Klassik meets Moderne - von Brahms bis Hip-Hop

Oberstufenschüler der Freien Waldorfschule Erftstadt ernteten großen Beifall

Kurz vor Weihnachten war es wieder soweit! 128 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 12 zeigten, teils in der Turnhalle der Freien Waldorfschule Erftstadt, teils in der katholischen Kirche St. Barbara in Oberliblar die Ergebnisse der diesjährigen Musikprojekte. Neben dem normalen Unterrichtsprogramm hatten alle Beteiligten klassenübergreifend 16 Wochen lang dreimal wöchentlich geprobt. Der Chor und die Rhythmusgruppe fuhren sogar für eine Intensivprobenphase in eine Jugendherberge, um ihren Auftritten den letzten Schliff zu geben.

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Die Rhytmusgruppe mit einem ihren Percussion-Instrumenten.

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen wurde zunächst den Mitschülern vormittags das heiß erwartete Programm dargeboten, am nächsten Tag dann waren die Eltern, Lehrer und Freunde zum über zweistündigen vorweihnachtlichen Konzertabend eingeladen.

Los ging es auf der Bühne der Turnhalle mit Eurythmie, Bandprojekt und Rhythmusgruppe. In jeweils 20 minütigen Blöcken präsentierten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ein abwechslungsreiches Programm.

Die Aufführungen des Eurythmie-Ensembles unter der Leitung der Eurythmistin Selma Fricke standen ganz im Zeichen des 3/4 Taktes: die Schülerinnen und Schüler interpretieren Walzer von Johannes Brahms, einen Elfentanz und lyrische Ideen von Edward Grieg und Felix Mendelsohn Bartholdy. Einfühlsam wurden die fließenden Bewegungen der Schüler vom Musiklehrer Rainer Herzog am Klavier begleitet, ein Schüler-Beleuchtungsteam setzte das Bühnengeschehen ins rechte Licht.

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Farbige Plastikrohre...

Im zweiten Block brachte die siebenköpfige Band unter Anleitung von Leo Freitag Klänge der besonderen Art zu Gehör. Allein mit ihren Stimmen und Händen leiteten sie ihren Beitrag ein, lauschend und staunend folgte das Publikum dann den Darbietungen mit den Boomwackers. Mit diesen farbigen, unterschiedlich langen Plastikrohren, die auf einen Tisch geschlagen wurden, erzeugten Schülerinnen und Schüler Melodien mit eigenartiger Klangfarbe, andere begleiteten sie mit Cajons, Cello, Trompete, Posaune, Saxofon, Klavier und Bass. Zum krönenden Abschluss boten sie dann ‚Viva la vida‚ von Cold Play in einer ganz eigenen Version.

Im dritten Teil trat dann die Rhythmusgruppe auf, die eine große Batterie von Percussion-Instrumenten auf die Bühne brachten, neben selbstgebauten Cajons gab es Djemben, Craxixi, Dundunbas, Sangbans und Kenkenis. Zwei Schüler spielten gleich zu Beginn auf einer großen, koreanischen Buk, die in der Bühnenmitte stand und einen ausgesprochen voluminösen Klang erzeugte. Unter der Leitung von Klassenlehrer Hans-Georg Schmitz spielten die Schüler äußerst präzise die zum Teil recht komplizierten Rhythmen. Abwechslungsreich ging es von Hip Hop-Beats über Rhythmen aus Guinea und dem Balkan bis hin zu Eigenkompositionen. Mit donnerndem Beifall bedankte sich das Publikum für die Darbietungen in der Turnhalle.

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... erzeugen Melodien mit eigenartigen Klängen.

Nach einem kleinen Imbiss wanderte die Zuhörerschaft dann in die Kirche St. Barbara. Dort trat neben dem Chor aus über 80 Schülerinnen und Schülern auch der Eltern-Lehrer-Schüler-Chor WieWaldi auf, der das Programm mit Advents- und Winterliedern eröffnete. Natascha Kirchmann, die sowohl den großen Schülerchor als auch WieWaldi leitet, hatte mit den Schülerinnen und Schülern wieder ein anspruchsvolles Programm erarbeitet mit zur Jahreszeit passenden, weltlichen wie auch religiösen Inhalten. Ein Leckerbissen gleich zu Beginn war ‚Jabberwocky‚ von Sam Pottle, das, mit kleinen Instrumenten und Gesten garniert, die Geschichte einer Figur aus ‚Alice im Wunderland‚ erzählt. Besonderen Eindruck machte auch die Präsentation von ‚ O magnum Mysterium‚, einem 1994 entstandene Werk von Morten Lauridsen, das bekannt wurde aufgrund seines mystischen und geheimnisvollen Charakters. Stefan Bromen, der am Klavier begleitete und gewohnt souverän durch das Programm führte, gab dem interessierten Publikum immer wieder kleine Hinweise zu den Stücken aus der klassischen Chorliteratur moderner Komponisten. Hin und wieder brachte er auch kleine Übersetzungen zu den zum Teil recht skurrilen Texten. Die Zuhörer staunten über das große Klangvolumen des Chores, der sich jedes Jahr neu zusammen finden muss, da immer eine scheidende 12. Klasse durch eine neue 9. Klasse ersetzt wird. Die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche St. Barbara war von der Akustik her ideal für die Präsentationen des Oberstufen-Chores. Neben weiteren Stücken von Paul Calwell, George Gershwin und Donald Patriquin gab es zum Abschluss noch zwei Gospels, bei denen fünf Schülerinnen einen Solopart sangen. Mit lang anhaltendem Applaus und Blumen entließ das so freudig beschenkte Publikum schließlich den Chor, der sich seinerseits ebenfalls bei seiner Chorleiterin, dem Pianisten und bei der Kirchengemeinde bedankte. Die Zuhörer der beiden Konzerte machten sich erfüllt von Melodien, Bildern und Rhythmen auf den Nachhauseweg.

Alfons Thelen-Brücher

Fotos: © Freie Waldorfschule Erftstadt