bis 31.01.2016

William Forsythe: The Fact of Matter

William Forsythe (*1949 in New York) gilt als Erneuerer des Balletts und hat wie kaum ein anderer nachfolgende Generationen von Tänzern geprägt. Nach Beendigung seiner Tätigkeit als künstlerischer Direktor der Forsythe Company im Frühjahr 2015 beginnt ein neues Kapitel in der Entwicklung seines choreografischen Werkes. Anlässlich dieses Neubeginns innerhalb seines künstlerischen Schaffens widmet das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main dem international gefeierten Künstler eine umfangreiche Werkschau.

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William Forsythe, Stellentstellen, 2013
Performers: Amancio Gonzales & Ander Zabala;

„Diese Ausstellung eröffnet ein neues Kapitel im choreografischen Werk von William Forsythe und wirft einen programmatischen Blick auf die vielfältigen Beziehungen zwischen bildender Kunst und Choreografie. Damit setzen wir unseren inhaltlichen Fokus, die Grenzbereiche der Gegenwartskunst zu thematisieren, weiter fort“ sagt Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst.

In den vergangenen Jahrzehnten hat Forsythe einen unvergleichlichen tänzerischen Kosmos geschaffen: Er erarbeitete bahnbrechende Ballettchoreografien, experimentelle Tanztheaterstücke, digitale Tanzpartituren und raumbezogene Installationen, die den Besucher unerwartet selbst zum Akteur werden lassen.

Frankfurt am Main ist seit 30 Jahren mit dem Schaffen von William Forsythe verbunden. Hier gründete er 1984 das Ballett Frankfurt und 2004 The Forsythe Company. Forsythe wurde mit zahlreichen international renommierten Tanzpreisen ausgezeichnet und erhielt im Jahr 2010 auf der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die raumgreifenden Installationen Forsythes: Die interaktive Videowand von City of Abstracts (2000) in der zentralen Halle des MMK bezieht die Besucher mit ein, noch bevor sie den Ausstellungsraum betreten haben. Durch Ausprobieren erfassen sie sehr schnell, wie sie ihr gemorphtes Spiegelbild auf der Videowand steuern können. Das Ergebnis ist eine unvorhergesehene Choreografie, die durch Neugierde, nicht aus Absicht entsteht. In einem anderen Raum navigieren schwingende Pendel die Besucher durch die Installation Nowhere and Everywhere at the Same Time (2015), während sie bei dem Ringe-Parcours The Fact of Matter (2009) die Künstleranweisung erhalten, den Raum ohne Berührung des Bodens zu durchqueren. Ein Gefühl von Beengung kann die Installation A Volume in which it is not Possible for Certain Actions to Arise (2015) auslösen, bei der die Besucher einen Raum von 70 cm Höhe durchqueren sollen. Neben weiteren Rauminstallationen wie Additive Inverse (2007) oder der Neuproduktion Aufwand (2015) sind auch einige Videoinstallationen wie das 2013 in Kooperation mit dem MMK entstandene Stellenstellen Films, der Film Lectures from Improvisation Technologies (1994) oder das mittlerweile legendäre Solo (1997) zu sehen.

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William Forsythe, The Fact of Matter, 2009
Installationsansicht/installation view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main. Courtesy of the artist

Ein charakteristisches Merkmal aller gezeigten Arbeiten von William Forsythe ist die Organisation von Bewegung. Die choreografischen Objekte erlauben es den Besuchern selbst zu Akteuren zu werden, die mit den installativen Werken interagieren.

„Diese Schau ist eine performative Ausstellung, in der es eine choreografische Anordnung gibt, eine Art Partitur, durch die sich das Publikum frei bewegen kann. Es entsteht ein temporäres ‚Museum in Motion’. Die Besucher werden dabei selbst zu Akteuren, die mit den installativen Werken von William Forsythe interagieren“, sagt Dr. Mario Kramer, Sammlungsleiter und Kurator der Ausstellung.

Forsythes performative und raumbezogene Choreographic Objects verbinden sich in der Ausstellung sowohl mit der Museumsarchitektur von Hans Hollein als auch mit den Hauptwerken aus der Sammlung des MMK von Florian Hecker, On Kawara, Teresa Margolles, Bruce Nauman, Nam June Paik, Fred Sandback, Richard Serra, Santiago Sierra, Andreas Slominski, Rosemarie Trockel, James Turrell oder Cy Twombly, Andy Warhol und vielen mehr. In enger Zusammenarbeit mit William Forsythe ist die spezifische Auswahl von Werken nach inhaltlichen Korrespondenzen und formalen Analogien entstanden. Linie, Bewegung, Klang, Kompositionsstrukturen und performative Aspekte im Raum spielen bei all diesen Werken eine zentrale Rolle.

Nach Einzelpräsentationen im Lipsiusbau in Dresden 2014, im Essener Folkwang Museum 2013, im Wexner Center for the Arts 2009 in Columbus, in der Tate Modern in London 2009 und der Pinakothek der Moderne in München 2006 ist dies die erste Museumsausstellung, die das Werk von William Forsythe in all seinen Facetten zusammen mit Hauptwerken der vergangen 20 Jahre vorstellt.

Christina Henneke

Bis 31. Januar 2016: Ausstellung „William Forsythe: The Fact of Matter“. Ort: MMK Museum für Moderne Kunst, Taunustor 1, 60310 Frankfurt am Main.

 

Fotos: Dominik Mentzos