andreas Zäh, Diplom-Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Alanus Hochschule.

Prägende Hintergründe

Er stellte die These in den Vordergrund, dass es weniger die Merkmale einer Generation seien, als vielmehr gesellschaftliche und politische Hintergründe wie z.B. die Wiedervereinigung, eine wieder erlebbare Nationalität und die Reformen am Arbeitsmarkt, die die Möglichkeiten und eigenen Ziele der jungen Leute prägten.

Aus seinen Forschungen zum Thema schilderte Zäh einzelne Beispiele, die die Generation Y aus seiner Sicht kennzeichnen. So gab ein Befragter an, er habe zwar „eigentlich’“ für sein Leben einen Fünfjahresplan, dieser sei aber aus seiner Sicht so nicht durchzuhalten.

Der Gebrauch des Worts „eigentlich“ ist aus der Sicht des Soziologen typisch für Vertreter der Generation Y, die von einer Familie und einem eigenen Haus träume. Dabei wünsche sie sich – so das Ergebnis einer Ausbildungsstudie aus dem Jahr 2015 – die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit. Diese wiederum sei jedoch schwer zu realisieren. Von der Arbeitgeberseite würden die Möglichkeiten dazu zwar in Aussicht gestellt, die Erwerbsarbeit gerate dann aber doch in den Vordergrund und andere Ziele würden nachrangig.

Vielleicht brauche es noch eine weitere Generation, meinte Zäh, um in der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Fortschritte zu erzielen. Seine Empfehlung an die Generation Y war: Zeit mit sich selbst zu verbringen, bzw. sich die Zeit zu nehmen für das, was man gerade mache. Auch die Forderung, dass Einkommen nicht an Erwerbsarbeit gebunden sein dürfe, gehört für den Soziologen in den Zusammenhang dieser Debatte.

Flexibilität

Sabina Lorenz berichtete aus ihrer Tätigkeit mit Auszubildenden bei MacDonald‘s Süddeutschland. Sie sieht für die Generation Y die Notwendigkeit, sich immer wieder auf neue Bedingungen einzustellen.

Außerdem komme stets auch die Frage nach den Möglichkeiten der eigenen Weiterentwicklung, so die Erfahrung mit den jungen Menschen, die sich für eine Tätigkeit bei MacDonald‘s interessieren.

Im Publikum wurde die Frage nach Flexibilität der Arbeitszeit aufgeworfen. Sie wäre bei einem Unternehmen wie MacDonald‘s aufgrund der notwendigen Öffnungszeiten kaum realisierbar, wurde argumentiert. Auch Kinderbetreuung am Arbeitsplatz ließe sich aufgrund der räumlichen Situation dort nicht ermöglichen. So kam man in der Diskussion auf die Teilzeitarbeit, von der viel gesprochen werde, die aber in vielen Branchen kaum realisiert werden könne.

Grundsätzlich sei auf dem Arbeitsmarkt ein steigender Anteil an Arbeitsplatzwechslern zu verzeichnen. Unternehmen böten deshalb auch Weiterbildung an, um ihre Mitarbeiter zu binden. Nach Praxis-Beobachtungen empfahl Lorenz den jungen Menschen, mehr Risiko einzugehen, um herauszufinden, was wirklich zu einem passe. Einen gradlinigen Weg gäbe es dabei nicht.

Das Unternehmen solle den jungen Menschen unterstützen, mit ihm im Dialog überlegen. Von dem allgegenwärtigen Druck, oft geprägt durch Erwartungen der Gesellschaft, müssten sich die jungen Menschen frei machen. Lorenz empfahl ihnen, bei sich zu bleiben mit der Frage:

„Fühlt sich das gut an?’“ Auch ein Scheitern könne die eigene Entwicklung voranbringen, betonte sie.

Sinnfindung

Carina Barg, Masterstudentin Wirtschaftspsychologie, befasste sich in einer Forschungsarbeit mit dem Thema „Warum Geld allein nicht glücklich macht“. Sie ist auch in der Personalabteilung der Telekom tätig. In ihrer Forschung geht es um Selbstverwirklichung und Sinnfindung in der Arbeit.

Im Drogeriemarkt dm, so berichtete sie, spielten Faktoren eine größere Rolle, die Mitarbeiter zufrieden machten. Lernbegleiter seien dazu wichtig und auch, die Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einzubinden. „Sobald der Mitarbeiter den Sinn seiner Arbeit sieht, welche Rolle er im gesamten Unternehmen hat, wird er zufriedener“ formulierte Barg. dm sei hier Vorreiter, das merke auch der Kunde.

Ein Fazit der Debatte war: Die Generation Y fordere generell mehr, dies sei möglicherweise für den einzelnen unbequem, aber doch der erste Schritt, um die Gesellschaft zu verändern. Die Wünsche kollidierten derzeit zwar noch oft mit der Realität, dennoch bleibe die Generation bei ihrem Weg, heraus zu finden: „Wo bin ich in der Welt und was ist mir wichtig?“

NNA / Korrespondentin Edith Willer-Kurtz