Gesellschaftliche Anerkennung

Förderpreis für Biodynamische Getreidezüchtung Darzau

Karl-Josef Müller gehört zu den Pionieren der Getreidezüchtung. Seit über 20 Jahren forscht er mit seinem Team im Wendland an Gerste, Weizen, Hafer, Roggen und seit einigen Jahren auch an Erbsen. Züchtung und Forschung kommen hier zusammen. Die Ergebnisse sind anerkannt bei Bauern und Genießern - und nun durch die Verleihung des Förderpreises Ökologischer Landbau sogar bei Politik und Gesellschaft.

Die Biodynamische Wirtschaftsweise setzt gerade auch in der Züchtung Maßstäbe für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Das unterstreicht die Verleihung des Förderpreises Ökologischer Landbau an den Demeter-Getreidezüchter Karl-Josef Müller. Zum ersten Mal hat die eigenständige ökologische Züchtungsarbeit im Getreidebereich solch breite Anerkennung erfahren. Als erster Bio-Verband hat Demeter Richtlinien für Pflanzenzüchtung entwickelt und zertifiziert biodynamisch gezüchtete Sorten bei Getreide und Gemüse. Sie garantieren höchste Nahrungsqualität, besten Geschmack und Unabhängigkeit von Saatgutkonzernen.

Den in Darzau gezüchteten Lichtkornroggen und Goldblumenweizen, Speisegerste Pirona und die Einkornsorten Terzino bauen Landwirte an, Bäcker verarbeiten sie zu bekömmlichen Backwaren. „Sorten für den Ökolandbau sollten unter ökologischen Bedingungen entwickelt werden“, ist Karl-Josef Müller überzeugt. Ein besonderer Schwerpunkt in seiner Züchtung ist die Untersuchung der Bildekräfte, um die Qualitäten der Sorten zu erkennen. So kann die entwickelte Sorte dazu beitragen, aus biodynamischer Bewirtschaftung das Beste zu machen und dem Menschen förderliche Lebensmittel bereit zustellen.

„Qualität, die ich mir gern einverleibe“

Für Müller gilt: „Nahrungspflanzen brauchen eine Qualität, die ich mir im wahren Sinne des Wortes gerne ‚einverleibe‘. Ihre Wirkung soll den Menschen in seinem selbst bestimmten und auf eigenen Urteilen gegründeten Handeln unterstützen. Und wenn ich esse, sollte mich das beleben.“ So denkt der engagierte Demeter-Züchter über die rein analytische Zusammensetzung hinaus und hinein in die Beschaffenheit der mit einem Nahrungsmittel verbundenen Lebenskräfte, die sich nicht zuletzt aus den Anbaubedingungen, Zuchtmethoden und Selektionsentscheidungen ergeben und mit der Biodynamischen Wirtschaftsweise besonders gefördert werden.

Saatgut als Kulturgut erhalten

Getreidezüchtungen aus Darzau begegnen den Bio-Kunden als Einkorn in Keksen, Brot, Nudeln und Bulgur, Speisegerste in Tsampa (Gerstenmehl), Lichtkornroggen als Brot, Mehl und Korn, Goldblumenweizen wird gern zur Qualitätsverbesserung von Mehlmischungen verwendet.

Die Zahl der biodynamisch gezüchteten Getreidesorten wächst. Qualität von Anfang an durch optimal an Demeter-Bedingungen angepasstes Saatgut ist den Pionieren des Ökolandbaus wichtig. Inzwischen sind fast 20 dieser Sorten bereits Demeter-zertifiziert. Sie punkten dank der gezielten Selektion nach Vitalität, Aroma und Bekömmlichkeit, der höchsten Reifequalität, ihrer Geschmacksvielfalt dank regional angepasster Sorten und einer harmonischen Entwicklung im Kräftefeld von Erde und Kosmos, die durch die Biodynamischen Präparate ermöglicht wird. Biodynamische Züchtung steht für die Wahrung der Integrität der Pflanze und hat damit eine gesellschaftspolitische Dimension. Gerade angesichts zunehmend intransparenter und fragwürdiger Methoden zur Sortenentwicklung in den Laboren von Agrarkonzernen gelte es, fruchtbare Pflanzen, die ihre guten Eigenschaften weiter vererben können, zu fördern. So bleibt Saatgut Kulturgut und verkommt nicht zum reinen Wirtschaftsfaktor.

Weitere Informationen: www.darzau.de

Erschienen in: Demeter Journal Nr. 22, Sommer 2014