Flucht - Trauma - Schule

Ein Rückblick

Unter dem Titel „Flucht Trauma Schule“ fand im November das erste Fortbildungsangebot der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. speziell für LehrerInnen und HelferInnen im Flüchtlingsbereich statt. Das Seminar wurde in Kooperation mit dem Parzival-Schulzentrum in Karlsruhe durchgeführt.

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Vortrag Bernd Ruf

Im Zentrum der zweitägigen Veranstaltung am Parzival-Schulzentrum stand die Frage, wie Notfallpädagogik minderjährige Flüchtlinge in der Schule bei der Integration unterstützen kann.

Die Veranstalter, das Parzival-Schulzentrum Karlsruhe und die Freunde der Erziehungskunst, haben bereits langjährige Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Kindern. Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst organisiert bereits seit 2006 psychosoziale Hilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche in Krisen- und Katastrophengebieten. Dabei wird mit waldorfpädagogischen Methoden und verwandten Therapieformen gearbeitet, um bei der Verarbeitung des Erlebten zu unterstützen. Nach den gleichen Prinzipien arbeitet das Parzival-Schulzentrum mit traumatisierten Kindern in Deutschland und seit Herbst 2014 in fünf Flüchtlingsklassen auch mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Über 180 PädagogInnen, HelferInnen und Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz fanden sich von 31. Oktober bis 1. November in Karlsruhe ein, um von diesen Erfahrungen zu lernen. In Vorträgen, Workshops und Gesprächsgruppen wurde auf Fluchttraumata, Psychohygiene für Helfer und notfallpädagogische Methoden eingegangen. Eine angemessene pädagogisch-therapeutische Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinder kann ihre Integration in die Schule und in die neue Umgebung wesentlich unterstützen.

Fluchttrauma, Notfallpädagogik und Psychohygiene

Mit einem Vortrag über Fluchttraumata bei Kindern eröffnete Bernd Ruf, Schulleiter des Parzival-Schulzentrums und Begründer der Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst die Tagung. In seinen Erläuterungen fanden Erkenntnisse der Psychotraumatologie und neurobiologische Aspekte ebenso Platz wie persönliche Erzählungen über die notfallpädagogische Arbeit mit Kindern bei verschiedenen Einsätzen und in der Schule. In einem weiteren Vortrag am Sonntag ging Bernd Ruf konkret auf die Rolle der Schule bei der Aufnahme traumatisierter Flüchtlingskinder ein. Als Schutzzentrum könne die Schule wie ein Verband auf den psychischen Wunden der Kinder wirken, dabei sei das Angebot von stabilen Beziehungen zentral. So können die Kinder wieder neues Vertrauen in sich selbst und in andere finden.

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Workshop Kunsttherapie

In seinem Beitrag über Psychohygiene und den Umgang mit Belastungen der Helfer stellte Dr. Christian Schopper die Bedeutung von Musik für das psychische Wohlbefinden heraus. Dr. Schopper empfahl den TeilnehmerInnen eine Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen und der Bedeutung von Fluchtgeschichten in der eigenen Familie. Der Facharzt für Neurologie, Psychotherapie und Psychiatrie und Chefarzt der Psychosomatischen Fachklinik Sonneneck verfügt über jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Menschen.

Wie Notfallpädagogik konkret in den frühen Phasen der Traumatisierung helfen kann, beschrieb Lukas Mall, Koordinator für Notfallpädagogik bei den Freunden der Erziehungskunst. Als Einsatzleiter war er erst am Vortag von einem notfallpädagogischen Einsatz auf der griechischen Insel Lesbos zurück gekehrt und konnte eindrücklich von seinen Erlebnissen und Erfahrungen vor Ort berichten.

Von der notfallpädagogischen Arbeit der Freunde der Erziehungskunst in Flüchtlingslagern im Nordirak berichtete Siri Hauser im Rahmen eines Lichtbildvortrags.

Notfallpädagogik anwenden

In verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmer konkrete notfallpädagogische Methoden kennenlernen und ausprobieren. Unter anderem wurden Einheiten zu Erlebnispädagogik, Kunsttherapie, Formenzeichnen und Eurythmie angeboten. Diese Methoden werden regelmäßig bei notfallpädagogischen Interventionen eingesetzt. PädagogInnen der Parzival-Schule stellten darüber hinaus weitere Methoden vor, die stabilisierend auf traumatisierte Kinder wirken können, wie musiktherapeutische Angebote, Chirophonetik und tiergestützte Therapie.

Neben Vorträgen und Workshops boten Gesprächsgruppen zu einzelnen Themenbereichen die Gelegenheit, mit notfallpädagogischen Experten ins Gespräch zu kommen und sich kennen zu lernen. Viele der SeminarteilnehmerInnen haben als Helfer, Lehrer oder Erzieher bereits eigene Erfahrungen in der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen gemacht. Die offenen Gruppen konnten so neben konkretem Austausch auch Raum für persönliche Vernetzungen bieten.

Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.

Foto: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.