Bis 14.2.

Poesie der Farbe

Staatsgalerie Stuttgart

Max Beckmann, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Otto Dix, Lyonel Feininger, George Grosz, Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Alfred Kubin, August Macke, Franz Marc, Emil Nold.

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August Macke, Promenade (mit weißem Mädchen in Halbfigur), 1914, Öl auf Leinwand, 48 x 60 cm, Staatsgalerie Stuttgart

Im Dezember 1910 diskutierten die Malerfreunde August Macke und Franz Marc in ihrem Briefwechsel über die ästhetische Bedeutung der Primärfarben und August Macke stellt fest: »3 Farben Blau Gelb Rot. Parallelerscheinung Traurig heiter brutal.« Auf die Definition der drei Primärfarben seines Freundes antwortete Franz Marc im selben Monat: »Blau ist das männliche Prinzip, herb und geistig. Gelb das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich. Rot die Materie, brutal und schwer.«

Die emotionalen Kategorien, Melancholie Heiterkeit Brutalität, sind Anregung für die Ausstellung »Poesie der Farbe«, in denen rund 180 Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken der Klassischen Moderne aus dem bedeuten den Bestand der Staatsgalerie Stuttgart präsentiert werden.

»Blau« als Prinzip der Vergeistigung und Abstraktion wird vertreten durch die Künstler des »Blauen Reiter« in München, Franz Marc und Wassily Kandinsky, sowie einige ihrer Freunde wie August Macke, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Alexej Jawlensky und Emil Nolde. Die Gratwanderung zwischen Beruhigung und Unsicherheit ab den 1920er-Jahren offenbart sich in der Künstlergruppe »Die Blaue Vier«. Hier treffen die Bauhaus-Meister Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee auf Alexej Jawlensky.

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Franz Marc, Fabeltiere (Blaues Pferd und roter Hund), 1913, Aquarell, Pinsel in Schwarz über Bleistift auf rohweißem Papier, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

»Rot« als Sinnbild für Brutalität, Aggression und Krieg, vereint Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz und Paul Klee, die jeder auf seine Weise versuchen, das Unbegreifbare zu verarbeiten.

»Gelb« ist das abschließende Satyrspiel, in dem einige der Künstler noch einmal zusammenkommen sinnlich, ironisch, bis ins Groteske gehend und damit allen Abgründen und Widrigkeiten mit Hilfe der Kunst trotzend.

Die Chance, Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken verschiedener Künstler aus dem gesamten Bestand zu vereinen, ist einer der großen Glücksfälle, die ein Museum wie die Staatsgalerie Stuttgart bieten kann: Ihr wertvoller Schatz, der das Ergebnis einer rund 200jährigen Sammelleidenschaft von Direktoren und Konservatoren, der sie darin unterstützenden Landesherren und Ministerien sowie parallel zahlreicher privater Sammler mit ihren Stiftungen und Leihgaben ist, bringt immer wieder Überraschungen oder Neuentdeckungen ans Licht, wirft Fragen auf und liefert Antworten. Bereits Bekanntes aus der ständigen Präsentation kombiniert mit Meisterwerken aus den Depots und Magazinen, die allein aus konservatorischen oder simplen Platzgründen selten ans Licht kommen, bieten eine neue Sicht. Viele der Werke waren bereits als gefragte Leihgaben in aller Welt, sind aber noch nie in Stuttgart gezeigt worden.

Staatsgalerie Stuttgart

Foto: © Nolde Stiftung Seebüll