Blut.Spuren Ein Fragment

EurythmieTheater

Im Mittelpunkt des neuen EurythmieTheater-Stücks von Studio B7, dass im November im Leipziger LOFFT Premiere hatte, stehen zwei griechische Dramenfiguren, zwei starke Frauen aus der Antike: Klytämnestra, Königin von Mykene, hat ihren Gemahl Agamemnon gemeinsam mit ihrem Geliebten, Aegisth, bei der Rückkehr aus den trojanischen Krieg im Bad erschlagen. Seitdem wird sie von bösen Träumen gepeinigt, denen sie mit immer neuen Opfern Herr zu werden versucht. Ihre Tochter Elektra kann den Mord am Vater weder hinnehmen noch vergessen. Sie lebt ausgestoßen im Schlosshof bei den Tieren und hütet das Mordbeil für ihren Bruder Orest, der einstmals den Vater rächen soll.

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Dramatische Polarität.

Die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Charakteren spielt in Hugo von Hofmannsthals Drama „Elektra“ (1903), das später von Richard Strauß vertont wurde, eine zentrale Rolle. In expressiver, bild- und metaphernreicher Sprache lässt er die beiden Frauen ihre Beziehung zueinander verhandeln. Der Konflikt ist nicht auflösbar gefangen in ihren jeweiligen Bestimmungen und Ideen stehen sich beide, als Verkörperung zweier Prinzipien, unversöhnbar gegenüber.

Die Entwicklung dieser beiden Frauengestalten und ihrer ganzen dramatischen Polarität sowie das Verhältnis der jeweiligen Eurythmiefigur zu ihrer Sprecherin (Dorothea Maier/Christiane Görner als Klytämnestra, Ulrike Wendt/Nicole Huiskamp als Elektra) ist das zentrale künstlerische Arbeitsthema der Produktion. Vordergründig geht es um Blut und Rache dahinter steht die Auseinandersetzung zweier polarer Prinzipien und die Frage nach echter Begegnung, nach dem Neuen, das in der vorchristlichen Antike noch nicht gefunden werden kann.

+A1_1 foto 2  (c) Ch. Fischer.psd
Elektra.

Auch den Gestalten von Ilse Aichinger, deren Szene „Erstes Semester“ den zweiten Teil des Programms bildet, mangelt es an wirklicher Begegnungsmöglichkeit. Der Dialog zwischen Studentin und Pförtnerin findet buchstäblich auf der Schwelle statt, sie balancieren auf eine andere und viel stillere Art als bei Hofmannsthal im Zwischenraum von Macht und Ohnmacht. Mit präzise gesetzten Worten meißelt die österreichische Dichterin die Charaktere heraus und bringt sie gleichzeitig zum Schweben. Trotz der meist ganz dem Alltag entnommenen Worte umgibt Aichingers Figuren ein Hauch von Unwirklichkeit und gleichzeitig auch von Ewigkeit.

Stephan Stockmar schreibt in der Dezemberausgabe von DIE DREI über die Produktion: „Der starke und nachhaltige Eindruck einer »dramatischen« Eurythmie, die im Zusammenspiel mit Elementen aus dem Theater gerade nicht ihre äußeren Grenzen auslotet, sondern ganz aus ihrem Kern heraus arbeitet, hat sich mir auch bei diesem neuen Programm wieder eingestellt. Die eurythmische Bewegung verliert sich in der Gestaltung durch Dorothea Maier und Ulrike Wendt weder in der Peripherie, noch erstarrt sie zu Vorstellungen. Die Führung der Bewegungen, so konnte ich es wahrnehmen, bleibt immer lebendig, wird aber auch wie beobachtend begleitet, was einen Moment des Innehaltens bewirkt, aus dem heraus sich die Bewegung wie umstülpt in eine innere Dimension. Gerade dadurch werden die Zwischenräume erlebnismäßig erschlossen, um die es in beiden Programmen ja auch thematisch geht.“

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Klytämnestra.

Im Frühjahr ist „Blut.Spuren ein Fragment“ zunächst in Mannheim, Stuttgart, Hamburg und Basel zu sehen, weitere Aufführungen sind in Planung. Das Stück eignet sich auch für Oberstufenaufführungen und soll im Herbst 2015 erneut auf Tournee gehen.

Mitwirkende: Dorothea Maier und Ulrike Wendt (Idee, Konzept und Eurythmie), Christiane Görner und Ute Kahmann (Sprache und Schauspiel), Moritz Meyer (Licht)

Ulrike Wendt

Tournee 2015

Fr. 6. Februar, 20 Uhr, Einführung 19 Uhr, Akademie für Waldorfpädagogik, Zielstr. 28, Mannheim

Karten: 0621 / 30 94 80, veranstaltung@akademie-waldorf.de

Sa. 7. Februar, 20 Uhr, Einführung 19 Uhr, Eurythmeum Stuttgart, Zur Uhlandshöhe 8

Karten: 0711 / 236 42 30, tickets@eurythmeumstuttgart.de

Sa. 14. März, 20 Uhr, Einführung 19 Uhr, Rudolf Steiner Haus Hamburg, Mittelweg 11-12

Karten: 040 / 41 33 16 30, info@rudolf-steiner-haus.de

Sa. 28. März, 18 Uhr, mit einer Einführung von Marcus Schneider, SCALA BASEL, Freie Straße 89, CH-Basel

Karten an der Abendkasse, Informationen: +41 (0)61 / 270 90 50 , kultur@scalabasel.ch

Weitere Informationen, Programmbuchungen und Kontakt: Studio B7, www.studiob7.eu, mail@studiob7.eu, Tel.: 0175-5603852

Fotos: © Charlotte Fischer