Urban Gardening

Städte setzen sich verstärkt mit der Frage einer nachhaltigen Gestaltung und Nutzung von Grünflächen sowie dem Thema „Urban Gardening“ auseinander. Kooperationen mit Initiativen und Unternehmen, wie meine ernte, liefern dabei wertvolle Synergien für Bürger, Städte und Urban Gardening-Projekten.

+B8_3 foto 2.psd
Urban Gardening - essbare Stadt.

Zum einen sind die Mittel, um Grünflächen zu bewirtschaften und attraktive, grüne Inseln in den Städten und Kommunen zu schaffen, begrenzt, so dass sich die Verantwortlichen nach kostenneutralen oder kostengünstigen Möglichkeiten umsehen. Zum anderen verlagern immer mehr Menschen ihren Lebensmittelpunkt in die Stadt und fordern eine grüne Infrastruktur, die ihnen Erholung und Freizeitmöglichkeiten bietet und für eine bessere Lebensqualität sorgt.

Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, stößt mit ihrer Publikation „Grün in der Stadt - Für eine lebenswerte Zukunft“ einen Dialog an, welchen Stellenwert Grün- und Freiflächen zukünftig in den Städten einnehmen sollen und wie es in Zeiten knapper Kassen gelingen kann, bestehendes Grün zu erhalten und, wo möglich, neue Grünflächen zu entwickeln. Alle Beteiligten sind aufgefordert, sich einzubringen, so dass im nächsten Schritt ein so genanntes Weißbuch hervor gebracht werden soll, „bei dem es um Handlungsempfehlungen und um Möglichkeiten der Umsetzung gehen wird“, so Frau Hendricks.

Urban Gardening Initiativen stellen einen Teil dieser Möglichkeiten dar. In den letzten Jahren sind zahlreiche Initiativen entstanden, bei denen Bürger, oft Menschen der neuen Generation Y, Projekte selbst in die Hand nehmen. „Sie fragen nicht nach Möglichkeiten, sie schaffen sich auf Brachflächen ihre grünen Oasen“ erklärt David Baier, Abteilungsleiter des Amts für Stadtgrüns der Stadt Bonn.

Die ersten Urban Gardening Projekte entstanden in den USA und Kuba. Heute gibt es in Deutschland Hunderte Initiativen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Während Gemeinschaftsgärten und interkulturelle Gärten Menschen zusammenbringen und den Austausch fördern, ist es mobilen Gärten wichtig, Brachen zu verschönern und einen grünen Ort zu schaffen. Doch es gibt noch weitere Initiativen: Die Begrünung von und Bepflanzung auf Dächern sowie Brachen Inzwischen beanspruchen Bürger für sich Verkehrsinseln sowie Brachflächen, um sie zu verschönern oder für sinnvolle, gärtnerische Projekte zu nutzen. Die Prinzessinnen Gärten in Berlin sind dabei als eines der ersten Projekte zu nennen. Neben Brachen werden auch Dächer für Urban Gardening Projekte genutzt. In Bremen hat der Verein Gemüsewerft gemeinsam mit der VHS Bremen einen Dachgarten eingerichtet, der öffentlich zugänglich ist und die Besucher mit selbst angebautem Gemüse und Kräutern aus mobilen Pflanzkästen versorgt. Auch in Berlin rückt das Thema Dachbegrünung in den Fokus. Bündnis90/Die Grünen beantragen, dass Hausbesitzer einen Zuschuss erhalten sollen, wenn sie ihr Dach begrünen. Diese Begrünung soll Regenwasser auffangen, so dass das Risiko des Überlaufens der Kanalisation entschärft werden kann. Die Gründachstrategie ist jedoch auch als ein Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel gedacht. „Schon heute ist Berlin eine Hitzeinsel. Mehr Dachgrün kann dem Temperaturanstieg durch Verdunstung entgegenwirken“, heißt es im Antrag der umweltpolitischen Sprecherin der Grünen, Silke Gebel.

Ein anderes nachahmenswertes Beispiel des Urban Gardening mit dem Schwerpunkt Ernährung bietet die Stadt Andernach seit einigen Jahren. Andernach ist zur „essbaren Stadt“ geworden: Öffentliche Grünanlagen wurden zu einem Erlebnisbereich für Bürger umgeformt, in dem auch der Anbau von frischem Gemüse eine bedeutende Rolle spielt. Der Anbau und die Pflege der Pflanzen werden mit großem Erfolg in die Hand zahlreicher, engagierter Bürger gelegt, frei dem Motto. „Pflücken erlaubt“ statt „Betreten verboten“.

Ein großer Teil des Trends sind zudem die Selbsterntegärten. Meist am Stadtrand gelegen, werden vorab von Fachleuten eingesäte und bepflanzte Parzellen zur Verfügung gestellt, die von den Mietern über die Saison genutzt werden können. Das Gefühl und die Möglichkeit, das Gemüse gehegt, gepflegt und schließlich selbst geerntet zu haben, ist für viele Verbraucher durch nichts zu ersetzen.

Das Unternehmen „meine ernte“ bietet in Deutschland inzwischen an 28 Standorten Selbsterntegärten für Privatpersonen an. In Düsseldorf und Bonn sind diese Projekte in Kooperation mit den Verantwortlichen der Grünflächenämter hervorgegangen. Die Selbsterntegärten in Bonn wurden dabei im Rahmen des Projektes Grünes C errichtet. David Baier erläutert: „Wir wollten im Rahmen des Projektes Grünes C keinen klassischen Landschaftspark errichten, sondern einen Dreiklang aus Naherholung, Landwirtschaft und Naturschutz schaffen und den Menschen eine Möglichkeit bieten, Flächen direkt nutzen zu können.“ Natalie Kirchbaumer, Gründerin von „meine ernte“, führt fort: „Die Selbsterntegärten in Bonn werden sehr gut angenommen und waren nach kürzester Zeit ausgebucht“.

Auch andere Städte integrieren das Thema Urban Gardening in ihre Grünflächenplanung. So hat die Stadt Hamburg eine eigene Position eingerichtet, welche die Bürger über verschiedene Aktivitäten informiert. Hannover hat ebenfalls gemeinsam mit der Initiative Transition Town ein Mitmach-Projekt in Laatzen eingerichtet und plant weitere Flächen zur Verfügung zu stellen.

 Natalie Kirchbaumer

Weitere Informationen zum Thema Urban Gardening: Meine Ernte, Natalie Kirchbaumer, Wörthstr. 54, 53177 Bonn, Internet: www.meine-ernte.de

 

Foto: Meine Ernte