Pressekonferenz mit Bê Ignacio

„20 Jahre Waldorf One World (WOW)-Day“ eine andere Art der Globalisierung

Als weltweite pädagogische Bewegung auf der Basis zivilgesellschaftlichen Engagements präsentierten sich die Waldorfschulen auf ihrer Pressekonferenz in Hamburg anlässlich des Jubiläums „20 Jahre Waldorf One World“ (WOW-Day). Der WOW-Day stellt eine andere Form der Globalisierung dar, denn Schülerinnen und Schüler arbeiten einen Tag lang für einen guten Zweck, um benachteiligten Kindern in ärmeren Ländern Hilfe zuteilwerden zu lassen. Rund 3 Mio. EUR kamen so in 20 Jahren zusammen, berichtete WOW-Day- Koordinatorin Olivia Girard.

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Pressekonferenz in Hamburg Oktober 2014

Vertreten auf der Pressekonferenz war neben dem Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) auch die internationale Waldorforganisation Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. Als Botschafterin zum WOW-Day-Jubiläum nahm die brasilianische Sängerin Bé Ignacio teil, ehemalige Waldorfschülerin aus Sao Paulo. In Deutschland wurde sie vor allem durch den WM-Hit „Ayo, aye“ bekannt.

Bé Ignacio unterstrich die Bedeutung des WOW-Days: „Solche Hilfen sind extrem wichtig für Projekte wie das in der Favela Monte Azul am Rande von Sao Paulo“, betonte die Sängerin, die regelmäßig Teile ihrer Gagen für soziale Projekte spendet. Ihre Eltern gehörten vor 40 Jahren zu den Gründern des Projektes Monte Azul, sie selbst wuchs in der Favela auf. Aus ihrer Sicht ist diese mitten in einem Slum funktionierende Gemeinschaft ein „Paradebeispiel“ dafür, was Waldorfpädagogik auch in einem schwierigen sozialen Umfeld bewirken kann. „Diese Kinder sind in ihrem Alltag Gewalt und Drogen ausgesetzt. Der Kontrast zu den waldorfpädagogischen Einrichtungen, in denen sie dort betreut werden, ist enorm. Aber genau dadurch bekommen sie die Chance, einen Gegenpol zu ihrem Alltag zu erfahren.“ Auch die Menschen in den reichen Ländern könnten Inspiration durch die Bewohner der ärmeren Regionen hinsichtlich ihrer Motivation und Willenskraft erfahren, betonte die Sängerin.

BdFWS-Vorstandsmitglied Henning Kullak-Ublick dankte den Waldorfschülern und den Freunden der Erziehungskunst für ihr Engagement beim alljährlichen WOW-Day. Er sei eine wunderbare Gelegenheit für die Schüler „nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch globale Verantwortung zu üben“.

Nana Göbel, Vorstandsmitglied der Freunde der Erziehungskunst, betonte, die Waldorfschulen seien ein „weltweiter Impuls der Zivilgesellschaft.“ Es gebe sie nur, weil Eltern, Lehrer und manchmal auch Schüler sie verwirklichen wollten. Am Beispiel von Ungarn, Israel und Argentinien beschrieb sie die unterschiedlichen Bedingungen der Schulen in den einzelnen Ländern.

Olivia Girard von den Freunden der Erziehungskunst schilderte die Entwicklung des WOW-Days von einer zunächst auf Deutschland und Europa beschränkten Aktion zu einer mittlerweile weltweit wirksamen Kampagne: „Der WOW-Day wächst jedes Jahr und bricht seine eigenen Rekorde. Allein 2013 beteiligten sich 230 Waldorfschulen aus 35 Ländern, die Schülerinnen und Schüler erwirtschafteten zusammen rund 400.000 EUR“. Die Idee war 1994 aus Norwegen übernommen worden, wo Schüler einen Tag für soziale Projekte arbeiteten. Mit einem Preisausschreiben zum Jubiläum sollen besonders originelle WOW-Day-Aktionen belohnt werden. Girard setzte den WOW-Day auch zur UN-Kinderrechtskonvention in Bezug: „Durch ihre Teilnahme tragen die Waldorfschüler zur Verwirklichung des Rechts auf ganzheitliche Bildung in den ärmeren Ländern bei ganz im Sinne der Kinderrechtskonvention“.

Die WaldorfschülerInnen Julia B. und Mikael D. aus der Klasse 11b der Rudolf Steiner Schule Hamburg-Wandsbek berichteten auf der Pressekonferenz von ihrer diesjährigen Aktion im Rahmen des WOW-Day. „In der siebten Klasse haben wir zum ersten Mal mitgemacht, da haben wir Rasen gemäht oder beim Nachbarn im Garten geholfen und das Geld dann gespendet“, berichtete Mikael D. In diesem Jahr wurde in der Innenstadt selbstgebackener Kuchen verkauft. Die Klasse nahm dadurch 1.100 Euro ein, die ganze Schule hat insgesamt rund 5.000 Euro für den WOW-Day gesammelt. „Unser Geld soll an die Waldorfschule in der Nähe von Freetown in Sierra Leone gehen“, erläuterte Julia B. Dies habe die Klasse entschieden, nachdem sie sich mit der Ebola-Epidemie in Westafrika beschäftigt habe. Die Rudolf Steiner Schule Hamburg-Altona beteiligte sich mit einer Müllsammelaktion in den umliegenden Stadtteilen am WOW-Day. 250 gefüllte Säcke wurden von Sponsoren vergütet. Der Erlös soll an Waldorfinitiativen in Lateinamerika gehen.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.

Fotos: © Bund der Freien Waldorfschulen e.V.