Für mehr Bio in Europa!

Nein zur Totalrevision der EU-ÖKO-Verordnung

„...Eine Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung hat positive Auswirkungen auf eine saubere Trinkwasserqualität, auf die Artenvielfalt, auf den Klima- und Tierschutz.“

Organisationen der Bio-Branche rufen mit „Nürnberger Erklärung“ den EUAgrarkommissar Phil Hogan dazu auf, die Kommissionsvorschläge zu einer Totalrevision der EU-Öko-Verordnung zurückzuziehen.

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Die europäischen Bürger wollen mehr Bio. Dazu brauchen wir mehr Bio-Bauern und Bio-Verarbeiter, die Bio-Produkte erzeugen. Doch statt diese Entwicklung zu unterstützen, hat die EU-Kommission im März letzten Jahres eine Totalrevision der EU-Öko-Verordnung vorgelegt, die den bisherigen Ökolandbau und die BioLebensmittelwirtschaft in Europa massiv in Frage stellt. Europaweit werden dadurch Wachstum und Beschäftigung im Bio-Bereich gefährdet. Die Organisationen der Bio-Branche rufen daher gemeinsam mit ihren Unterstützern dazu auf: Herr Agrarkommissar Hogan, der Kommissions-Vorschlag zur Totalrevision der EU-Öko-Verordnung muss vom Tisch!

Die EU-Kommission stellt selbst fest: Öko-Landbau und Bio-Lebensmittelwirtschaft in Europa würden durch die Totalrevision schrumpfen. „Bio-Lebensmittel erfahren nicht nur in ihrem Stammland Baden-Württemberg sondern in ganz Europa zunehmenden Zuspruch bei den Verbrauchern“, erläutert der Geschäftsführer der AÖL Dr. Christian Eichert. „Um diesem anhaltenden Verbraucherwunsch gerecht zu werden suchen wir Tag für Tag neue Betriebe, die nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaus produzieren. Eine Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung hat positive Auswirkungen auf eine saubere Trinkwasserqualität, auf die Artenvielfalt, auf den Klima- und Tierschutz. In vielen Ländern in Europa erfahren wir dafür Unterstützung. Jetzt droht die EUKommission diese positive Entwicklung mit einer Vollbremsung zu stoppen.“

Die seitens der EU-Kommission vorgelegten Vorschläge zu einer Totalrevision der EU-Öko-Verordnung beinhalten eine Abkehr von der Prozesskontrolle, welche die vielfältigen gesellschaftlichen Leistungen des Ökolandbaus gewährleistet. Erst eine Kontrolle am Endprodukt soll das Produkt zum Bioprodukt machen. Erzeuger und Verarbeiter werden so einem völlig unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt. Keine Investitionen und fehlende Umstellung auf Ökologischen Landbau sind die Folge. Die EU-Kommission plant nun die Ökobauern für nicht sachgemäßen Einsatz von Pestiziden und Herbiziden ihrer konventionellen Nachbarn verantwortlich und haftbar zu machen. Anstatt generell die Rückstandshöchstmengen in der Landwirtschaft zu senken, gefährliche Fungizide, Herbizide und Pestizide zu verbieten und die gute fachliche Praxis zu verbessern, sollen Ökolandwirte nun für die Schäden anderer bezahlen. Also diejenigen, die gefährliche Pestizide gar nicht anwenden. „So stellt man das Verursacherprinzip auf den Kopf“, so Dr. Eichert weiter.

Sollte es zur Umsetzung der vorgelegten Pläne kommen rechnet Dr. Eichert alleine für Baden-Württemberg mit einem Rückgang von gut einem Drittel der heute okologisch vorbildlich bewirtschafteten Fläche. „Damit es nicht zum Genickbruch für die Ökologische Erzeugung in Europa kommt rufen wir die Landwirte, Unternehmen und Partnerorganisationen auf sich klar für ein Nein zur Totalrevision der EU-Öko-Verordnung auszusprechen“ so Dr. Eichert.

Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.

Dr. Christian Eichert