Henri ist kein Fall, Henri ist ein Kind!

Bewegende Buchlesung mit Kirsten Ehrhardt

Henri, „der wohl bekannteste 12jährige Deutschlands“, hat das Down-Syndrom. Doch für seine Eltern ist klar, dass sie ihren Sohn in keiner Weise einschränken wollen, einen Sonderweg wünschen sie ihm nicht. Henri geht in den Kindergarten und zur Grundschule, ist glücklich dort und hat viele Freunde. Doch als er mit seinen Freunden aufs Gymnasium wechseln will, beginnt ein Kampf, der ihn bald in ganz Deutschland bekannt macht …

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Kirsten Erhardt bei der Buchlesung

Mit sehr persönlichen Geschichten aus dem Leben ihres Sohnes Henri und seiner Familie, die oft zum Nachdenken, aber genauso häufig zum Schmunzeln anregten, zog die Journalistin und Radiomoderatorin Kirsten Ehrhardt die Zuhörer bei der vom Fachreferat Inklusion der LAG initiierten Buchlesung im Rudolf-Steiner-Haus Frankfurt in ihren Bann.

„Henri ein kleiner Junge verändert die Welt“ ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der für die Menschen in seiner Umgebung gleichermaßen Bereicherung und Herausforderung ist und gleichzeitig ein Plädoyer dafür, jedes Kind so anzunehmen, wie es ist, ihm Vertrauen zu schenken und es nicht durch vorauseilende Abwertung einzuschränken. „Was wir von Henri gelernt haben, ist Geduld. Er braucht sein eigenes Tempo und wenn man dieses beschleunigen will, dann entschleunigt er“, so beschreibt Kirsten Ehrhardt eine der größten Herausforderungen im Umgang mit ihrem Sohn.

Ganz verschiedene Erfahrungen mit Mitarbeitern der Jugendämter, Erlebnisse in Workshops und Selbsthilfegruppen, ermutigende und frustrierende Begegnungen mit den verschiedensten Menschen und immer den Anspruch, Henri eine normale, glückliche Kindheit zu ermöglichen und das Zusammenleben der ganzen Familie nicht aus dem Auge zu verlieren Kirsten Ehrhardt konnte aus einem reichhaltigen Fundus von berührenden, aber auch hoffnungsvollen Anekdoten schöpfen.

Mit ihrem Kampf für eine bestmögliche Entwicklung ihres Sohnes hat die Autorin eine bundesweite Debatte angestoßen, das Thema Inklusion war plötzlich in allen Medien vertreten und wurde heiß diskutiert. Zahlreiche Leserbriefe, von denen sie einige auszugsweise während der Lesung zitierte, zeigen, dass sie mit ihrem Buch einen Nerv getroffen hat, auch wenn Inklusion in Deutschland in weiten Teilen noch nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis ist. Praxisbeispiele aus anderen Ländern (z. B. Italien) machen aber Mut, dass es auch hierzulande möglich ist, jedes Kind gemäß seiner Fähigkeiten zu fördern und zu fordern.

Was während der Entstehung des Buches noch nicht abzusehen war: Der Kampf von Henris Eltern um seine Zukunft hat sich gelohnt. Henri besucht mittlerweile mit einigen seiner Freunde eine Realschule.

Im Anschluss an die Lesung nutzten die Anwesenden die Gelegenheit, Fragen zu stellen, über verschiedene Aspekte der Inklusion zu diskutieren sowie das Buch zu kaufen und von Kirsten Ehrhardt signieren zu lassen. Und bei manchen lustigen Geschichten aus Henris Leben blieb im Hinterkopf die Feststellung: „Das ist doch ganz normal!“

Silvia Junker-Hoffmann

Foto: Silvia Junker-Hoffmann