18.4.

Wie klingt der Isenheimer Altar?

„Wie klingt ein Altarbild?“ Diese Frage stellte sich der Komponist Paul Hindemith am Beginn seiner Arbeit zu ‚Mathis der Maler’. Auch die Hindemith-Expertin Dr. Luitgard Schader ging dieser Frage intensiv nach. In ihrem Vortrag zeigt sie mit Bildern des Isenheimer Altars und Musikeinspielungen der Symphonie ‚Mathis der Maler’ eindrucksvoll auf, wie dem bedeutenden Komponisten der Moderne die Übertragung der Bilder in Musik schließlich gelang.

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Dr. Luitgard Schader, Hindemith Institut Frankfurt

„Für seine Oper wählte Hindemith als zentrale Figur Mathias Grünewald, den Maler. Nach intensiver Recherche erstellte er selbst das Libretto zu seiner abendfüllenden Oper ‚Mathis der Maler’, die zu den Hauptwerken Paul Hindemiths zählt.

Für die Vor- und Zwischenspiele der Oper wählte Hindemith einzelne Bilder des Isenheimer Altars zur Vorlage. Diese instrumentalen Teile der Oper fasste der Komponist zu einer Symphonie zusammen. Die Bezeichnungen der drei Sätze entsprechen den Themen der einzelnen Tafeln des Altars: 1. Engelkonzert, 2. Grablegung, 3. Die Versuchung des Heiligen Antonius.“

Paul Hindemith (1885-1963) geboren in Hanau, zählt zu den bedeutenden Musikern des 20. Jahrhunderts. In den 1920er und 1930er Jahren wurde er als Bratscher gefeiert, seine Kompositionen standen auf den Programmen der großen Konzerthäuser im In- und Ausland.

Wilhelm Furtwängler, der Dirigent der Berliner Philharmoniker hatte ihn anlässlich deren 50jährigen Bestehens gebeten, als Vertreter der jungen deutschen Komponisten-Generation ein Werk für das Jubiläumsprogramm zu schreiben. Furtwängler war es dann auch, der 1934 die Uraufführung der Symphonie ‚Mathis der Maler’ in Berlin leitet.

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Paul Hindemith mit Bratsche (1937) Mit freundlicher Genehmigung der Fondation Hindemith, Blonay (CH)

1938 fand Hindemith Exil in der Schweiz, von dort ging er 1940 in die Vereinigten Staaten, wo er an der renommierten Yale University in New Haven eine Professur erhielt. Ab 1953 lebte Hindemith in der Schweiz. Während einer Konzertreise verstarb er 1963 in Frankfurt am Main.

Paul Hindemith hinterließ einen umfangreichen Nachlass, der zu den wichtigsten Quellen zur Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt. Er wird im Hindemith Institut Frankfurt aufbewahrt und dort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist das Zentrum der Hindemith- Forschung und Editionssitz der historisch-kritischen Gesamtausgabe seiner Werke.

Ingeborg Urban-Weber

Dr. Luitgard Schader, geb. 1961, ist seit 1986 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hindemith Institut Frankfurt tätig (Schwerpunkt: Gesamtausgabe) und seit 2005 gemeinsam mit Giselher Schubert Editionsleiterin der Hindemith-Gesamtausgabe.

Wörtliche Zitate: Dr. Luitgard Schader, Hindemith Institut Frankfurt

Samstag, 18.4.2015, 19 Uhr, Wie klingt der Isenheimer Altar? Vortrag von Dr. Luitgard Schader, Editionsleiterin der Hindemith-Gesamtausgabe zu Paul Hindemiths Sinfonie ‚Mathis der Maler’. Ort: Heydenmühle, Außerhalb Lengfeld 3, 64853 Otzberg

Fotos: © Heydenmühle