Afghanistan: Solarbetriebene Wasserpumpen

Prächtige Gärten, Fruchtbäume und Einkommen

Solarpumpen und Wasserreservoirs ermöglichen auch in kargen Regionen den Anbau von Obstbäumen.

Unsere Partnerorganisation OSDC arbeitet in den zwei Provinzen Wardak und Ghazni an der Verbreitung und Nutzung regenerativer Energiegewinnungstechniken. Windräder, Solarpaneele für die Stromgewinnung, solare Butterschläger und Lampen haben sich bestens bewährt, und die Nachfrage ist sehr hoch. Einer der Gründe dafür ist die Teuerungsrate der Benzin-, Diesel-, und Gaspreise, bei zunehmender Arbeitslosigkeit und tendenziell sinkenden Einkommen.

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Herr Ezmarei jätet zwischen seinen Obstbäumen, die dank der Solarpumpe bewässert werden.

So wird die Suche nach Alternativen für die Menschen zur Überlebensfrage. Ein Beispiel: In der Region Ghazni ist der Anbau von Obst für viele Familien die einzige Einkommensquelle. Um mit dem Obstanbau zu beginnen oder aber bestehende Obstgärten auszuweiten, müssen sie zunächst drei bis vier Jahre lang Fruchtbäume bis zur Fruchtreife heranziehen. Das beinhaltet, viel Geld vor allem in die Bewässerung mit Dieselpumpen zu investieren. So auch im Fall der Familie Ezmarei. Die sechsköpfige Familie hat 130 Obstbäume auf ungefähr 1.000 Quadratmeter gepflanzt, zum größten Teil Pflaumen (109 Bäume), aber auch einige Apfel-, Birnen-, Aprikosen- und Maulbeerbäume.

Bislang nutzte Familie Ezmarei für die Bewässerung ihres Gartens einen Dieselgenerator. Während der sechsmonatigen Vegetationsperiode bewässerten sie viermal im Monat ihre Fruchtbäume. Je Bewässerungsgang schluckt der Generator sechs Liter Diesel. Ein Liter Diesel kostet im Durchschnitt 60 Afghani. Allein für Diesel muss die Familie also 8.640 Afghani ausgeben (70 Afghani entsprechen einem Euro). Einschließlich der Miet- und Reparaturkosten für den Generator wendet Familie Ezmarei etwa 12.000 Afghani jährlich für die Bewässerung auf und das mindestens drei Jahre lang bis zum ersten Ertrag.

Diesen Kosten stehen nach der Fruchtreife der Bäume die folgenden Einnahmen gegenüber: Äpfel, Birnen und Aprikosen erntet Familie Ezmarei für den eigenen Verzehr. Getrocknete Pflaumen kann sie in der Stadt sehr gut verkaufen. Jeder Baum gibt ungefähr 2,5 kg Trockenpflaumen. Pro Kilo erlöst Familie Ezmarei durchschnittlich 70 Afghani. Aus dem Ertrag der 109 Bäume kann sie mithin durchschnittlich 19.075 Afghani erwirtschaften eigentlich sehr gute Einnahmen. Allerdings bleibt das Problem der Bewässerung: Denn zusätzlich zu den Kosten für die Bewässerung in den ersten drei Jahren, muss Familie Ezmarei auch in den Folgejahren etwa 63 Prozent ihrer Erlöse in die Bewässerung ihres Gartens mit einer Dieselpumpe investieren. Nicht nur für die Familie Ezmarei sind diese Investitionen nicht tragfähig.

Nach der Beratung durch unsere Partnerorganisation OSDC und dem Aufbau einer solarbetriebenen Wasserpumpe änderte sich diese Situation grundlegend: Die Solarpumpe kann täglich etwa drei Stunden lang Wasser in ein Reservoir mit einem Fassungsvermögen von ca. 28 Kubikmeter pumpen. Innerhalb von vier bis fünf Tagen wird es so gefüllt und kann dann auf einmal geleert werden.

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Die Solarpumpe füllt dieses Wasserreservoir. Im Hintergrun die Söhne und das Haus der Familie Ezmarei.

Nachdem die Bewässerungskosten dank der Solarpumpe drastisch gesunken waren, konnte Familie Ezmarei ihre Anbaufläche auf 2.000 Quadratmeter verdoppeln. Zu ihren Obstbäumen kommt nun auch Gemüseanbau hinzu. Das Gemüse, das sie nicht selbst verbraucht, gibt sie an ihre Nachbarn weiter, mit denen auch das Wasser aus dem Reservoir geteilt wird. Die einfache technische Lösung einer Solarpumpe sichert damit Familie Ezmarei ein gutes Einkommen. Neben der Bewässerung nutzt sie die Solarenergie zum Wasserkochen für Tee, wofür sie früher teures Gas einsetzte. Für vier Stunden beleuchtet sie abends ihre Wohnung.

Der Aufbau einer solarbetriebenen Wasserpumpe kostet 2.360 Euro. Jede Pumpe kommt je nach Dorf zwischen drei und zehn Familien zugute. 20 Wasserpumpen sollen im nächsten Jahr eingerichtet werden. Ihre Spende wird aus den Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vervierfacht.

Dr. Annette Massmann

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Spendenzweck

Afghanistan: Solarpumpe

Fotos: © Sabur Achtari