UN Jahr der Böden

„Boden ist in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar“

Weltweit gehen jährlich 24 Milliarden Tonnen fruchtbarer Boden durch nicht-nachhaltige Nutzung verloren. Mit dem Internationalen Jahr der Böden (International Year of Soils) 2015 möchten die Vereinten Nationen 2015 auf die Bedeutung des Bodenschutzes für das natürliche Ökosystem aufmerksam machen.

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Der Bodenatlas dokumentiert u.a. die weltweit ungerechte Verteilung des Bodens und den Bodenverbrauch durch den Lebensstil

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Sogar in Ländern mit sinkenden Bevölkerungszahlen wird immer weiter Boden verbraucht, so der „Bodenatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung. Täglich verlieren ca. 77 Hektar Boden ganz oder teilweise ihre natürliche Funktion, dies entspreche der Größe von 100 Fußballfeldern, die nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen.

Ursachen des Schwunds an Bodenflächen sind Straßenbau und anderweitige Versiegelungen, aber auch die Intensivlandwirtschaft sei mitverantwortlich durch den Einsatz großer Maschinen, die die Bodenstruktur verdichten. Pestizide und Mineraldünger verringerten das Bodenleben, Wind- und Wassererosion bringe ebenfalls fruchtbaren Boden zum Verschwinden.

„Wir nutzen die Böden der Welt, als wären sie unerschöpflich,“ heißt es im Bodenatlas, der in einer Kooperation mit den Institute for Advanced Sustainability Studies, dem Bund Naturschutz (BUND) und der Zeitung Le Monde diplomatique entstanden ist. Es brauche häufig „mehrere tausend Jahre, bis sich eine dünne Schicht fruchtbarer Oberboden bilden kann, aber nur eine Stunde starken Regens, um ihn zu verlieren“. Böden seien „in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar“.

Für diese Zusammenhänge will das Internationale Jahr des Bodens 2015 Bewusstsein wecken für diese globale Herausforderung. Aber auch der Einzelne könne etwas tun durch eine Ernährung, die auf regionale Produkte und weniger Fleisch setze, wird im Bodenatlas betont. In der Europäischen Union landen 60% des angebauten Getreides in den Futtertrögen der Tierzucht. Dieses Verfahren sei „äußerst ineffzient“, denn aus 100 Kalorien an Nutzpflanzen entstünden lediglich 17-30 Kalorien an Fleisch.

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Täglich verlieren ca. 77 Hektar Boden ganz oder teilweise ihre natürliche Funktion, das entspricht 100 Fußballfeldern

Foto: Popova Valeriya / Shutterstock.com

Der Antrag zum Internationalen Jahr des Bodens wurde im Rahmen des FAO World Council von über 160 Staaten verabschiedet. Nach Beschluss in der UN Generalversammlung soll das International Year of Soils 2015 eine „Plattform zur Bewusstseinsbildung für die Bedeutung des Schutzes der Böden weltweit“ bieten. Über die Aktivitäten zum Jahr des Bodens wird z.B. in der Schweiz auf einer eigenen Website informiert. Es gibt Wettbewerbe zum Thema für Hobbyfotografen und Schulklassen.

Besser Rahmenbedingungen verlangt

Demeter fordert aus Anlass des Internationalen Jahr des Bodens eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau. Für die Demeter-Landwirte sei der Boden wichtige Grundlage für die Entwicklung des Hoforganismus, in dem alle Bereiche (Minerale, Pflanzen, Tiere und Menschen) miteinander in Wechselbeziehung stehen, heißt es in einer Pressemitteilung von Demeter e.V. zum Thema Bodenschutz.

„Der ökologische Landbau und dabei vor allem die Biodynamische Wirtschaftsweise von Demeter sind die besten Methoden, um Bodenschutz aktiv umzusetzen“, betont Demeter-Vorstand Alexander Gerber. Wenn weitere LandwirtInnen für diese Wirtschaftsweise gewonnen werden sollen, dürften ihnen nicht noch zusätzliche Bürden auferlegt werden, wie sie durch die komplette Neufassung der EU Öko-Verordnung drohten. Die Regeln und Kontrollen für den ökologischen Landbau müssen aus der Sicht von Demeter e.V. schrittweise verbessert werden. „Eine totale Revision der Ökoverordnung produziert nur zusätzlichen bürokratischen Aufwand“, betont der Verband.

Für Demeter e.V. gehört zum Bodenschutz auch der Ausschluss des Anbaus von gentechnisch manipulierten Pflanzen für ganz Deutschland. „Gentechnikfreiheit ist nicht nur existentielle Bedingung für die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft. Der Anbau von Gentechnikpflanzen geht immer mit einer boden- und umweltschädigenden Praxis einher“, so Gerber. Von der Landesagrarministerkonferenz, die sich derzeit mit der Novelle der EU-Ökoverordnung befasst, fordert Demeter e.V. „das klare Bekenntnis für ein bundesweites Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen“.

Ungerechte Verteilung

Der Bodenatlas der Heinrich Böll Stiftung dokumentiert auch die weltweit ungerechte Verteilung des Bodens und den Bodenverbrauch durch den Lebensstil z.B. in der Europäischen Union. Europa sei derjenige Kontinent, der am stärksten von der Landwirtschaft außerhalb seines Kontinents abhängig ist. Dazu wird ein „Land-Fuß-Abdruck“ berechnet, d.h. das Ausmaß an Land, das notwendig ist, um den gegenwärtigen Lebensstil zu gewährleisten.

Er beträgt bei der Europäischen Union ca. 640 Mio Hektar, d.h. eineinhalbmal so viel Land wie die Fläche aller 28 Mitgliedsstaaten. Dieses Land liege in anderen Erdteilen, von denen einige ihre eigene Bevölkerung nicht ernähren könnten.

Der Bodenatlas kann kostenlos bei der Heinrich Böll Stiftung bezogen oder als pdf heruntergeladen werden. Aufgrund der großen Nachfrage nach den gedruckten Exemplaren sei mit vier bis sechs Wochen Wartezeit zu rechnen, schreibt die Stiftung.

NNA-News

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