Waldorfschule Schwerin hat jetzt eine „Lehrerin des Jahres“

Unter den neun Pädagogen, die sich in Mecklenburg-Vorpommern jetzt „Lehrer des Jahres“ nennen dürfen, ist auch eine Waldorflehrerin. Juliane Schwarte (64), Klassenlehrerin an der Freien Waldorfschule Schwerin, wurde von Ministerpräsident Erwin Sellering und Bildungsstaatssekretär Sebastian Schröder mit dem Titel ausgezeichnet.

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Lehrerin des Jahres Juliane Schwarte

Die Ehrung wird an Pädagogen vergeben, die sich durch „herausragendes pädagogisches Engagement und Einsatz weit über das dienstliche Maß hinaus“ verdient gemacht haben, schreibt das Bildungsministerium. Vorschläge einreichen können Lehrerkollegen, Eltern und Schüler. In dem Preis sieht die Landesregierung auch eine Möglichkeit, das Ansehen des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit zu steigern.

Für Juliane Schwarte war die Auszeichnung eine Überraschung: „Eines Tages kam ein Schüler zu mir und zeigte mir etwas, was er über mich geschrieben hatte. Das wolle er als Vorschlag für den Lehrerpreis einreichen, wenn ich damit grundsätzlich einverstanden sei. Ich wollte ihn nicht enttäuschen, denn er hatte sich mit dem, was er geschrieben hatte, soviel Mühe gemacht. Also erklärte ich mich mit der Teilnahme an diesem Wettbewerb einverstanden, konnte mir aber gar nicht vorstellen, damit Erfolg zu haben.“ Eltern haben sich diesem Schülervotum auch angeschlossen und letztlich hat eine unabhängige Jury unter den eingegangenen Vorschlägen eine Auswahl getroffen.

„Als dann Bildungsminister Mathias Brodkorb Ende Januar am Telefon war und mir persönlich mitteilte, dass ich zur Lehrerin des Jahres gewählt worden bin, war ich zunächst sprachlos“, berichtet die Waldorflehrerin. „Frau Schwarte kommt täglich mit guter Laune in den Klassenraum“, hatte der Schüler u. a. in seiner Laudatio für die Lehrerin geschrieben und vor allem ihren Einsatz für lernstarke wie lernschwache Mitschüler gleichermaßen gelobt. Juliane Schwarte freut sich über die Auszeichnung, die die Wertschätzung von Schülern und Eltern zum Ausdruck bringt. Aber am liebsten würde sie den Preis an das ganze Kollegium verteilt sehen: „Wir sind ein Team, eigentlich hätten alle Kollegen zusammen den Preis verdient.“

Juliane Schwarte ist seit 34 Jahren Waldorflehrerin, zuvor war sie sechs Jahre an verschiedenen Schulformen im staatlichen Schulwesen tätig. Von ihrer Ausbildung her ist sie Grund- und Hauptschullehrerin. Die Ausbildung zur Waldorflehrerin hat sie berufsbegleitend gemacht. Den Wechsel an die Waldorfschule hat sie nie bereut: „Die Sinnhaftigkeit des Waldorflehrplans hat mich direkt überzeugt. Er traf das, was ich als Lehrerin wollte, warum ich diesen Beruf gewählt hatte.“

Sie schätzt vor allem die große Gestaltungsfreiheit, die Lehrer an Waldorfschulen haben und die Möglichkeiten, die die Waldorfschule bietet: „Es begeistert mich immer wieder, wie treffend die Anregungen des Lehrplans die Bedürfnisse der jeweiligen Altersstufe ansprechen. Der Lehrplan und seine menschenkundliche Grundlegung sind ein großes, zukunftsweisendes Geschenk von Rudolf Steiner“.

Zurzeit betreut Juliane Schwarte die 6. Klasse an der Waldorfschule Schwerin. Es ist ihr vierter und auch ihr letzter Durchgang als Klassenlehrerin. In Schwerin geht die Klassenlehrerzeit bis zum Ende der 6. Klasse.

Bevor sie nach Schwerin kam, war sie Klassenlehrerin an der Rudolf Steiner Schule Siegen und nach einem staatlich anerkannten heilpädagogischen Zusatzstudium am Institut für Waldorfpädagogik in Witten Annen Lehrerin in der Oberstufe der Johanna-Ruß-Schule, einer heilpädagogischen Schule in Siegen, die sie mit aufgebaut hat. Diese Zusatzausbildung kommt ihr auch jetzt an einer „normalen“ Waldorfschule zugute.

„In unseren Waldorfklassen hatten wir immer schon Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Da waren wir den staatlichen Schulen, die so sehr auf leistungsbezogene Selektion setzten, einen Schritt voraus. Wir praktizierten Inklusion, als noch niemand davon sprach.“ Die komplette Schließung der Sonderschulen in einigen Bundesländern sieht sie allerdings kritisch: „Es gibt immer Kinder mit sehr speziellen Lernbedürfnissen und Entwicklungswegen. Sie brauchen andere Lernformen, andere Schwerpunkte und andere Tätigkeiten im schulischen Zusammenhang. Wenn sie sich als wirksam erleben sollen, müssen wir sie ganz individuell da abholen, wo sie stehen“. Wenn Schüler dauerhaft unter- oder überfordert würden, entstehe problematisches Verhalten. Das gelte für alle Schüler gleichermaßen. Der Unterricht müsse sie in ihrer Individualität ansprechen. Für die Schüler der heilpädagogischen Waldorfschule sei das zum Beispiel ein breites Angebot an verschiedenen Werkstätten in der Oberstufe gewesen.“

Die Ehrung durch den Kultusminister erreicht Juliane Schwarte kurz vor ihrer Pensionierung. Für die Zeit nach dem Berufsleben hat sie viele Ideen, aber noch keine Pläne außer, mehr für die Familie und die vier Enkelkinder da zu sein.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Foto: Bund der Freien Waldorfschulen e.V.