Konferenz für die Würde der Tiere 

700 Landwirte, Produzenten und Händler aus 37 Nationen kamen zur internationalen Jahreskonferenz der biologisch-dynamischen Bewegung ‹Wie gehen wir würdig mit den Tieren in die Zukunft?› ans Goetheanum. Von 4. bis 7. Februar ging es um eine ethisch und ökonomisch tragfähige Tierhaltung.

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Goetheanum-Gärtner Benno Otter während der Vertreterkreissitzung im Anschluss an die Jahrestagung.

In der industriellen Massentierhaltung wird das Tier zum Objekt und verliert seine Würde. Das bringt die Nutztierhaltung prinzipiell in Verruf. Für eine ganzheitliche Landwirtschaft dürfen aber Schwein, Rind und Huhn auf dem Hof nicht fehlen. Eine wesensgemäße Tierhaltung bedeutet, das Tier in seiner Einseitigkeit und Vollkommenheit zu verstehen. Tiere rühren Gefühl und Mitgefühl, aber erst ein geschultes Empfindungsvermögen vermag ohne Sentimentalität zu erkennen, was Kuh, Schwein oder Huhn brauchen. Anders als in der menschlichen Begegnung trifft man selbst beim Säugetier nicht auf eine eigenständige Persönlichkeit. Will man dem Tier verantwortungsvoll, das heißt ‹menschlich› begegnen, gelingt eine Partnerschaft mit dem Tier erst, wenn man dabei auch sich selbst kennenlernt. Eine Landwirtin: «Der Mensch zähmt die Tiere, und die Tiere zähmen uns Menschen.» 

Die Ethik des Schlachtens wurde zu einer der zentralen Fragen. Die Teilnehmenden waren sich darin einig, dass Geburt und Tod der Tiere möglichst nah am Hof geschehen sollten und die Tiere nicht einer Maschinerie übergeben werden, sondern ihre Halterin, ihren Halter an ihrer Seite wissen. Devon Strong, Farmer aus Kalifornien, regte an in Anlehnung an traditionelle kultur- und religionspezifische Rituale zeitgemäße Formen des ‹Abschieds› zu finden. Zu den Entdeckungen einer spirituell orientierten Tierhaltung gehört, dass Schlachten in Respekt vor dem Wesen des Tieres sowohl für die menschliche als auch für die tierische Würde Bedeutung hat. 

Eine wesensgemäße Tierhaltung verlangt hohen Arbeitseinsatz und bringt immer weniger wirtschaftlichen Gewinn. Für die weitere Entwicklung der biologisch-dynamischen Tierhaltung benannte die Tagung folgende Arbeitslinien: Tiere gehören in die Landwirtschaft, ihr Dung macht Kunstdünger überflüssig, nur durch sie wird eine Landschaft ‹beseelt›. Um eine nachhaltige Tierhaltung weiter auszubauen, wollen die Höfe mit den Kunden soziale Räume schaffen. Hier haben auch Gärtnereien und Parkbetreiber hohes Interesse. Die Tiere bringen somit den Menschen nicht nur zu sich selbst, sondern vermögen auch, menschliche Gemeinschaft zu initiieren. 

Wolfgang Held

Foto: Kommunikation am Goetheanum