Zurück im Nordirak:

Notfallpädagogik an Flüchtlingsschulen

Ende März hat ein notfallpä-dagogisches Team der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners erneut traumatisierte Kinder und Jugendliche in Flüchtlingslagern im Nordirak besucht. In vier UNICEF Schulen konnten 1300 Kinder in der Verarbeitung ihrer schrecklichen Erlebnisse unterstützt und Lehrerkräfte im Umgang mit traumatisierten Kindern geschult werden.

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Erlebnispädagogik - Foto: © Freunde der Erziehungskunst/Sonja Werner

Seit dem letzten notfallpädagogischen Einsatz der Freunde der Erziehungskunst im Nordirak im September hat sich vieles verändert. Die Flüchtlinge, die Großteils in Rohbauten und auf freiem Feld campieren mussten, haben nun in den neu errichteten Lagern Zuflucht gefunden. Seit Februar hat UNICEF mehrere Schulzelte errichtet, so dass die Flüchtlingskinder wieder eine Schule besuchen können. In zwei Flüchtlingslagern hat ein notfallpädagogisches Team von 6. bis 20. März vier dieser Schulen unterstützt. Sie arbeiten unter schwierigen Bedingungen: viele der Schulzelte haben weder Tische noch Stühle, in einigen Schulen kommen auf 1200 SchülerInnen nur 3 Lehrkräfte und viele der SchülerInnen sind schwer traumatisiert. Die traumabedingten Verhaltensänderungen der Kinder sind überall sichtbar, viele legen aggressives Verhalten an den Tag.

Um diese Kinder in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen, wurden verschiedene Angebote gestaltet: Erlebnispädagogik und Bewegungsübungen geben den Kindern ihr Vertrauen in sich selbst und ihre Umwelt zurück und lösen innere Blockaden. Kunsttherapie bietet non verbale Möglichkeiten Erlebtes auszudrücken und zu verarbeiten. Insgesamt konnten ca. 1200 Kinder mit verschiedenen Workshops erreicht und ihnen etwas Freude zurück gegeben werden.

Das Lachen der Kinder, die bunte Tücher, Farben und Bälle zeigen ein Bild der Hoffnung im grauen Umfeld der Flüchtlingslager.

Um nachhaltige notfallpädagogische Strukturen zu eta-blieren wurden parallel dazu 39 LehrerInnen in Psychotraumatologie und den Methoden der Notfallpädagogik geschult. Die meisten Lehrkräfte sind selbst Flüchtlinge und traumatisiert. Die Fortbildung kann sie darin unterstützen, mit ihren eigenen und mit den Traumatisierungen der Kinder besser umzugehen.

Auch viele Erwachsenen sind schwer traumatisiert. Elternberatung und psycho-soziale Hilfe vor allem für Frauen sind ein weiterer wichtiger Baustein der Arbeit der Freunde der Erziehungskunst im Nordirak. In Zusammenarbeit mit einer lokalen NGO konnten Frauengruppen aufgebaut werden, die den Frauen die Gelegenheit bieten, über ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen und sich auszutauschen. Für diejenigen, die durch ihre Erlebnisse während Vertreibung und Flucht schwer traumatisiert sind, wurden Einzelgespräche mit einer erfahrenen Psychotherapeutin angeboten.

Die Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst ist bereits seit 2013 in der autonomen Region Kurdistan im Irak tätig. Im Rahmen der Einsätze konnte bereits vielen Kindern geholfen werden ihre traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und sogenannte Trauma-Folgestörungen zu mildern.

Clara Krug

 

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Stichwort:

„Notfallpädagogik“