Eine Waldorfschule im bergigen Umland Jerusalems

Wie bei den meisten Waldorfschulen nimmt auch die Geschichte der Schule in Taoz ihren Anfang mit jungen Eltern, die sich für ihre Kinder eine Waldorfschule wünschen. Nach fleißigem Vorbereiten begann 2007 im bergigen Umland westlich von Jerusalem eine Kindergarteninitiative mit gerade ein mal vier Kindern. Die gute Arbeit überzeugte auch andere Eltern, der Kindergarten gedieh und heute spielen und lernen 85 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren in fünf Gruppen.

Fünf Jahre nach Eröffnung des Kindergartens war es dann bereits soweit: Das kräftige Wachstum und die erste Generation von „Absolventen“ des Kindergartens ließen es zu, dass die Schule 2012 ihre Tore für eine erste Klasse öffnete. Mit Beginn dieses Jahres besuchen nun etwa 50 Schüler in drei Klassen den Unterricht.

Für die Zukunft erwartet die Schule, dass nach etwas ruhigeren Anfangsjahren die Nachfrage deutlich steigen wird. Auch der Kindergarten und andere Waldorfeinrichtungen in Israel haben diese Erfahrung gemacht. Zusätzlich wird sich die Bevölkerung in der Gegend um Taoz innerhalb der nächsten Jahre voraussichtlich verdoppeln, denn in den umliegenden Dörfern wird eine große Anzahl von Häusern gebaut.

Genügten für die Anfänge noch kleine, provisorische Räumlichkeiten auf einem Privatgrundstück, wurde nun als nächster Schritt ein Grundstück am nördlichen Rande des Dorfes nahe des Eshta’ol Waldes gepachtet. Dieses wird der Schule bis zur achten Klasse genügend Platz bieten.

Für Beginn, Aufbau und die ersten Lehrergehälter der Schule mussten die Eltern viele, viele Spenden sammeln. Bis zur vollständigen Anerkennung, mit der auch eine staatliche Finanzierung einhergeht, benötigt die Schule weiterhin Spenden, muss aber aktuell keine Schulden machen.

Die Yechiel Waldorfschule möchte den Kindern von Familien, welche ein Interesse an der Waldorfpädagogik haben, unabhängig von ihrer finanziellen Lage den Besuch des Kindergartens oder der Schule ermöglichen. So werden ein Zehntel aller Einnahmen zum Aufstocken niedrigerer Schulgeldbeiträge und für Stipendien verwendet. Die Schule hofft damit ein Stückchen weit Bildungsgerechtigkeit zu schaffen und Kindern mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen ein gemeinsames Lernen zu ermöglichen.

Den Gründungseltern ist es ein großes Anliegen, das Bewusstsein und den Zustand der Gesellschaft durch Bildung zu verändern. Gerade in der sehr unruhigen Situation in Israel, einem Land, in dem kriegerische Auseinandersetzungen an der Tagesordnung sind. Die Vision der Yechiel Schulgemeinschaft ist es, durch die Waldorfpädagogik einen Beitrag zu einer friedlicheren Gesellschaft zu leisten, indem den Kindern Werte wie innere Freiheit, Frieden und Menschlichkeit vermittelt werden.

Jaspar Röh für die Freunde der Erziehungskunst

Erschienen in: Rundbrief Freunde der Erziehungskunst, Frühjahr 2015