Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik auf der Frankfurter Buchmesse

Wie kann die Schule Kinder auf den Umgang mit modernen Medien vorbereiten? Eine neue Publikation der Pädagogischen Forschungsstelle des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) zum Thema Medienpädagogik zeigt auf, was die Waldorfpädagogik zu dieser wichtigen Aufgabe beitragen kann. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde das Grundlagenwerk von Prof. Dr. Edwin Hübner im Gespräch mit Dr. Steffen Borzner vorgestellt.

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Computerunterricht

Foto: Charlotte Fischer (BdFWS)

Hübner ist Hochschullehrer an der Freien Hochschule Stuttgart. Seine Publikation hat den Titel „Medien und Pädagogik Gesichtspunkte zum Verständnis der Medien Grundlagen einer anthroposophisch-anthropologischen Medienpädagogik.“ 

Grundlegend für die Waldorfpädagogik sind auch bei der Medienfrage die Menschenkunde und die Orientierung an der Entwicklung des Kindes. Welche Fähigkeiten müssen Kinder herausbilden, damit sie dem Alltag in der hochtechnisierten Welt gewachsen sind? Medienpädagogik vollzieht sich auf zwei Ebenen, so die These von Prof. Edwin Hübner: Gefordert ist einerseits eine direkte Medienpädagogik, welche die Kinder befähigt, Medien sinnvoll zu nutzen. Hinzukommen muss aber aus der Sicht der Waldorfpädagogik auch eine indirekte Medienpädagogik, die den Einseitigkeiten entgegenwirkt, die die Mediennutzung z.B. hinsichtlich der körperlichen Entwicklung mit sich bringt.

„Alle Technik und besonders audiovisuelle Medien haben die Tendenz, dem Menschen starke kognitive Leistungen abzufordern, während sie ihn zugleich dem konkreten leiblichen Handeln entfremden“, betont Prof. Hübner dazu. Für einen erwachsenen Menschen sei das kein Problem; für Kinder dagegen schon, weil sie ihren Leib erst noch auszubilden haben.

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Struwwelpeter 2.0.

Die Broschüre kann unter: www.waldorfschule.de/medien/blickpunktereader/ heruntergeladen oder bestellt werden.

Diese Ausbildung vollziehe sich nur dann gesund, wenn das Kind seinen Leib vielfältig bewege und in konkreten Handlungen einsetze. Aufgabe der indirekten Medienpädagogik ist es von daher, Erfahrungsfelder zur Verfügung zu stellen, die eine gesunde leibliche und seelische Entwicklung fördern. Damit schule sie zugleich die Fähigkeiten, die der Mensch braucht, um den Anforderungen des nicht medialen Lebensalltages gewachsen zu sein.

In diesem Zusammenhang werde auch deutlich, so Hübner, dass einer der Grundansätze der Waldorfpädagogik, der großen Wert auf die Sinnesentwicklung der Kinder legt, vor dem Hintergrund der technisch-medialen Kultur der Gegenwart hochaktuell ist. Die Publikation enthält auch einen konkreten Lehrplan für das Gestaltungsfeld Medien.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Literaturhinweise

Hübner, Edwin: „Medien und Pädagogik, Gesichtspunkte zum Verständnis der Medien Grundlagen einer anthroposophisch-anthropologischen Medienpädagogik“, Stuttgart 2015

http://www.waldorfschule.de/fileadmin/downloads/blickpunkte_reader/Medienbroschuere_Struwwelpeter_2.0.pdf

„Struwwelpeter 2.0 Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik“ , Hrsg. Bund der Freien Waldorfschulen, 2. Auflage 2015

Der Reader „Struwelpeter 2.0“

Der Reader „Struwelpeter 2.0“ erscheint in Kooperation des Bundes der Freien Waldorfschulen und der Aktion mündige Schule. Die AmS setzt sich für Freiheit im Bildungswesen ein und initiierte 1995 die erste Volksinitiative „Schule in Freiheit“ (www.freie-schule.de), später unterstützte sie die gleichnamigen Initiativen in Berlin und Brandenburg.

Freiheit hat eine äußere und eine innere Seite. Erstere schafft die Bedingungen, Letztere die Substanz. Gemeinsam ist beiden, dass es sie nicht einfach

gibt, sondern dass sie immer wieder neu erobert werden wollen. Medienmuündigkeit ist eine der Freiheitsfragen unserer Zeit.