Aus der Arbeit der GLS Treuhand Zukunftstifung Entwicklungshilfe

Peru: Lernen in Aktion

Schulen als Lebens- und Lernorte

Staatliche Schulen in den Hochanden sind sehr arm im Hinblick auf Gebäude, Ausstattung und Lehre. Doch es geht auch anders: Lizbeth Escudero López revolutioniert vier andine Bergschulen.

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Kinder, Eltern und Lehrer/innen bauten dieses Treibhaus. So kann auch auf knapp 3.000 Metern Höhe Gemüse angebaut werden.

Lizbeth Escudero López ist eine 35-jährige energische Frau, die in Cusco lebt. Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln studierte sie Anthropologie. Doch ihr Wunsch, mit den Menschen in den Anden zu arbeiten, führte sie zur waldorf-pädagogischen Ausbildung. Ihr geht es um die Pflege der andinen Kultur und Tradition, der Verbindung mit kreativem Lernen in Gemeinschaft, guter Ernährung und Umweltschutz.

Hoch in den Anden, in der Provinz Urubamba, liegen vier kleine, abgelegene, geduckte Bauten in der Landschaft. Um die Schulen zu erreichen, nehmen Kinder und Lehrer/innen zum Teil weite Wege zu Fuß auf sich. Diese Schulen sind seit ca. zwei Jahren das Aktionsfeld von Frau Escudero López.

Sie besucht sie jeden Monat für vier bis fünf Tage. Manchmal wird sie von einer Psychologin begleitet, manchmal von einem Agronomen, Menschen, die sie bei den Schulungen für Kinder, Lehrer/innen und Eltern unterstützen. So beginnt sie morgens mit Kindern und Lehrer/innen im Klassenraum, nachmittags veranstaltet sie Workshops mit den Lehrer/innen. Etwa alle drei Monate folgt ein Tag mit allen Beteiligten und den Eltern zu den Themen Erziehung, Umweltbildung, kreatives Lernen oder eine Reflexion, was sie inzwischen gemeinsam erreicht haben bzw. noch umsetzen möchten.

Geschichten erzählen, malen, basteln, tanzen

Frau López verbannt die Gewalt aus den Klassenräumen, öffnet den Raum für Phantasie, Geschichten und Lieder auf Quechua und Spanisch, für das Malen, Basteln und Tanzen. Stumpfes Wiederholen und Auswendiglernen lässt sie durch ihre praktischen Schulungen von Kreativität und Förderung ablösen. Sie legt dabei besonderen Wert darauf, dass die staatlichen Lehrpläne und Inhalte auf die Bedingungen der Menschen in den Hochanden angepasst werden.

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Selbst gebacken in der Schulküche - mit vollem Bauch lernt es sich besser

Das macht vielfache Übersetzungsleistungen notwendig: zum Beispiel die Anpassung von Matheaufgaben an die Realität einer subsistent lebenden Kleinbauernfamilie, deren Tagwerk in Arroba gemessen wird (Ertrag eines Tages Arbeit, gemessen mit dem Umfang eines Hutes) und nicht an einem Stundenlohn; genauso wie die Förderung von Zweisprachigkeit in allen Dimensionen statt des alleinigen Ersetzens der Muttersprache Quechua durch Spanisch; das gleichberechtigte Pflegen spanischer und andiner Mythen und Geschichten und vieles mehr.

Müll und Plastik aus den Anden zu verbannen, ist Frau López ein besonderes Anliegen. Manch eine Plastikflasche ist in den Bastelkursen zur Handpuppe geworden, die die Mythen und Legenden der Gegend erzählt.

Konzentration dank besserer Ernährung

Da die meisten Kinder unter einseitiger und unzureichender Ernährung leiden, hat jede Schule im letzten Jahr einen organischen Gemüsegarten angelegt. In den Höhenlagen sollen, wo es möglich ist, Fruchtbäume gepflanzt werden.

Lehrer/innen und Kinder arbeiten eingewoben in den alltäglichen Unterricht zu den Themen Wasser, Hygiene und gesunde Ernährung. Das Essen in den einfachen Schulküchen soll in diesem Jahr dank des eigenen Anbaus vielfältiger werden. Die Eltern helfen bei der Arbeit in den Gemüsegärten.

Was freut sie am meisten? „Die Kinder sind stolz auf ihre Kultur und Traditionen, sie lernen, ihre Umgebung zu pflegen und zu schützen“, so Frau Escudero López. Für Materialien und die Arbeit mit den Kindern, Lehrer/innen und Eltern an den vier Schulen sind 2015 insgesamt rund 9.500 Euro notwendig.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Peru: Kreative Bergschulen

Spendenkonto:

IBAN: DE05 4306 0967 0012 3300 10

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Fotos: © Zukunftsstiftung Entwicklung