Ohne Kühe kein Humusaufbau

Woran erkennt man die Qualität des Bodens? Diplom-Agraringenieurin Meike Oltmanns vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise in Darmstadt beschäftigt sich intensiv mit dieser wertvollsten Ressource der Bauern. Mit ihrer Forschungsarbeit bestätigt sie, dass eine Landwirtschaft ohne Kühe keinen Humusaufbau erreichen kann.

+B6_5 (c) demeter.psd
Kühe sind wichtiger Lieferant für den Humusaufbau.

Meike Oltmanns verweist auf wissenschaftliche Erkenntnis und sagt: „Hohe Humusgehalte, rege Tätigkeit von Mikroorganismen und Regenwürmern und intensive Umbau- und Aufbauprozesse sind insgesamt Ausdruck eines belebten und fruchtbaren Bodens.“ Die 41jährige Forscherin hat gerade ihre Untersuchung abgeschlossen, die Antworten auf die Frage geben soll, wie viel Tiere die Landwirtschaft braucht, um nachhaltig fruchtbaren Boden zu gewährleisten. Dafür spielt der Humusaufbau die entscheidende Rolle. Der Humusgehalt des Bodens ist Resultat und Spiegelbild der Betriebsform insgesamt. Er entwickelt sich im Zusammenwirken mit dem Standort. Für seine Entwicklung nimmt die Düngung zweifellos eine Schlüsselrolle ein.

Oltmanns Studien beweisen und das ist wissenschaftlich anerkannt: Der Ökolandbau speichert mehr Humus als der konventionelle Landbau. Ein vielfältiger Gemischtbetrieb schneidet besser ab als der spezialisierte Marktfruchtbetrieb, der zum Beispiel im großen Stil Möhren erzeugt und keine Tiere hält. Und ganz klar zeigte sich: Rindermist in Kombination mit Kleegras-Anbau in der Fruchtfolge ist für die Bodenfruchtbarkeit am besten. Werden dabei noch die Biodynamischen Präparate wie bei Demeter üblich eingesetzt, steigt der Humuszuwachs noch einmal deutlich.

Öko-Landbau: Humus dient als CO2-Speicher

Welche Bedeutung und Funktionen hat Humus? Er ist Speicher und Transformator von Nährstoffen. Er fördert die bodenbiologische Aktivität, den mikrobiellen Umsatz und die Besiedlung durch Bodenfauna. Durch die Tätigkeit der Bodenlebewesen kommt es zu so genannten phytosanitären Wirkungen, also zur Unterdrückung von bodenbürtigen Schaderregern der Kulturpflanzen. Er sichert den Aufbau eines günstigen Bodengefüges, erhöht die Wasserspeicherung und ermöglicht beste Durchwurzelbarkeit. Nicht zuletzt ist Humus Speicher für CO2 und deshalb klimarelevant.

Meike Oltmanns Untersuchungen auf konventionellen, organischen und biodynamischen Bauernhöfen zeigt die optimale Wirkung von Stallmist und Kleegras auf den Humusgehalt. Den höchsten Humuszuwachs erreicht der Betrieb, der Stallmist als Dünger einsetzt - am besten angerottet oder kompostiert, ein Drittel Kleegras anbaut und biodynamisch wirtschaftet. Gar keinen Humuszuwachs sondern einen Humusschwund verzeichnet der Bauer, der auf organische Düngung komplett verzichtet. Demeter ist der einzige ökologische Anbauverband, der für seine landwirtschaftlichen Betriebe die Tierhaltung, bevorzugt Wiederkäuer wie Kühe, obligatorisch vorschreibt.

Renée Herrnkind

Erschienen in: Demeter-Journal, Sommer 2013

Foto: Demeter