Wer war Martinus?

Aristoteles hat einst das Denken von den in der Griechenzeit noch wirkenden imaginativen Elementen gelöst, in streng logische Begrifflichkeit gebracht und mit der Wahrnehmungswelt verbunden. Der Strom des Mysterienwissens reichte bis Platon - eine Generation vor Aristoteles. Aristoteles verwandelte dann das Mysterienwissen in Naturwissen, wenn auch noch nicht in das Naturwissen, über das wir heute verfügen.

Mehr als 2200 Jahre später war es dann die Aufgabe Rudolf Steiners, das Denken wieder so zu spiritualisieren, dass es sich erneut mit den übersinnlichen Welten verbinden kann.

Es ist jetzt ein bedeutsames und immer noch weithin unbekanntes Phänomen, dass – so wie einst eine Generation vor Aristoteles Platon auftrat und das alte Mysterienwissen an seinen Schüler Aristoteles weitergab eine Generation nach Steiner ein Däne auftrat Martinus Thomsen, genannt - Martinus, - der das Tor zu einem neuen platonischen Wissen öffnete, das weit über das hinausgeht, was sich in den alten Mysterien bis zu Platon fortgesetzt hatte und heute in den verschiedensten esoterischen Strömungen weiterlebt.

Rudolf Steiner erwartete für das Ende des vergangenen Jahrhunderts, dass bedeutende Platoniker inkarnieren und sich mit den Aristotelikern zusammenschließen, um eine neue spirituelle Kultur zu begründen. Wörtlich sagte er: “Bis dahin wird vorbereitet sein durch anthroposophische Spiritualität dasjenige, was dann aus der Gemeinsamkeit heraus verwirklicht werden soll als die völlige Offenbarung dessen, was übersinnlich durch die genannten Strömungen (Platonismus, Schule von Chartres) vorbereitet worden ist. Nur dadurch, dass eine solche Spiritualität, wie sie durch die anthroposophische Bewegung fließen will, sich vereinigt mit anderen Geistesströmungen, wird Michael diejenigen Impulse finden, die ihn mit der irdisch gewordenen Intelligenz, die eigentlich ihm gehört, wieder vereinigen werden.“

Eine solche andere, dem Inhalt nach platonische Geistesströmung kann man in der Geisteswissenschaft von Martinus sehen. Was ist das Neue, das Martinus gebracht hat?

• Martinus beschreibt das All als einen zusammenhängenden Organismus, in dem Wesen in Wesen leben. Jedes Wesen lebt dabei in dem Organismus eines Makrowesens und ist selbst das Makrowesen für die Mikrowesen seines Organismus. Mit den Wesen, die mit ihm im gleichen Makroorganismus leben, bildet jedes Wesen einen Zwischenkosmos. Wir Menschen bilden mit den Wesen, die mit uns im Makrowesen Erde leben, einen solchen Zwischenkosmos, der aus dem uns umgebenden Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich, Menschenreich und drei Reichen höherer, nicht physisch wahrnehmbarer Wesen besteht.

• Die gegenwärtige Menschheit befindet sich noch in der Repetition des Tierreiches. Dabei erreichen die fortgeschrittensten Menschen in naher Zukunft den Punkt, an dem sie in das wahre Menschenreich übergehen. Dieser Entwicklungsprozess hat bereits begonnen und ist heute schon deutlich wahrnehmbar. Der wahre Mensch wird sich der Zeit und Raumlosigkeit seines Ichs bewusst werden. In ihm ist das Christusbewusstsein auferstanden.

• Wenn der Mensch das Ziel seiner Entwicklung erreicht hat, bildet er das Verbindungsglied zwischen der physischen und der geistigen Welt. Er wird dann nicht mehr von Müttern geboren werden, hat aber noch einen physischen Leib, den er nach seinem Willen materialisieren und dematerialisieren kann. Im Kreis des bereits 85 jährigen Bernhard Löw, der früher Leiter der Anthroposophischen Gesellschaft Dänemarks gewesen war, trat Martinus das erste Mal an die Öffentlichkeit. Es war Bernhard Löw, der Martinus tatkräftig finanziell unterstützte und den ersten Band des siebenbändigen “Livets Bog” finanzierte. Das beruhte insbesondere darauf, dass Rudolf Steiner ihn in Dornach darauf aufmerksam gemacht hafte, dass in den kommenden Jahren in Dänemark ein bedeutender spiritueller Lehrer zu wirken beginnen werde, der auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein würde.

Wir wissen nicht, wie sich Steiners Leben weiterentwickelt hätte, wenn er nicht bereits mit 64 Jahren gestorben wäre. Er hatte ja mit einem längeren Leben gerechnet. Es gibt gute Gründe davon auszugehen, dass er die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft auf Martinus aufmerksam gemacht hätte, wie er Löw auf dessen zukünftiges Wirken aufmerksam gemacht hatte.