Notfallpädagogische Krisenintervention in Nepal

Das schwere Erdbeben vom 25. April hat Nepal Tod und Zerstörung gebracht. Eine Erfahrung, die vor allem bei Kindern tiefe seelische Spuren hinterlässt. Um diese traumatisierten Kinder in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen, reiste ein notfallpädagogisches Team der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. nach Nepal.

„Eine solche Katastrophe erschüttert das kindliche Weltbild und kann posttraumatische Belastungsreaktionen auslösen“ erklärt Bernd Ruf, Einsatzleiter und Geschäftsführender Vorstand der Freunde der Erziehungskunst. „Das Kind verliert buchstäblich den Boden unter den Füßen und das Vertrauen in die Stabilität. Plötzlich muss es Angst, Verletzung, Tod und die Zerstörung seines Umfelds verarbeiten. Mit notfallpädagogischen Methoden können wir diese Kinder stabilisieren und so Traumafolgestörungen vermeiden.“

Die notfallpädagogische Krisenintervention findet In Kooperation mit „Aktion Deutschland Hilft“ und dem langjährigen regionalen Partner „Shanti“ statt. Die „Shanti“ Leprahilfe betreibt nicht nur eine Krankenstation in Kathmandu sondern auch eine inklusive Waldorfschule mit Kindergarten in Budhanilkhanta. Ein Ort, an dem Kinder mit und ohne Behinderung zusammen lernen und spielen konnten. Bis das Erdbeben auch „Shanti“ traf: Die Schule wurde vollkommen zerstört und die Krankenstation betreut seither vor allem Verletzte, die in regulären Krankenhäusern keinen Platz mehr finden.

Auf diesen Strukturen baut das notfallpädagogische Team auf: Auf dem Gelände der Schule und in den bestehenden Räumlichkeiten von „Shanti“ in Kathmandu sollen Kinder jeden Alters notfallpädagogisch betreut werden. Auch die Lehrer und Volontäre, die in der Einrichtung arbeiten, sind von den Ereignissen betroffen, und traumatisiert und brauchen Unterstützung. In Workshops und Fortbildungen bekommen sie die Möglichkeit, die Grundlagen der Psychotraumatologie und Notfallpädagogik zu erlernen, so dass sie die Methoden später selbstständig anwenden können.

Für Eltern, die in einer solchen Ausnahmesituation häufig mit den traumabedingten Verhaltensänderungen ihrer Kinder überfordert sind, werden Beratungen angeboten. Ein tieferes Verständnis für die posttraumatischen Reaktionen ihrer Kinder kann ihnen zu einem neuen Zugang zu deren Innenleben verhelfen.

Das ehrenamtliche notfallpädagogische Team besteht aus zwölf erfahrenen PädagogInnen und TherapeutInnen. Viele von Ihnen haben bereits langjährige Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Kindern nach Katastrophe oder humanitären Krisen. Ein Arzt begleitet das Team.

Pädagogische Erste Hilfe nach der Katastrophe

Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst basiert auf waldorfpädagogischen Methoden und verwandten Therapieformen. Ein rhythmisch gestalteter Tagesablauf, geregelte Essens- und Schlafenszeiten, Ruhe- und Aktionsphasen sollen den Kindern und Jugendlichen einen neuen Orientierungsrahmen, Sicherheit und Halt geben. Durch die Anregung der Selbstheilungskräfte der Betroffenen wird der Verarbeitungsprozess gefördert und unterstützt. Mit erlebnispädagogischen Übungen soll das Vertrauen in sich selbst und seine Mitmenschen gestärkt werden. In den kunst- und erlebnispädagogischen Kursen haben betroffene Kinder die Möglichkeit den traumatischen Erlebnissen neue, schöne Erfahrungen entgegenzusetzen. Bewegungs- und Klatschspiele bringen Freude, lösen innere Erstarrungen und unterstützen die körperliche Koordination. Im Rahmen zahlreicher Einsätze weltweit konnte bereits vielen Kindern geholfen werden, ihre traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und sogenannte Trauma-Folgestörungen zu mildern.

Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.