Waldorfschüler feiern Erntedank mit eigenen Kartoffeln

Fleißig tragen die Viertklässler der Freien Waldorfschule Sankt Augustin acht Kisten Kartoffeln über den Schulhof. Das Besondere: die Kartoffeln haben sie selber gesetzt und geerntet nun soll die Ernte abgewogen werden. 

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Bildbeschrebung: Die Kinder beim Sortieren und Wiegen der eigenen Ernte

Zwei Waagen stehen bereit, abgepackt werden die Kartoffeln in zwei Kilo-Portionen. Vorher werden sie sortiert. Die schlechten werden aussortiert, ebenso die ganz kleinen Exemplare, die unter der Regie von Gartenbaulehrerin Barbara Maintz im nächsten Jahr ihren Weg zurück in die Erde finden werden. Doch bis zum Abwiegen der eigenen Kartoffelernte an diesem Freitag war es ein mühsamer, wenn auch lohnenswerter Weg. 

Die Arbeiten fingen bereits in der 3. Klasse an: Der Acker im Schulgarten der Waldorfschule wurde für die Kartoffelsaat eigenhändig vorbereitet, anschließend wurden die Kartoffeln im März 2014 gesetzt.  „Der Ackerbauunterricht in der 3. Klasse fördert die Entwicklung der Kinder. Die direkte Berührung zur Erde hilft dem Kind, sich selber in der Welt zu finden und sich zu ‚erden’“, berichtet Agnes Orth. Doch auch der soziale Aspekt ist der Klassenlehrerin wichtig: „Die Kinder sind auf die Mithilfe der anderen angewiesen und lernen im Team zu arbeiten.“ 

In Furchen gelegt sind die Kartoffeln gekeimt, dann wurden sie gehäufelt und mit viel Erde bedeckt. Als dann im Sommer das Kartoffelkraut welkte, fiel der Startschuss für die Ernte! Diese war sehr anstrengend. Sie fand an zwei Terminen statt: Während am ersten Termin mit einer Grabschaufel die Erde gelockert und umgehoben wurde, kam beim zweiten Termin ein 100 Jahre alter Kartoffelpflug zum Einsatz, der es schaffte, die Kartoffeln unverletzt an die Oberfläche zu bringen. Der Pflug musste von 3-4 Kindern gezogen werden. 

Die Arbeit im „Grünen Klassenzimmer“ hat den Kindern großen Spaß gemacht. Es gab viel zu staunen und zu beobachten. Etwa, wie eine Mutterkartoffel zahlreiche Tochterkartoffeln bildet. Doch auch der kulinarische Genuss kommt nicht zu kurz. Jedes Kind darf sich 2 Kilo Bio-Kartoffeln mit nach Hause nehmen, bei den meisten stehen Bratkartoffeln auf dem Speiseplan. 

Am Ende blickt die Klasse zufrieden auf eine Ausbeute von stolzen 134 Kilo Kartoffeln - das hat das Abwiegen als Ergebnis hervorgebracht. Auf einen Teil der Kartoffeln wartet ein feierliches Essen im Schulgarten, zu dem sich die Klasse abschließend trifft. 

Serap Lannert

Foto: Serap Lannert