Aufführungen an der neuen Bühne am Goetheanum

‹Licht und Lüge› Bilder aus ‹Peer Gynt› in Eurythmie

Nach der Eröffnung der neuen Bühnen des Großen Saals startet die Eurythmie-Bühne am Goetheanum unter der Leitung von Margrethe Solstad die Vorführung ‹Licht und Lüge› und zeigt Bilder aus ‹Peer Gynt› von Henrik Ibsen und Kompositionen von Knut Nystedt und Edvard Grieg, gespielt vom Orchestra Camerata Da Vinci.

Mit dem ‹nordischen Faust› spannt die Eurythmie-Bühne den künstlerischen Bogen bis 2016, wenn am Goetheanum wieder ‹Faust I und II› von Goethe gezeigt werden wird. Mit Peer Gynt hat Ibsen eine Figur geschaffen, die ein gesundes Verhältnis zwischen Fantasie und inneren Wahrbildern, zwischen Schein und Wirklichkeit erst finden muss. Für das Programm ‹Licht und Lüge› haben die künstlerisch Verantwortlichen Margrethe Solstad und Rob Schapink Bilder vom jungen und gereiften Peer Gynt ausgesucht, die innere Gefährdungen des Menschen und ihre Bewältigung aufzeigen.

Das Einbeziehen der Musik von Edvard Grieg und Knut Nystedt geht auf einen Konzertbesuch von Margrethe Solstad zurück: Sie hörte vor 20 Jahren in Oslo die ‹Holbergsuite› von Edvard Grieg und die Sinfonie für Streicher Opus 26 von Knut Nystedt und war von der Zusammenstellung der unterschiedlichen Tonsprachen so beeindruckt, dass sie Kontakt zu Nystedt aufnahm.

Mit dem ‹Peer-Gynt›-Projekt war für Solstad der Moment gekommen, die Entwicklungsschritte und inneren Konflikte Peer Gynts über die sprachliche Seite hinaus auch musikalisch zu interpretieren und damit die Zerrissenheit des modernen Menschen in der romantischen und der zeitgenössischen Musik Griegs und Nystedts zu spiegeln. Die verschiedenen Schichten in der Persönlichkeit Peer Gynts werden sowohl durch dramatische Eurythmie in Kostümen als auch durch Toneurythmie in ‹Kleid und Schleier› aufgezeigt. Es spielt das Orchestra Camerata Da Vinci unter Leitung von Giovanni Barbato.

Oper ‹Der Sturz des Antichrist› von Viktor Ullmann

Als erstes Opernprojekt auf der neu mit Orchestergraben ausgestatteten Großen Bühne wird die Oper ‹Der Sturz des Antichrist› von Viktor Ullmann nach der gleichnamigen ‹Dramatischen Skizze› Albert Steffens gezeigt. Die Schweizer Erstaufführung am 25. Oktober ist ein Gastspiel des Mährischen Theaters Olomouc.

In diesem Werk geht es um das Verhältnis eines Wissenschaftlers, eines Priesters und eines Dichters gegenüber einem totalitären Herrscher, dem Regenten. Steffen arbeitet verschiedene Haltungen wie Pragmatismus und Idealismus heraus: Der Techniker und der Priester unterwerfen sich dem Regenten, während sich der Künstler widersetzt. Dabei hilft ihm der greise Wärter, der seine Integrität auch unter der Herrschaft des Regenten bewahrt hat. Dadurch gewinnt der Dichter die Kraft, seine Geistesbrüder zu erlösen. Denn nur gemeinsam als Repräsentanten von Wissenschaft, Religion und Kunst können sie für die Zukunft der Menschheit wirksam sein.

Viktor Ullmann vertonte diese ‹Dramatische Skizze› als umfangreichste seiner Kompositionen; sie gilt heute als sein ‹Bekenntniswerk›. Nach noch einmal grösster Schaffenskraft im Ghetto Theresienstadt wurde er in Auschwitz-Birkenau in der Gaskammer ermordet. Seine Oper ‹Der Sturz des Antichrist› wurde erst 60 Jahre nach ihrer Entstehung, am 7. Januar 1995, in Bielefeld uraufgeführt. Nach einer zweiten Inszenierung am Theater Hof 2007 findet am 18. Oktober 2014, dem 70. Todesjahr Viktor Ullmanns, die Premiere der dritten Inszenierung in Olomouc statt. Am 25. Oktober ist sie als Schweizer Erstaufführung am Goetheanum zu sehen. Marcus Gerhardts, der ein Archiv zu Viktor Ullmann betreut, wird in die Oper um 16.30 Uhr einführen.

Im Vorfeld der Premiere der Oper ‹Der Sturz des Antichrist› am Mährischen Theater Olomouc haben am Goetheanum im Juni ein Kammerkonzert und ein Lyrischer Abschluss mit Kompositionen von Viktor Ullmann stattgefunden.

Gesamt-‹Faust› kommt 2016 ‹Faust I› schon ab Sommer 2015

Ostern 2016 hat die Neuinszenierung der Goetheanum-Bühne von ‹Faust I und II› von Johann Wolfgang Goethe Premiere. Die künstlerische Leitung liegt bei Margrethe Solstad (Eurythmie) und Christian Peter (Schauspiel). Eine Voraufführung von ‹Faust I› wird schon im Sommer 2015 gezeigt.

Noch heute ist Goethes ‹Faust› ein vom breiten Publikum gefragtes Stück Weltliteratur, das die deutsche Sprache ähnlich bereicherte wie die Bibelübersetzung Martin Luthers. Goethes ‹Faust› ist auch mit dem Goetheanum eng verbunden. Hier fand 1938 die Welt-Uraufführung der ungekürzten Tragödie statt. Seither wurde es in Sommerfestspielen am Goetheanum gezeigt, zuletzt 2004 mit 17 Aufführungen und rund 11 000 Zuschauern. Neben dieser Kontinuität ist die Zusammenarbeit des Schauspiels mit der Bewegungskunst Eurythmie am Goetheanum einmalig.

Für die Neuinszenierung 2015/16 spannt ein künstlerisches Team zusammen:

- Christian Peter ist Regisseur für den Bereich Schauspiel, assistiert von Andrea Pfaehler; Margrethe Solstad verantwortet die eurythmischen Einstudierungen. «Liebe und Hass, das Böse, Geld und Machtstrukturen und was unser Bewusstsein mit all diesem zu tun hat, sind Fragestellungen, die im ‹Faust› thematisiert werden. Diese tiefgründig, unterhaltsam und facettenreich auf die Bühne zu bringen ist unser Ziel», so Peter.

Zum Team gehören außerdem:

Rob Barendsma zeichnet für die Kostüme verantwortlich. Er ist Musiker, Eurythmist und Kostümbildner. Er war unter anderem für Lotte World in Seoul, für das Nederlands Dans Theatre und verschiedene Eurythmieensembles tätig.

Roy Spahn übernimmt das Bühnenbild. Er ist Bühnen- und Kostümbildner, darunter für das Schauspielhaus Hamburg, das Teatro São Carlos in Lissabon sowie das Opernhaus Zürich und für das Opernfestival in St. Moritz.

Andreas Peer Kähler wird die Bühnenmusik komponieren. Er ist Dirigent und Komponist sowie Gründer von Orchesterprojekten wie die Deutsch-Skandinavische Jugend-Philharmonie und das Kammerorchester Unter den Linden.

Konzerte am Goetheanum

Der Große Saal des Goetheanum ist für Musiker ein gefragter Ort: Seine Akustik ist trocken und klar und wird auch für Tonaufnahmen genutzt. Das Publikum wird als besonders aufmerksam im Zuhören geschätzt.

Wie sehr das Goetheanum als Konzertort gefragt ist, davon zeugen nicht zuletzt die vielen Anfragen für Gastspiele.

Die Goetheanum-Bühne ist regelmäßige Spielstätte für verschiedene Ensembles und Solisten. So wird das Orchester Dornach auch sein Jubiläumskonzert ‹50 Jahre Orchester Dornach› wieder im Goetheanum spielen (9. November); und der Glarisegger Chor unter Leitung von Heinz Bähler wird am 27. September zu Gast sein. Die Kammermusik Arlesheim wird am 16. November im Grundsteinsaal spielen.

Als Solisten werden in diesem Jahr noch die beiden Klaviervirtuosen Jörg Demus (19. Oktober 2014) und Hristo Kazakov (6. Dezember 2014 mit einer Fortsetzung seines Zyklus von Beethoven-Sonaten) zu hören sein.

Sebastian Jüngel