Seminar mit Henning Köhler zu Inklusion

Hand aufs Herz: Was wollen wir eigentlich von den Kindern? Über den Weg des Herzens in der Pädagogik. Anlässlich der widersprüchlichen Debatte über Inklusion und Kinder, die nicht ins Schema passen.

Wer glaubt, Inklusion bedeutet, alle Kinder in ihrer Verschiedenheit in ein Klassenzimmer zu pressen, hat nicht verstanden, worum es im Kern geht. Die Inklusionsdebatte, die derzeit in aller Munde ist, wird demzufolge unter falscher Prämisse geführt und wird dem einzelnen Kind nicht gerecht.

Mit dieser These begann der Heilpädagoge, Buchautor und Gründer des Janusz Korczak Instituts in Nürtingen, Henning Köhler seinen Vortrag im Rudolf-Steiner-Haus Frankfurt im November, dem ca. 70 Gäste gespannt lauschten.

Seit dem Ende der 1980er Jahre rückte das wirtschaftliche Interesse an Kindern immer mehr in den Vordergrund. In einer Leistungsgesellschaft werden auch die Jüngsten bereits nach ihrem potentiellen Nutzen für die Wirtschaft beurteilt und sollen Normen unterworfen werden, so dass das wichtige individuelle Potential eines jeden Kindes missachtet wird und nicht zur Entfaltung kommen kann. Begriffe wie „Kuschelpädagogik“ und „Bullerbü-Idylle“ für die den Kindern zugewandte Pädagogik, die im Zuge dieser Bewegung aufkamen, sind sinnbildlich für die Ignoranz gegenüber der individuellen Entwicklung jedes einzelnen Menschen. Es wird ein System geschaffen, in dem die Kinder zu funktionieren haben.

Falsch verstandene Inklusion schaffe noch mehr Vereinheitlichung, betonte Köhler, die Kinder würden dadurch noch mehr in Normen gepresst. Inklusion sei im Kern die Abkehr davon, Kinder in Kategorien einzuteilen und eine Aufforderung, das Denken umzustülpen, um eine freie Entfaltung des Einzelnen in der Gesellschaft zu ermöglichen. Es gehe darum, Gemeinschaft zu schaffen und dabei die unterschiedlichen Begabungen als Schätze bedingungslos anzuerkennen, eine Schatzsuche zu betreiben, die „Einzigkeit“ zu würdigen.

Die Aufgabe moderner Pädagogik sieht Köhler darin, eine Pädagogik vom Kinde aus zu verfolgen, bei der die Ausbildung des Urvertrauens auf verschiedenen Ebenen eine wesentliche Rolle spielt. Die Lehrer sollen den Kindern helfen, Kompetenzen zu entwickeln wie:

- Daseinsvertrauen (Leitvertrauen), das von den Kindern durch tastende Welterfahrung erworben wird

- Sozialvertrauen (soziale Wärme), das Gefühl, in Gemeinschaften aufgehoben zu sein

- Gestaltungsvertrauen (Selbstwirksamkeit)

- Zukunftsvertrauen.

In einem Gespräch im Anschluss an den Vortrag wurden einzelne Gedanken vertieft und Fragen bewegt. Die Gäste nahmen viele neue Anregungen und Impulse mit nach Hause. Das Thema Inklusion wird vom Fachreferat Inklusion der LAG Hessen seit dem Jahr 2013 durch zahlreiche Veranstaltungen belebt und dabei aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Informationen gibt es jederzeit beim Fachreferat Inklusion, auf der Homepage der LAG.

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