Waldorfschule Emmendingen

Jakob Muth-Preis für inklusive Schule

Wie kann Inklusion so gelingen, dass alle Kinder einer Klasse davon profitieren? Dies zeigen die vier Gewinner des Jakob-Muth-Preises, der am 27. Mai 2015 in Bremen verliehen wurde. Einer der diesjährigen Gewinner ist die Waldorfschule Emmendingen, an der seit fast 20 Jahren Kinder mit und ohne Behinderung unter dem Motto lernen: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Bis heute ist sie die einzige staatlich anerkannte integrative Schule in Baden-Württemberg.

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Inklusion an der Waldorfschule Emmendingen

Die Waldorfschule, die zurzeit 280 SchülerInnen in den Klassen eins bis zwölf besuchen, darunter 40 SchülerInnen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten (geistige Entwicklung, körperlich-motorische Entwicklung und emotional-soziale Entwicklung) überzeugte die Jury mit ihrem inklusiven Konzept. „Der gleichberechtigte Fokus auf künstlerisches, kognitives und praktisches Lernen bietet eine besonders gute Voraussetzung für das gemeinsame Lernen aller Kinder und Jugendlichen“ heißt es in der Presseerklärung der Bertelsmann Stiftung dazu.

Wie an Waldorfschulen üblich, führen die KlassenlehrerInnen ihre Klasse acht Schuljahre lang, hier jedoch im Team gemeinsam mit HeilpädagogInnen, während die Klassen 9 bis 12 vom Oberstufenteam betreut werden. Die intensiven Beziehungen zueinander schaffen ein besonderes Vertrauen. Dadurch gelingt es, auch gemeinsam durch die Jahre der Pubertät zu kommen, in denen sonst Integration und Inklusion oft an ihre Grenzen stoßen.

Insgesamt lernen die SchülerInnen 12 Jahre zusammen, von der ersten Klasse bis zum Waldorfabschluss. Im 12. Schuljahr gibt es außerdem die Möglichkeit, den Realschulabschluss abzulegen. Im Anschluss an das 12. Schuljahr kann in einem 13. Schuljahr in Kooperation mit einer benachbarten Waldorfschule das Abitur erworben werden.

In der Waldorfschule Emmendingen ist spürbar, dass es um eine gemeinsame Sache von SchülerInnen, PädagogInnen und Eltern geht. Die gemeinsam verbrachte Zeit schafft Erfahrungen, die gerade da wichtig sind, wo Gesellschaft inklusiv werden möchte es sind Erfahrungen von Vielfalt und von Schwierigkeiten und davon, wie es gelingen kann, mit ihnen umzugehen. Ein Schüler der Oberstufe fasst zusammen: „Irgendwie bin ich stolz darauf, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Freunde zu haben, die ›anders‹ sind, aber eben doch vertraut. Das ist mehr wert, als mancherlei Lernstoff! Ich weiß, dass ich mit Menschen mit Behinderung leben und wie ich mich verhalten kann. Ich glaube, dass das sehr prägend ist.“

Mit der Preisvergabe wollen die Projektträger die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Verena Bentele, die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche UNESCO-Kommission zeigen, dass trotz unzureichender Rahmenbedingungen viele Schulen in Deutschland auf hohem Niveau inklusiv arbeiten und so zur Nachahmung anregen. Die Einzelschulen erhalten ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro; der Schulverbund bekommt 5.000 Euro. Für den Jakob Muth-Preis hatten sich in diesem Jahr 60 Schulen und 5 Schulverbünde beworben.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Fotos: Charlotte Fischer