Aus der Arbeit der GLS Treuhand Zukunftsstiftung Entwicklung

Kenia: Was ist das gute Leben?

Gemeingüter erkennen

Gemeingüter schützen

Eine Studie zu Landnutzung und Land Grabbing soll eine Grundlage für die Sicherung von Landrechten, Umwelt, Wildtieren sowie Wirtschaft und Kultur der Massai im Süden Kenias schaffen.

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Eine selbstverwaltete Pumpstation in Marantawua, Kajiado

Der Süden Kenias hin zur Grenze mit Tansania ist traditionell Massaigebiet. Sie nutzen, halbnomadisch wandernd und organisiert in 45 sogenannten group ranges mit durchschnittlich 600 bis 1.200 Familien als Mitglieder, das Gebiet als Weidegrund für ihre Viehherden, die aus Rindern, Ziegen und Schafen bestehen. Land Grabbing scheint diese Lebens- und Wirtschaftsform mit massiven Folgen für Mensch und Umwelt nun zu beenden.

Bis Anfang der 80er-Jahre befand sich das gesamte Gebiet als Gemeindeland in Gemeinschaftsbesitz. Seit etwa dreißig Jahren treiben die verschiedenen kenianischen Regierungen, gefördert durch internationale Organisationen, wie unter anderem der Weltbank und der afrikanischen Entwicklungsbank, die Vermessung und Parzellierung des Landes voran. Diese Privatisierung gilt als Grundlage für das Schaffen von sogenannten Investitionsanreizen und Entwicklung.

An einigen group ranges in der Region Kajiado, die als eine der ersten zustimmten, ihr Land zu vermessen und zu parzellieren, zeichnen sich inzwischen die Langzeitfolgen dieser Politik ab. Bereits seit den 90er-Jahren verkaufen hier Massai-Familien ihr Land. Meistens liegen die Gründe darin, dass sie Vieh kaufen wollen, beispielsweise, weil sie durch Dürren viel Vieh verloren haben oder weil sie Schulgeld für ihre Kinder aufbringen müssen. Die Verkäufe verlaufen stückchenweise hier zwanzig, da fünfzig Hektar. Häufig bleibt der Verkauf jahrelang unbemerkt und die Folgen werden erst deutlich, wenn Investoren große Landstriche abzäunen.

Etwa seit 2010 eskaliert diese Situation aufgrund massiver Nachfrage nach Land, steigender Preise und wachsen dem Verkauf. Die Käufer scheinen zumeist nationale und internationale Unternehmen zu sein, aber auch einzelne Geschäftsleute, die augenscheinlich mit dem Ziel investieren, das Land zu hohen Preisen weiterzuverkaufen. Die Landfrage ist explosiv und so wird zumeist im Dunkeln agiert, und es gibt wenige gesicherte Erkenntnisse.

Nomaden ohne Wege

Deutlich wird jedoch, dass dort, wo die Massai früher je nach verfügbarem Futter und Wasser für ihre Tiere die Landstriche durchquerten, heute durch die Privatisierung von Land diese Wanderungen zunehmend unmöglich sind. Ihnen sind die Wege zu fruchtbarem Grasland und Wasserquellen versperrt. Dazu kommen die Auswirkungen des Klimawandels. Ausbleibende Regenzeiten verwandeln immer größere Gebiete über immer längere Zeiten in Halbwüsten. Nicht nur die Massai und ihre Herden sondern auch die Wildtiere leiden unter dieser Situation. Wenn die Wildtiere nicht zwischen den verschiedenen Futterplätzen wechseln können, gebären sie weniger Nachwuchs. Die Folgen: Immer mehr Tierarten sind in ihrem Bestand bedroht, immer mehr Massai-Familien ziehen in die Slums von Nairobi.

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Viehhaltung ist die Lebensgrundlage der Massai in Kajiado ein junger Viehhirte

Formal zeigt sich sowohl die Landes- als auch die Distriktregierung von den Entwicklungen alarmiert. Der damalige Distrikt-Gouverneur von Kajiado hat 2012 in einem Dekret Landverkäufe ohne Einwilligung der Ehefrauen eines Verkäufers untersagt, darauf verweisend, dass die Frauen das Land zumeist nicht verkaufen wollen, denn sie erhalten selten einen Anteil an der Verkaufssumme und müssen doch ihre Kinder ernähren. Jedoch wechseln mit Wahlen auch die Gouverneure und Dekrete werden neu ausgehandelt. Befragungen unter den Massai ergaben, dass sich über die Hälfte der Mitglieder von sieben group ranges im Süden Kenias gegen Parzellierung und Privatisierung aussprechen. Aber die Korruption ist groß, politische Entscheidungen werden über die Köpfe der Betroffenen hinweg durchgesetzt und Landverkäufe vollziehen sich vielfach über Strohmänner, bei vollkommen intransparenten Verträgen.

Fragen als Ausgangspunkt für einen zukunftsweisenden Ansatz

Über die Arbeit mit verschiedenen Gemeinden hat unser Projektpartner SACDEP Einblicke in diese Situation erhalten. Gleichzeitig wuchs das Vertrauen zwischen den Mitarbeiter/innen von SACDEP und den Ältestenräten und Massai-Vertretern der Region Kajiado. Gemeinsam möchten sie nun eine Erhebung durchführen.

Die Ergebnisse dieser Studie sollen als Grundlage für ein Vorhaben zum Schutz von Landrechten an gemeinschaftlichem Eigentum, Ressourcenschutz für Wildtiere und Einkommen für Massai genutzt werden. Unter anderem sollen folgende Fragen geklärt werden: Welche Auswirkungen hatten Parzellierungen in den 45 Sektionen in Südkenia? Wie viel Land von welchen group ranges im Süden Kenias ist noch nicht parzelliert und wird als Gemeindeland in Gemeinschaftsbesitz genutzt? Welche Qualität hat dieses Land (Bodenbeschaffenheit, -fruchtbarkeit, Beschaffenheit des Graslandes, Frage nach Überweidung und Wüstenbildung) mit welchen Wildtier- und Viehbeständen? Welche Infrastruktur existiert in Bezug auf Brunnen, Staubecken und andere Bewässerungssysteme? Welche Einkommensquellen und -situation haben die verschiedenen Mitglieder der group ranges? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen zur Konsolidierung von Gemeindeland in Gemeinschaftsbesitz können geschaffen werden? Über welche weiteren Ressourcen jenseits der Viehbestände verfügen die group ranges? Wie kann auf der Basis dieser Ressourcen, der Viehbestände und eines angepassten Weidemanagements bei Erhalt des Gemeindelandes ein Ansatz geschaffen werden, der langfristig natürliche Ressourcen schont und den Massai ein Überleben in Würde sichert?

Diese Studie bietet die Grundlage für den Aufbau einer kenianischen Massai-Stiftung, die Gemeindeland treuhänderisch hält und gleichzeitig Einkommensalternativen über organischen Landbau, Wasser- und Weidemanagement sowie Tourismus in gemeinschaftlich verwalteten Naturparks mit initiiert.

Da die Landfrage hoch konfliktiv ist und national wie international viele Interessengruppen im Spiel sind, muss SACDEP gemeinsam mit den group ranges eine solide Studie als Grundlage für dieses Vorhaben erarbeiten. Um diese Studie flächendeckend durchführen zu können, werden neun Menschen benötigt, die sich mindestens einen Monat lang zu Erhebungen in die verschiedenen, zum Teil schwer erreichbaren Gebiete Südkenias begeben. Dies bedeutet, dass die Studie personalintensiv ist und die Transportkosten aufgrund der Benzinpreise hoch sind. Deshalb sind insgesamt 29.000 Euro für die Durchführung notwendig. Etwa 15.000 Euro haben wir bereits zur Verfügung. 14.000 Euro benötigen wir noch an Spenden. Pro Erhebungstag und Befragendem sind dies ca. 50 Euro.

Dr. Annette Massmann

Spendenzweck

Kenia: Massai Gemeindeland

Spendenkonto

IBAN: DE05 4306 0967 0012 3300 10

 

Fotos: © S. Münnich