25 Jahre Waldorfkindergarten Rafael

In dem roten Haus gegenüber der Anne-Frank-Schule, mitten in Ratingen, da ist der Waldorfkindergarten. Hinter dem Haus ist ein großer und wunderschöner Garten mit vielen alten Bäumen, mit herrlichen Nischen zum Verstecken, mit neuen Spielhäusern und einer großen Schaukel. Von der Kräuterspirale ernten die Kinder Kräuter für die Suppe oder die Kräuterbutter oder den Tee. Vom eigenen Obst wird gemeinsam Marmelade gekocht. Erbsen und Tomaten werden sofort vernascht.

+B9_1 foto 1 und TITEL.psd
Spielen mit viel Fantasie.

Zwei freche Kaninchen hoppeln in ihrem Gehege und 50 bis 60 Kinder tummeln sich munter unter der Aufsicht ihrer Kindergärtnerinnen.

Das ist ein besonderer Ort - dieser Waldorfkindergarten Rafael in Ratingen. Im Ort gibt es keine weitere anthroposophische Einrichtung die Eltern selber sind die Träger des Kindergartens. Eltern haben ihn vor 25 Jahren als Elterninitiative gegründet und bis heute verantworten Eltern den Betrieb.

Drinnen im Haus empfängt die Kinder und ihre Eltern eine schöne Atmosphäre, freundliche Menschen und gemütliche Räume. Was heute ein verwinkelter, vielfältiger Kindergarten ist wurde vor mehr als 80 Jahren als Wohnhaus gebaut. Das Haus hat einen großen Charme und die Kinder können hier sehr schön spielen. Sie haben eine Fülle an Räumen, die sie nutzen können und sie tun dies auch. Sie spielen alles, was in ihrem Erlebnisradius ist, nach, sie denken sich immer neue Geschichten und Handlungen aus und verwandeln alles in das, was sie gerade brauchen. Unter dem Tisch ist der Löwenkäfig, in der Ecke wohnt das Krokodil. Im Puppenhaus ist das Prinzessinnenschloss. Neben dem Zirkus ist das Kino, am Maltisch werden die Eintrittskarten für das Theater gebastelt oder große Kunstwerke gemalt. Kirsch- und Aprikosenkerne oder Kastanien sind im Kaufladen Kartoffeln und Käse oder sie sind das Futter für die Pferde oder auch Karnevalsbonbons, die vom Wagen geworfen werden.

Die Phantasie der Kinder darf sich ausleben. Sie wird genährt durch Märchen, Lieder und Gedichte, die sorgfältig ausgesucht werden. Jeden Tag gibt es Fingerspiele und kleine rhythmische Spiele, Kreisspiele, Ratespiele und Singspiele. Jeden Tag bekommen die Kinder ausgewählte Geschichten oder Märchen erzählt. Jeden Tag kommen die Kinder gerne und das seit 25 Jahren.

Christliche Jahresfeste und Kindergeburtstage sind die großen, herausragenden Ereignisse im Kindergartenalltag, der ansonsten stark von rhythmischen Abläufen bestimmt ist.

+B9_1 foto 2.psd
... beim gemeinsamen Backen.

Der Waldorfkindergarten Rafael ist ein heimeliger Ort. Hier leben die Kinder in den beiden Gruppen zusammen wie in einer großen Familie. Jeden Tag bereiten alle gemeinsam das Frühstück vor und essen miteinander. Die Kinder lieben es, die Brötchen zu kneten oder das Obst für das Müsli selber zu schneiden. Hausarbeiten wie Tischdecken, Spülen oder Aufräumen erledigen Große und Kleine Hand in Hand. Jeden Tag gehen alle in den Garten. Auch hier helfen die Kinder beim Jäten, Rasenmähen, Fegen oder Feuerholz stapeln. Oft lassen sie sich auch im Atelier verlocken zu malen oder zu schnitzen, töpfern oder filzen. Der Waldorfkindergarten Rafael ist ein sehr tätiger Kindergarten. Und dennoch kommt das Spiel der Kinder nicht zu kurz. Das ist die eigentliche Tätigkeit der Kinder und sie werden darin jederzeit unterstützt.

Es gibt zwei reguläre Kindergartengruppen für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Die Öffnungszeiten sind von 7 bis 16 Uhr. Etwa 25 Kinder gehören jeweils einer Gruppe an. Das Mittagessen wird täglich frisch von einer eigenen Köchin gekocht. Nach dem Mittagessen ruhen die kleineren Kinder in einem eigens vorbehaltenem Schlafraum.

Außerdem gibt es im Haus das sogenannte Spielgärtlein, eine Gruppe für acht bis zehn kleine Kinder im Jahr, bevor sie den Kindergartenbesuchen. Das Spielgärtlein ist an drei Wochentagen geöffnet und betreut die Kinder drei Stunden lang, von 9 bis 12 Uhr. Hier werden die Kinder sanft vorbereitet auf den Besuch des Kindergartens.

Der Waldorfkindergarten hat den schönen Namen „Rafael“ nach einem der großen Erzengel. Dieser Name heißt übersetzt: „Gott heilt“ Und dieser Name ist durchaus Programm. Der Waldorfkindergarten wirkt sehr gesundend auf die Familien, die den Weg dorthin finden. Hier werden sehr viele Freundschaften geknüpft, die oft großen Bestand haben. Die Fülle an kraftspendenden und sinnvollen Anregungen wirkt gesundend über die Kinder in die Familien hinein.

Da der Waldorfkindergarten Rafael im September 1990 mit 25 Kindern startete, wird in diesem September der 25 Geburtstag gefeiert. Sehr gerne und voller Stolz öffnet der Kindergarten seine Tore und zeigt allen diesen schönen Ort.

Alle Kindergärtnerinnen erzählen gerne über die Hintergründe der Pädagogik und freuen sich darauf, gemeinsam über den Sinn der Märchen zu reden oder die Besonderheiten der ersten sieben Jahre im Leben des Kindes zu beleuchten. Verschieden Referenten werden Woche für Woche zu den verschiedensten Themen sprechen und gerne auf Fragen antworten. Auch Aspekte der Waldorfschulpädagogik sollen nicht zu kurz kommen und dem praktische Tun wird in Form von Workshops um Körbe zu flechten oder zum Lernen des Gitarrespielens Raum gegeben.

Das ganze Haus wurde über die Jahre mehrfach mit großem Eltern-Engagaement renoviert und erweitert. Die letzte große Maßnahme war der Außenanstrich. Dank der einheitlichen Farbe ist nun deutlich zu erkennen, wie groß der Waldorfkindergarten Rafael geworden ist. Und so ist das rote Haus ein stolzes Zeugnis für 25 Jahre gelebte Waldorfpädagogik in Ratingen.

Herzlich willkommen!

Maria Keuck

Fotos: Maria Keuck