„Hysterikon“

Das Theaterprojekt der Klasse 12A

Der Name des Stückes klingt wie der eines fremden Planets, mit dieser Erwartung setzte ich mich in die Zuschauerreihen. Die Überraschung ließ nicht lange auf sich warten: Hysterikon war kein fremder Planet, vielmehr eine bedrohlich wahr gewordene Utopie.

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Frigitte in der Tiefkuehltruhe

Konsum, Gier, Selbstaufgabe: Themen die aktueller sind denn je. Schon Goethe sprach seinem Faust die Dummheit zu, seine Seele zu verkaufen. Bewusst entschied er sich zum Tausch. Heute ist es anders, die Seele wird einem Stück für Stück geraubt, schleichend, mit dem hinterhältigen angenehmen Gefühl der Gemeinschaft, des Erfolges, der Anerkennung. Warum nicht seinen langjährigen Freund gegen ein neues Bein tauschen? Oder das Sexleben gegen sein schlechtes Gewissen? Profitieren ja alle davon! Was bin ich mir wert? Habe ich überhaupt noch Werte? Habe ich mich selbst so aufgegeben, dass ich noch Mensch bin? Oder nur Hülle? Mit diesen Fragen muss sich der Zuschauer von Hysterikon konfrontieren lassen.

Sehr eindrücklich haben die Schüler der 12A gezeigt, was passiert, wenn wir das, was den Menschen ausmacht, nicht zu schützen lernen.

Am Ende bleibt sonst nur noch – ein Scheissetütchen!

Ich danke für die phantastische Inszenierung und den Mut, ein solches Stück in einer Waldorfschule aufzuführen. Wie erreicht man unsere Kinder heute? Herr Sommerlad hat es gezeigt: durch eine direkte Konfrontation. Die Komfortzone zu verlassen ist eine gute Möglichkeit einen jungen Menschen innerlich zu erreichen. Die Selbstreflexion beginnt nicht nur beim Darstellenden, sondern berührt auch den, der es „konsumiert“, den, der arglos in den Reihen sitzt und sich auf einen oberflächlichen Abend freut.

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Das Leben ist ein Supermarkt

Der Zuschauer geht mit dem bangen Gefühl einer Frage nach Hause: „Wie determiniert bin ich wirklich?!“ Technik, Medien, Marken, Werbung, eine Verflechtung von Eindrücken und Manipulationen, die uns überfordert. Es sind WIR, die eine Lösung finden müssen, nicht die Technik, die Werbung oder gar die Kinder. In der Suchtberatung (und viele Kinder sind süchtig) wird sehr viel Wert auf Gegenpole gelegt. Den Kindern Alternativen zu bieten, die Erfolge nach sich ziehen. Diese Endorphin Ausschüttungen überlagern das Empfinden, sich über Äußerlichkeiten zu definieren. Für die 12. Klasse in zweierlei Hinsicht ein Erfolg: eine reale Aufführung, eine reale Anstrengung gemeinsam zu proben und sich auf den anderen einzustellen, sich zurück zu nehmen, sich zu konzentrieren, um gleichzeitig mit der Sinnhaftigkeit dessen konfrontiert zu werden, was den Mensch ausmacht.

„ Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windräder“. In diesem Sinne ziehe ich meinen Hut vor Herrn Sommerlad und den Schülern. Ein brillantes Projekt!

Aurea Verebes, ehemalige Schülerin

Fotos: Bernd Eidenmueller.