Ein Besuch bei der Medizinischen Flüchtlingshilfe in Berlin

Die Flüchtlingsunterkunft liegt schon im Dunkeln, als sich diejenigen in dem kahlen Wartebereich einfinden, die Beschwerden haben oder auf der Flucht krank geworden sind. In dem improvisiert in drei Bereiche aufgeteilten Behandlungsraum wird es geschäftig. Die vier Ärztinnen ziehen sich ihre weißen Kittel über, dann erfolgt eine kurze Lagebesprechung mit Dr. Karl-Reinhard Kummer. Auf Anregung von „Gesundheit aktiv“, hat er diese Hilfsaktion zusammen mit ÄrztInnen und Pflegenden aus dem anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe ins Leben gerufen. Seit Anfang September dieses Jahres sind die Ehrenamtlichen dabei, die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung am Waldschluchtpfad in Berlin-Gatow medizinisch zu versorgen. Zum ersten Mal ist eine junge Frau mit dabei, die vor einem Jahr aus Syrien nach Deutschland kam. Nun vermittelt sie auf Kurdisch oder Arabisch zwischen den Patienten und Ärzten.

Gerade einmal zwei Wochen alt ist ein Säugling, der zu Beginn der Sprechstunde untersucht und gewogen wird. Ein winziges Bündel Mensch, das noch im Mutterleib von Pakistan nach Deutschland einen langen Weg zurückgelegt hat und schließlich in Berlin geboren wurde. Kinderarzt Dr. Kummer untersucht das kleine Mädchen und nickt zufrieden es hat über 10 Prozent zugenommen und wiegt jetzt über zweieinhalb Kilo. 

Kinder wie Erwachsene leiden gleichermaßen unter der kühlen Witterung, die sie meist nicht gewöhnt sind. Akute Bronchitis, Hals- und Mittelohrentzündungen sind die Hauptkrankheiten, die es zu behandeln gilt, aber auch Hautverletzungen und diffuse Schmerzen. Aconit-Schmerzöl, Calendula- und Arnika-Essenz, diverse Globuli sowie Lösungen zum Gurgeln und viele andere anthroposophische Heilmittel leisten hier gute Dienste. Es sind teilweise Sachspenden der Hersteller-Firmen, alles andere muss aus Geldspenden beschafft werden. Deshalb ist die Initiative dankbar für jede weitere Geldspende denn der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. 

Als die Sprechstunde schon fast zu Ende ist, kommt noch eine hochschwangere Frau vorbei. Sie klagt über Schmerzen, die sie seit der letzten Nacht hat. Die Werte der rasch vorgenommenen Tests sind alle im Normbereich, alles deutet darauf hin, dass es sich um Senkwehen handelt ein normaler Vorgang in diesem Schwangerschaftsstadium. Die werdende Mutter lächelt sichtbar erleichtert. Bald wird ein neuer Mensch zur Welt kommen, allen Widerständen, die die Eltern überwinden mussten zum Trotz. Und es wird deutlich, was vor allem wichtig ist: Ein Mensch, der geduldig zuhört, eine berührende und beruhigende Hand, ein verständnisvolles Nicken über alle Sprachbarrieren hinweg.

Seit September konnten rund 5.000 Euro gesammelt werden, um Medikamente und Notfalluntersuchungen zu bezahlen. Vielen Dank an alle, die bisher gespendet haben! Ihre Unterstützung ist auch weiterhin dringend notwendig.

Gesundheit aktiv

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Erschienen in: Newsletter Gesundheit aktiv November 2015