Filmtipp

Giovanni Segantini: Magie des Lichts

Der neueste Film von Christian Labhart widmet sich dem Leben des Malers Giovanni Segantini (1858-1899). Nach dem Tod seiner Mutter in frühem Kindesalter erlebt er eine schwere Jugend und sucht seine Gefühle mit großem Talent in der Malerei zum Ausdruck zu bringen. Die Freiheit schätzend wird er zum Künstler, Anarchist, Aussteiger und gründet mit seiner Frau, seiner großen Liebe, eine Familie. Um dem Licht immer näher zu kommen, steigt er auf dem Höhepunkt seines Schaffens immer weiter im Gebirge hinauf und stirbt 41-jährig unter dramatischen Umständen in einer Alphütte auf 2700 m.

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Giovanni Segantini. Die Magie des Lichts. Dokumentarfilm von Christian Labhart. Bruno Ganz (Stimme) und Mona Petri (Stimme), Musik von Paul Giger und dem Carmina-Quartett, Schweiz 2015. Kinostart ab September 2015. Als DVD in Deutschland erhältlich ab 2016.

Seine Bilder, meist unter freiem Himmel geschaffen, stellen oft einfache Menschen dar, den Blick nach unten gerichtet, eingebettet in der idealisierten Natur einer Hochgebirgslandschaft. Besondere Strahlkraft erhalten seine Motive durch das in leuchtenden Farben auf die Leinwand gebrachte Himmelslicht - ob am Morgen oder Abend.

Vom „Werden“, zum „Sein“ bis zum „Vergehen“ zeigt der Film - wechselnd zwischen brillanten Kameraeinstellungen von Himmeln, Bergen, Licht, Wasser und städtischen Wegen, Gemälden Segantinis und Fotos von ihm und seiner Familie - die verschiedenen Etappen seines Lebenswirkens. Die Verbindung der medititativen Bildimpressionen und der ruhig vorgetragenen Texte haben Sogkraft - eine Kraft der Verlangsamung - berühren mit archetypischen und nachwirkenden Bildern.

Autobiografische Texte, gelesen von Bruno Ganz, Auszüge aus Asta Scheibs Bestseller «Das Schönste, was ich sah» gelesen von Mona Petri , und die Musik Paul Gigers mit dem Carmina Quartett ergänzen Bildinformationen. Der folgende Textauszug mag ein Beispiel geben für die Markanz seiner autobiografischen Texte:

«Ich habe die Welt gekannt und all ihre sozialen Schichten; nicht von fernher, sondern ich lebte darin und erfuhr so all ihre Leidenschaften, ihre Schmerzen, ihre Freuden und ihre Hoffnungen. Ich habe die unendliche Ebene der Traurigkeit durchschritten, wo sich im Licht der Sonne und in der Dunkelheit alle menschlichen Leidenschaften herumwälzen. Ich sah Blumen weinen und Würmer lächeln. Ja, ich habe gelebt, ohne zu vegetieren, ich habe wirklich gelebt.» (Giovanni Segantini, Brief an Neera, Savognin, undatiert)

red./Michaela Frölich